Briefe - DER SPIEGEL
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Artikel 75 / 78

Illustration: Patrick Mariathasan / DER SPIEGEL

Briefe

»Männer!«, Robert Habeck, Schriftsteller ­ Lukas Rietzschel, Elektronische Patientenakte – das waren die Themen, zu denen wir in der vergangenen Woche die meisten Zuschriften erhalten haben.
• aus DER SPIEGEL 49/2024

Ein bisschen mehr Selbstkritik

Nr. 48/2024 Titel: »Männer!« 

  • Das beste Cover ever! Diesen Satz denke ich täglich zigmal.
    Christa Stubbe, Leverkusen

  • Dass Sie nach dem Merkel-Interview auf dem SPIEGEL-Cover nur das Zitat »Männer« von Merkel zu bringen haben, ist ja wohl ein Scherz. Ich bin vom SPIEGEL etwas mehr Niveau gewohnt.
    Dr. Lothar Schattenburg, Bad Neustadt (Bayern)

  • Wie wunderbar ein einziges Wort, »Männer!«, einer klugen Frau eine ganze Riege testosterongesteuerter und unglaublich wichtiger Herren auf Normalmaß zurückstufen kann. Ich stelle es mir bildlich vor, wie sich Frau Merkel gemeinsam mit ihrer Co-Autorin Frau Baumann bei der Abfassung ihrer Memoiren gekringelt hat vor Lachen, unter der Vorstellung der langen Gesichter derjenigen, die in ihrer Biografie überhaupt nicht genannt wurden. Ich bin gespannt auf das Buch, habe es bereits zweimal bestellt und freue mich auf die Lektüre.
    Regine Trojan, Marburg

  • Zu schade, dass sie ein Unikat ist.
    Katja Mackens-Hassler, Hamburg

  • Vielen Dank für das kritische Gespräch. Respekt vor Angela Merkels Lebensleistung und der Anerkennung, die sie in der Welt als deutsches Staatsoberhaupt erfahren hat. Aber ihre Antworten hinsichtlich möglicher Fehler in der Flüchtlingskrise und ihres Umgangs mit Putin lassen mich nur mit dem Kopf schütteln. Mit ihrer richtungsweisenden Entscheidung, 2015 die Grenzen offen zu lassen, hat sie die AfD erst stark gemacht. Seehofer sagte: »Die Migration ist die Mutter aller Probleme« und meinte damit wohl die unkontrollierte Migration. Leider ist es heute, neun Jahre später, nicht viel anders. Da muss man sich nicht wundern, dass die AfD und das BSW in der Mitte der Gesellschaft immer mehr Zulauf erfahren.
    Marc Straube, Potsdam

  • Leider wurde das Thema Naher Osten vollkommen ausgeklammert. Warum?
    Siegfried Ullmann, Alfter (NRW)

  • In dem Gespräch konnte man viel erfahren über die Beweggründe und die ethische Einstellung von Frau Dr. Merkel. Aber dass die Klimakanzlerin nicht nach ihrem großen Auftritt im roten Anorak vor dem Grönlandeis im August 2007 gefragt wurde, ist doch sehr verwunderlich, noch dazu im Umfeld von COP29.
    Johannes Zauner, Reisbach (Bayern)

  • Ein bisschen mehr Selbstkritik von Frau Merkel hätte ich mir gewünscht. Vielleicht ist es aber auch genau diese fehlende Eigenschaft, die uns als Wähler immer mehr von den Regierenden entfernt.
    Peter-Paul Ruthsch, Grafschaft (Rhld.-Pf.)

  • Es verdient Anerkennung, wie sich die Ex-Bundeskanzlerin weiterhin zu ihrer Haltung während der Migrationskrise 2015 äußert und ihren Satz »Wir schaffen das!« kommentiert. Es war ja nicht naive Gutmenschen-Atti­tüde, die sie antrieb, sondern eine realistische Einschätzung der aktuellen Situation. Noch eindrucksvoller ihr Bekenntnis damals: »Wenn wir jetzt anfangen, uns noch entschuldigen zu müssen dafür, dass wir in Notsitua­tionen ein freundliches Gesicht zeigen, dann ist das nicht mein Land.« Als langjähriges Mitglied der SPD-Bundestagsfraktion muss ich feststellen: Solche Formulierungen auszusprechen, wagt heute leider kaum noch jemand aus dem gesamten Spektrum der »demokratischen Mitte«, von der Union bis zu SPD und Grünen – aus Angst vor einem weiteren Erstarken der rechtsextremen Parteien. Und doch war und ist es richtig, dass zwar die illegale Zuwanderung strikt bekämpft werden muss, andererseits jedoch Humanität in der Asylpolitik gewahrt werden muss, und dass Integration am ehesten gelingt, indem auch die aufnehmende Gesellschaft Offenheit und Veränderungsbereitschaft zeigt. Respekt, Frau Merkel!
    Dr. Cornelie Sonntag-Wolgast,
    Parlament. Staatssekretärin b. Bundesminister d. Innern a. D., Hamburg

  • In diesem Interview hat Angela Merkel weitestgehend schwammige Antworten gegeben. Nur mit dem Satz »Die Merkel war’s« hat sie sehr nebulös eingeräumt, dass sie Infrastruktur, Digitali­sierung et cetera vernachlässigt hatte. Ansonsten hat sie alle ihre Entscheidungen während ihrer Amtszeit verteidigt. Sie philosophiert mehr, als dass sie erklärt oder informiert. Wenn man auf über 700 Seiten keine tiefergehenden Argumente für ihre Entscheidungen lesen kann, dann frage ich mich, warum sie es überhaupt geschrieben hat.
    Christine Schonscheck, München

Es fehlt Sensibilität

Nr. 47/2024 Robert Habeck träumt von der Kanzlerschaft  

  • Beim Lesen habe ich mich gefragt, in welchem Jahrhundert die drei Autoren stehen geblieben sind. Bezeichnen Männer heute wirklich noch andere Männer als Softies und Frauenversteher? Sind sie selbst Machos? Seit vielen Jahren bin ich Abonnentin, selten habe ich einen Artikel gelesen, der so voller Häme, Abwertung, Unsachlichkeit und Respektlosigkeit ist.
    Regina Quapp-Politz, Bernkastel-Kues (Rhld.-Pf.)

  • Die Überschrift »Grüne Anmaßung« ist einfach nur reißerisch. Was ist daran anmaßend, wenn man als Außenseiter das Ziel ausgibt zu siegen? Das motiviert das eigene Team. Zudem ist es irreführend, weil »anmaßend« im Text dann nur auf Habecks Europa-Haltung bezogen wird. Die Schreiber suggerieren aber den Bezug auf das ganze Grünen-Programm. Auch in anderen Passagen verdeutlicht die Wortwahl, wo sie gegenüber den Grünen stehen: Er »tönt«, er sei ein »grüner Zwerg« und so weiter. Das grenzt an Grünen-Bashing. Die Redakteure sollten sich vielmehr an Habeck ein Beispiel nehmen; er hat ein Buch über die Sprache in der Politik geschrieben und lebt den fairen Umgang mit ihr und seinen Gegnern. Die an ihm kritisierte Bescheidenheit, Nachdenklichkeit und Sensibilität sind vielmehr das, was den Politikern heute fehlt – und nun auch den SPIEGEL-Redakteuren?
    Heinz-Ulrich Lehne, Braunschweig

Aus der Seele gesprochen

Nr. 47/2024 Schriftsteller Lukas Rietzschel über die Russlandverharmlosung der SPD 

  • Ein großes Kompliment an den Verfasser, Herrn Rietzschel. Auf zwei Seiten ein so deutliches Bild von der vernichtungsbedrängten Selbstdarstellerin Sahra Wagenknecht und ihrer Partei darzustellen und zur gleichen Zeit die verschiedenen Positionen der anderen Parteien dazu, ist wirklich großartig. Leider ist es auch wahr. Wenn Deutschland politisch so weitermacht, verschwindet es in einem Vakuum der Rückständigkeit und verbleibt politisch in den Ideen der Narzissten, die sich populistisch äußern, ausgelacht von den Diktatoren dieser Welt.
    Peter Jan Visee, Frankenau (Hessen)

  • Selten habe ich eine so präzise und konzise Analyse des Verhältnisses der Deutschen und vor allem der Menschen, die die DDR erlebt haben, zu Russland gelesen. Warum hat Frau Wagenknecht nicht den Mut, in die Ukraine zu reisen, um mit den Menschen dort zu sprechen? Vielleicht würde sie dann ihre Meinung ändern. Es ist leicht, wenn nicht sogar vermessen, aus dem sicheren Deutschland für andere, die in der Ferne leiden, zu sprechen und realitätsfremde Vorschläge zu machen. Wenn Deutsch­land Ziel einer Aggression wäre, würde sie dann auch anderen vorschlagen, Deutschland nicht zu unterstützen?
    Dr. Gerhard Puri, Gorxheimertal (Hessen)

  • Tief im Herzen sozialdemokratisch und noch immer mit feuchten Augen dasitzend, wenn zum x-ten Mal der Kniefall Willy Brandts über den Bildschirm flimmert, habe ich das Gefühl, dass Lukas Rietzschel mir in seinem Artikel vollends aus der Seele spricht. Für die Blindheit gegenüber Russland, genauer Putins Russland, fehlt auch mir jegliche Akzeptanz. Es freut mich als weißen alten Mann mit 68 Jahren, solche weisen Zeilen eines 30-Jährigen lesen zu können. Danke dafür dem SPIEGEL.
    Rüdiger Reupke, Isenbüttel (Nieders.)

Knietief im Digitalsumpf

Nr. 47/2024 Was gegen die elektronische Patientenakte spricht 

  • Herzlichen Dank an Herrn Müller für seine erhellende und detaillierte Argumentation, warum er »keine elektronische Patientenakte will«. Prioritär beschränkt die ePA die informationelle Selbstbestimmung, gefährdet die Schweigepflicht und das Vertrauensverhältnis zwischen Patient:in und Arzt. Ich möchte nicht diversen Heilberufen Einsicht in meine Gesundheitsdaten gewähren. Und als lediglich pseudonymisiertes Versuchskaninchen auch nicht mit meiner »Datenspende« der Forschung dienen.
    Regine Posé, Reichshof (NRW)

  • Auch ich (seit 30 Jahren niedergelassener Arzt) habe der Patientenakte widersprochen. Denn ich möchte nicht, dass die Praktikantin in der Apotheke meine Krankengeschichte kennt.
    Peter Hermann, Moers (NRW)

  • Zur Einführung der elektronischen Patientenakte kann ich nur von folgendem Szenario berichten: Freitagnachmittag, Patienten in der Notaufnahme – Vorbefunde werden nicht mitgebracht, die Kenntnisse über die bisherige Krankheitsgeschichte sind löchrig, ein Medikamentenplan ist nicht vorhanden, Hausarztpraxen sind geschlossen. Die elek­tronische Patientenakte schließt hoffentlich diese Lücke der ansonsten immer noch faxbetriebenen Notfallversorgung.
    Robert Sievers, Berlin

  • Vielen Dank für den gut recherchierten Artikel. Ich möchte noch zwei Argumente hinzufügen: Das Berechtigungskonzept der eAkte ist äußerst undurchdacht und IT-technisch mangelhaft umgesetzt: Wem Sie beispielsweise lesenden Zugriff auf die eAkte erteilen,
    der hat automatisch auch die Berechtigung, alle Dokumente Ihrer Akte zu löschen. Man wird aufgefordert, eigene Dokumente – wie den Impfausweis – in einer Arztpraxis nachpflegen zu lassen. Zumindest ich kenne keinen Arzt oder Zahnarzt, der dafür Zeit hätte und mir meine fehlenden Daten nachpflegt. Eine Pflege durch mich selbst ist aber nicht vorgesehen und wohl auch nicht möglich. Ich habe mich daher entschlossen, wie der Autor Widerspruch gegen die Nutzung ein­zulegen.
    Claus Thiede, Hofheim am Taunus (Hessen)

  • Vielen Dank für diesen großartigen Bericht. Martin U. Müllers Analyse ist eine Aufforderung zur Vernunft, gerichtet an die neue Bundesregierung.
    Irene A. Schmidt, Wedel (Schl.-Holst.)

  • Nach Ihrem Bericht stehen mir die Haare zu Berge: Apothekenmitarbeiter dürfen die ePA nach Interesse lesen? Die Physios auch? Und, haarsträubend für mich als ehemalige IT-Fachkraft, Upload von Bilddateien vorerst unmöglich wegen des zu befürchtenden Risikos des Missbrauchs? Alle JPEGs in PDF umwandeln? Ich schätze, dass die Praxen ihre Faxgeräte reaktivieren müssen. Mein Mitgefühl gilt allen Praxismitarbeitern, die demnächst knietief im Digitalsumpf waten müssen.
    Hildegard Lünke, Nürnberg

  • Als praktizierender Facharzt erlebe ich leider immer wieder, dass Patienten mit einem komplexen Problem und einer komplexen Vorgeschichte blind oder nur mit vage erinnertem Halbwissen behandelt werden müssen. Entspricht die freiwillige Bereitstellung von Vordiagnosen nicht dem gesunden Menschenverstand? Wer gute ärztliche Behandlung erfahren will, sollte den ärzt­lichen Blindflug abschaffen, gern mit dem sorgfältig geführten privaten Leitz-Ordner oder USB-Stick, und für diejenigen, die dies nicht leisten können oder wollen, mit der ePA als Standard.
    Dr. med. Roland Brilla, Bonn

Neue Weltordnung nach Trump-Wahlsieg

Nr. 47/2024 Politologe Herfried Münkler analysiert die Wiederauferstehung der Imperien 

  • Der in seiner Klarheit bestechende Essay gehört auf jedes Pult der »Friedensbewegten« und sollte bundesweit in der Schule behandelt werden. Es wird Zeit, in einem immer noch sehr schläfrigen Land zumindest den Nachwachsenden aufzuzeigen, was passieren könnte.
    Peter Schiller, Kisdorf (Schl.-Holst.)

Schöne Aussichten

Nr. 47/2024 Kolumne »So gesehen« – Der politische Fahrplan für 2025 steht

  • Ich weiß nicht, wann ich zuletzt in dieser trostlosen Zeit, in der leider in den Medien ein ziemlich respektloses, unanständiges und unfaires Kanzler-Bashing Platz gegriffen hat, so gelacht habe. Danke dafür!
    Martin Thomas, Hoppstädten-Weiersbach (Rhld.-Pf.)

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