Illustration: Patrick Mariathasan / DER SPIEGEL
Briefe
Glücksgefühl für Leib und Seele
Heft 29/2025 Die Urlaubsformel
Im Sudan ist Weltuntergang, die Huthis zerschießen Handelsschiffe, die Chinesen terrorisieren das Südchinesische Meer, Netanyahu hungert zwei Millionen Menschen aus, und ihr ergründet das »Geheimnis der Erholung«? Echt jetzt?
Peter Vicsay, BerlinDie Erholung fängt eigentlich schon mit der Vorfreude vor dem Urlaub an. Sich zu freuen auf ein Wiedersehen mit Familie, Sehnsuchtsorte aufzusuchen, neue Länder zu erkunden oder einfach alle viere von sich zu strecken, das hebt schon das Glücksgefühl für Leib und Seele. Gesundheitsfördernd ist auch, ein Tagebuch oder Erinnerungsalbum zu führen. Man erlebt die Urlaubstage dabei bewusster, und es fördert das Gedächtnis.
Alan Benson, BerlinMehrere Argumente sprechen gerade gegen Auslandsreisen: Inflation samt leerer Reisekasse, Klimawandel mit unerträglicher Hitze und schlechter Wasserqualität, politisch instabile Reiseländer, wachsende Kriegsgefahr. Statt auf hohem Niveau zu jammern, sollten wir uns und unsere reiseverwöhnten Nachkommen daran erinnern, dass wir uns einst im Freibad, im Stadtpark, in den Wäldern, sogar auf Balkonien und Terrassien prächtig erholt und amüsiert haben. Etwas Bescheidenheit stünde uns gut und trüge zum Klimaschutz bei.
Dr. Fred Maurer, Aalen (Bad.-Württ.)
Die Macht der Städte
Heft 28/2025 Leitartikel: Der Westen kann Erdoğan nichts entgegensetzen
Die Autorin sagt: Ganz Europa schaut hilflos auf Erdoğan, wie er Oppositionelle verhaften lässt. Nein, der Leitartikel vernachlässigt eine wesentliche Ebene, die nicht hilflos zuschaut: Städte. Oberbürgermeister:innen und Stadtabgeordnete sowie Zivilgesellschaft weltweit solidarisieren sich mit der türkischen Opposition, sie mahnen und üben Druck auf die türkische Regierung aus. Andererseits arbeiten sie mit türkischen Städten (ob CHP- oder AKP-regiert) erfolgreich zusammen. Städte zeigen, wie Demokratie funktioniert. In Deutschland geschieht dies in über 100 kommunalen deutsch-türkischen Städtepartnerschaften (Stichwort Städtediplomatie), die sich unter anderem am 8. April 2025 in Istanbul zur deutsch-türkischen Städtepartnerschaftskonferenz versammelt haben. Städte sind Europa und keinesfalls hilflos und sprachlos, nur arbeiten sie manchmal eben geräuschlos. Diese Ergänzung um die Macht der Städte hätte den Leitartikel nahezu perfekt gemacht.
Martin van der Pütten, Leitung Internationale Beziehungen, Stadt DortmundNiemand muss sich beschweren. Alle wissen, wie sich Erdoğan gebärdet. Es darf für ihn keine Chance geben, in die EU zu kommen. Außerdem: So, wie er sich im eigenen Land benimmt, hat er in der Nato nichts mehr verloren.
Lothar Wirth, Berlin
In Teilen erfreulich
Heft 28/2025 Kolumne: Der gesunde Menschenverstand
Friedrich Merz hat bisher ohne Not vor der Wahl die dicksten Versprechen gegeben und sich an keines gehalten. Die Staatskasse ist leer, zur Verantwortung wird Herr Spahn aber nicht gezogen. Der Auftritt im Oval Office war zum Fremdschämen. Muss ich mir um Ihr Urteilsvermögen Sorgen machen? Was hat dieser Kanzler bisher geleistet? Sich lediglich nicht zu blamieren ist also auch schon was wert?
Petra Dreger, Roth (Bayern)Wer Merz’ Auftritte bei Maischberger oder bei Trump einer neuen Beurteilung zugrunde legt, darf eine alte Fußballerweisheit nicht vergessen: »Die Wahrheit ist auf’m Platz.« Und dieser Platz, auf dem sich der Kanzler bewähren muss, ist nicht das Oval Office, wo er fast ignoriert wurde, sondern der Deutsche Bundestag. Hier muss Merz überzeugende Gesetze durchbringen und Lösungen finden für dringende Probleme der Menschen. Darauf warten Bevölkerung und Journalisten bisher noch.
Dieter Schwarz, BerlinHerr Feldenkirchen stellt fest, dass sich Friedrich Merz bislang ganz gut macht als Bundeskanzler? Für seine Auftritte mag das gelten, aber für die Güte der von ihm mit Richtlinienkompetenz zu verantwortenden Politik sind erhebliche Zweifel anzumelden. In Nahost werden Israels Menschen- und Völkerrechtsverstöße als auch für uns verrichtete Drecksarbeit gerechtfertigt. Sanktionen werden verweigert, der für die Weltordnung zu beobachtende Trend zur Durchsetzung des Rechts des Stärkeren wird verstärkt. Mit Grenzkontrollen wird EU-Recht untergraben. Vermögen- und Erbschaftsteuer sind Tabuthemen, Abschreibungsmöglichkeiten für Reiche werden nicht eingeschränkt, Steuerhinterziehungen nicht ernsthaft bekämpft. In der Energiepolitik werden konsequente Ansätze der Vorgängerregierung nicht weiterentwickelt, sondern durch eher rückwärtsgewandte ersetzt. Konzepte zur Rentensanierung, Sicherung der Wasserversorgung, Abbau des Schuldenbergs fehlen. Mängel in der Regierungspolitik sind sicher teilweise koalitionsbedingt, aber die hier angesprochenen müssen in erheblichem Maße Herr Merz und seine Partei verantworten.
Norbert Christmann, Kaiserslautern
Zeit für Neuorientierung
Heft 28/2025 Ex-Vizekanzler Robert Habeck sucht nach einer neuen Rolle
Der SPIEGEL sollte endlich mal vom Nachtreten bezüglich Herrn Habeck ablassen. Was sonst ist der Zweck dieses Artikels, der eigentlich keinerlei nennenswerten Informationsgehalt hat? Ist es nicht verständlich, dass jemand, der trotz ganz großen Einsatzes in einer solchen Art und Weise in den letzten Jahren von Medien und politischen Gegnern persönlich herabgewürdigt wurde, erst mal Zeit für die Neuorientierung und Sammlung benötigt?
Beate Erdmann, BonnRobert Habeck hat als Wirtschaftsminister trotz aller widrigen Bedingungen und notorischen Versäumnisse der Vorgängerregierungen versucht, die grüne Transformation voranzubringen. Er traf unpopuläre Entscheidungen, sprang dazu einige Male über seinen grünen Schatten und hat zudem das Katastrophengeschrei von der drohenden Gasmangellage ins Leere laufen lassen. Dass Habeck, der so zum Prügelknaben der Nation wurde, den immer gleichen lustvoll-peinigenden Nachfragen irgendwann aus dem Weg geht, kann ich nachvollziehen. Anstatt dass Sie ihn als »gekränkte Leberwurst« vorführen, habe ich auf eine Kolumne des SPIEGEL zur Frage gehofft, warum ausgerechnet ein besonnener und nahbarer Habeck den pathologisch anmutenden Hass vieler Deutschen auf sich zieht. Nicht Habeck war das Problem, sondern der schizophrene Umgang vieler Deutscher mit Umweltschutz, Klimaschutz und grüner Politik.
Winfried Burger, Ebensfeld (Bayern)Habeck hat Grund für seinen Frust: Annalena Baerbock war 2021 eindeutig die falsche Kanzlerkandidatin für die Grünen. Unerfahren, wie sie war, hat sie in einer Wahlkampagne voller dilettantischer Fehler das Ergebnis der Partei um womöglich mehr als fünf Prozent gedrückt. Robert Habeck hätte sicher ein besseres Ergebnis erzielt. Er wäre wohl dennoch nicht Kanzler geworden. Aber mit 20 statt unter 15 Prozent hätten die Grünen das Verkehrsministerium reklamieren können. Ob mit Toni Hofreiter oder Cem Özdemir ist fast egal. Beide kannten sich mit der Materie aus, hätten die Bahn reformiert und für weitreichende Klimareformen gesorgt. Die FDP wäre deutlich schwächer gewesen, vielleicht nicht einmal nötig für die Regierungsbildung. Deutschland stünde heute mindestens im Klimaschutz erheblich besser da. 2021 war das Schlüsseljahr für die Grünen. An dem Misserfolg, der rückblickend womöglich der Anfang vom Ende aller Machtoptionen der Partei war, trägt Annalena Baerbock mit ihrem überzogenen Ehrgeiz die Hauptschuld.
Claudia Peter, Ebersberg (Bayern)
Über E-Scooter hüpfen
Heft 28/2025 Der Soziologe Wilhelm Heitmeyer über die gefährliche Ignoranz gegenüber der gesellschaftlichen Verrohung
Der Artikel drückt vieles aus, was ich ebenso empfinde: zunehmende Rücksichtslosigkeit im Alltag, viele Menschen scheinen nur an sich zu denken und glauben, etwas Besonderes zu sein. Ich würde es sehr hilfreich finden, wenn am Ende dieses Artikels und ähnlicher angesprochen würde, was jeder Einzelne tun kann, um aktiv einen (kleinen) Beitrag in die entgegengesetzte Richtung zu leisten. Herr Heitmeyer erklärt das Problem wissenschaftlich, lässt den Leser dann jedoch in der Praxis damit allein. Schade.
Karin Heilmann, HamburgDieser Artikel ist Balsam für meine alte verwundete Seele. Wer in München wohnt, älter ist und gern im Park spazieren geht, weiß, wie viel er noch wert ist: nichts. Sportliches In-die-Büsche-Springen ist angesagt bei den vielen Mitbürgern, die morgens zur und abends von der Arbeit fahren. Hier geht es immer um Sekunden. Wehe, frau wagt, sich zu beschweren – dann kann man umgehend den eigenen Schatz an Schimpfworten signifikant erweitern. Wer in die Stadt fahren will, lernt, in Richtung U-Bahn elegant über die überall unmotiviert herumliegenden E-Scooter zu hüpfen (da lobe ich mir den Mut der Pariser Stadtregierung). In der U-Bahn-Station ist es sinnvoll, die Hoffnung auf einen Platz schon auf der Treppe aufzugeben. Alte Menschen werden nicht gesehen, genauso wenig wie Säuglinge oder Kleinkinder – der Sog der Handys ist dafür viel zu stark. Dann kommt erst mal lange nichts. Trotzdem, es gibt auch noch Ausnahmen, Gott sei Dank.
Ingrid Lechtenfeld, München
Grausames Leid
Heft 28/2025 Der Leidensweg einer Kuh beim Transport quer durch Europa
Mir fiel es schwer, den Artikel zu Ende zu lesen, ob des grausamen Leids dieser Tiere. Es macht fassungslos, dass die Gesetzgebung dieses Problem nicht in den Griff bekommt, obwohl die Zustände seit Jahren bekannt sind. Bleibt abzuwarten, ob Bundeslandwirtschaftsminister Rainer bald und entschlossen an die Pläne seines Vorgängers, obwohl ein Grüner, andockt oder eigene Ideen aufstellt. Oder gar nichts tut.
Lioba Nork, Holzkirchen (Bayern)Die unsägliche und tierquälende Praxis der Transporte über weite Strecken, die nur dem Profit dient, ist seit vielen Jahren bekannt, ohne dass sich Nennenswertes verbessert hätte. Die verantwortlichen Politiker, mutmaßlich auch lobbygesteuert, ergehen sich in immer neuen Ausflüchten, zuletzt auch der CSU-Landwirtschaftsminister, der die Verantwortung wieder einmal auf die EU abschiebt. Eine Bundesregierung, die diese verbrecherische Praxis der Transport nicht verbietet, ist selbst Teil eines verbrecherischen Systems.
Winfried Willems, Staatssekretär a. D., Gumtow (Brandenb.)Solange Tiermisshandlungen weitgehend straffrei bleiben, wird sich an den Zuständen nichts ändern. Von wegen »blöde Kuh« und »dumme Gans« – das einfältigste und gleichermaßen brutalste Tier ist der Mensch.
Eva Gruber, München
Gut recherchierte Reportage
Heft 28/2025 Am Brüsseler Platz in Köln streiten Anwohner und feiernde Besucher. Die Geschichte einer Eskalation
Die Stadt Köln agiert nach dem Motto, es allen recht machen zu wollen. Das funktioniert so nicht, sondern bringt den Beteiligten nur noch mehr Frust. Meiner Meinung nach haben die langjährigen Anwohner ein Recht auf ihre Nachtruhe – und die im Artikel zitierten Bemerkungen, die sie über sich ergehen lassen müssen, sind widerlich. Es gibt genügend andere Locations in Köln, wo man feiern kann, ohne andere zu stören. Ich schlage den Barbarossaplatz vor. Da übertönen die Bahnen der Kölner Verkehrsbetriebe den Partylärm bis spät in die Nacht.
Ulrike Rees, Gingen an der Fils (Bad.-Württ.)In einer Zeit, in der wir derzeit berechtigterweise insbesondere an der Politik vieles auszusetzen haben, muss man auch mal loben dürfen. Nicht die Politik, sondern den Bericht über den Brüsseler Platz in Köln. Seit mehr als 15 Jahren ist es der Stadt trotz endgültigem Urteil des Bundesverwaltungsgerichts Leipzig nicht gelungen, einen im Flächennutzungsplan ausgewiesenen Platz als Wohngebiet zu befrieden, was nun in dem Urteil zu 22 Uhr bei 60 Dezibel endete. Die sehr sachlich aufgestellte, gut recherchierte Reportage ist eine ausgezeichnete Arbeit. Vielen Dank an Ihr Reporterteam.
Dipl.-Ing. Detlef Hagenbruch, Pressesprecher Bürgerbüro Brüsseler Platz, Köln
Torverhältnis 2:283
Heft 28/2025 Warum eine Fußballmannschaft immer verliert – und trotzdem weitermacht
Ein sehr humorvoller und mitfühlender Bericht über diese tollen, unkomplizierten Mädchen, die sich nicht nur nicht unterkriegen lassen vom dauernden Verlieren, sondern die das Ganze wohl eher als Sport mit Spaß verstehen.
Jutta Kunde-Trommer, Oberderdingen (Bad.-Württ.)
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