Illustration: Patrick Mariathasan / DER SPIEGEL
Briefe
Hört auf, geliebt werden zu wollen!
Heft 34/2025 Titel: Traumjob Hausfrau? Warum Mütter sich wieder für Küche statt Karriere entscheiden
Warum die Mütter sich wieder für Küche statt Karriere entscheiden? Weil die Liebe ihrer Kinder sie letztlich glücklicher macht als die Anerkennung von Vorgesetzten und Kollegen. Und weil dieses Gefühl in den meisten Fällen auch nachhaltiger ist.
Annemarie Fischer, Wielenbach (Bayern)Ich bin Jahrgang 1942 und kann zu 100 Prozent bestätigen, was in Ihrem Artikel geschildert wird. Die erniedrigende Rolle, die man als Hausfrau zu spielen hatte, die quälend anstrengende Hausarbeit. Im Durchschnitt hatten Frauen damals noch zwei bis drei Kinder. Und dann regen sich viele darüber auf, dass man gerade für diese Frauen die Angleichung der Mütterrente plant.
Christa Lissey, HannoverDass sich die heutigen Frauen wieder nach einem Hausfrauendasein sehnen, ist eine tückische Falle. Sie machen sich finanziell völlig vom Mann abhängig, was meistens böse endet. Die Lösung sehe ich unter anderem darin, dass die Frau, wenn sie zu Hause bleibt, einen guten Lohn bekommt und dass, falls sie arbeitet, der Mann endlich die Hälfte der Hausarbeit macht! Frauen, kommt endlich herunter von euren hohen Ansprüchen und dem Druck, den ihr euch selber macht. Werden eure Kinder es euch danken, dass ihr Kuchen gebacken und Hosen gefaltet habt? Wird eine Lobeshymne ertönen, weil ihr euch dauernd abrackert und aufopfert? Bestimmt nicht! Hört endlich auf, immer geliebt werden zu wollen, und schaut mehr auf eure eigenen Bedürfnisse.
Beatrix Kruger, Zürich (Schweiz)Die Lösung klingt einfach: Männer in Teilzeit, Männer in Care-Arbeit. Das Ziel sollte eine Fünfzig-fünfzig-Aufteilung aller Arten von Arbeit zwischen den Elternteilen sein. Aber wenn davon geredet wird, dass »wir alle mehr arbeiten müssen«, sehe ich leider wenig Chancen auf Weichenstellungen in die richtige Richtung.
Dr. Achim Bruch, Großschweidnitz (Sachsen)Mit Interesse, aber auch mit Verbitterung und Fassungslosigkeit angesichts der Entwicklung der »Tradwives« habe ich Ihre Beiträge gelesen. Ich war fast vierzig Jahre lang berufstätig, und das war sinnvoll gestaltete Lebenszeit und garantierte die finanzielle Absicherung der Familie. Natürlich bedeutete das für meinen Lebenspartner und meine Kinder auch eine organisierte Arbeitsteilung im Haushalt, die niemandem geschadet hat. Dass wir Frauen uns zu Hausmütterchen oder gar zu dekorierten und kostbar verpackten »Geschenken« haben degradieren lassen, ist eine Schande und ein Verlust für die Gesellschaft.
Iris Brandt, BochumSie vergessen den Hauptknackpunkt: Solange sich der Blickwinkel der Politik, der Gesellschaft, vor allem aber vieler Arbeitgeber und Vorgesetzter auf Elternschaft, Kinder und Jugend nicht maßgeblich zum Positiven ändert, werden Eltern nicht aus der permanenten Rechtfertigungsfalle (in die auch Sie in Ihrem Artikel tappen) herausfinden. Eltern sind die systemrelevanteste Gruppe des Landes, werden jedoch konsequent von Entscheidungsträgern in der Politik und zu oft auch in der Arbeitswelt so behandelt, als wären sie selber noch im Windelalter. Nicht auffallen, leise sein, mitmachen, in Bewerbungen und im Joballtag die Kinder am besten nicht erwähnen, nach der Elternzeit als mindestens vollwertiger Mitarbeiter mit Bereitschaft zu Überstunden gelten. Nicht allein die bloße Anzahl der Arbeitsstunden und die verlässliche Betreuung in Kita und Ganztag sind entscheidend dafür, ob ein erfüllendes, forderndes, jedoch nicht überforderndes Familien- und Jobleben möglich ist – Wertschätzung und, ja, auch Nachsicht mit Eltern und Kindern sind mindestens genauso entscheidend.
Imke Decius, BerlinDer Titelartikel beleuchtet einige interessante Aspekte des heutigen Dilemmas der heterosexuellen Familie. Wie oft im SPIEGEL fehlt mir aber der Blick auf gleichgeschlechtliche Ehen und Paare. Deren Perspektive erscheint nicht. Stattdessen geht es um die heterosexuelle Kernfamilie, deren Modelle doch oft andere sind. Darüber ärgere ich mich in vielen der Beiträge. Unser Kind hat zwei Mamas. Wir arbeiten beide jeweils 75 Prozent und teilen uns die Care-Arbeit gerecht und nach unseren Interessen auf. Dies erleben wir ebenso in anderen Regenbogenfamilien, aber kaum in heterosexuellen Familien, wie auch von der Journalistin beschrieben. Generell täte ein Nachrichten-Magazin wie der SPIEGEL gut daran, alle Familienmodelle und Perspektiven auf Familie einzubeziehen.
Dr. Yvonne Bach, Essenheim (Rhld.-Pf.)Wenn Frau Richter in ihrem lesenswerten Essay von der »deutschen Frau« spricht, dann meint sie nur die Frau in den alten Bundesländern. Warum sind die neuen Bundesländer bei der Betrachtung der Geschichte als Teil Deutschlands oft außen vor? Es gäbe hier Positives zu berichten. Ist das der Grund – oder einfach Desinteresse? In der DDR wurde die Gleichstellung der Frau bereits durch die Verfassung (1949) und ein entsprechendes Gesetz von 1950 festgeschrieben. Seitdem hießen außerhalb der Ehe geborene Kinder auch nicht mehr unehelich, anders als im Rest von Deutschland.
Dr. Torsten Hulzer, BerlinZwei ganze Seiten schwadroniert eine Münchner Professorin über die »deutsche Hausfrau« seit dem Zweiten Weltkrieg. Aha. Im Laufe des Artikels wird klar, dass hier ausschließlich Westdeutschland gemeint ist. Erwähnt wird das nicht. Der Vergleich der Hausfrauen in BRD und DDR hätte
der doch wohl wissenschaftlich-soziologisch gebildeten Universitätsfrau besser angestanden; die Wiedervereinigung scheint aber bei der Autorin keine Spuren hinterlassen zu haben.
Gisela Graf, MagdeburgEs ist völlig unbegreiflich, dass es in Deutschland noch immer keine flächendeckenden Angebote für Kinderbetreuung in Form von Kitas gibt. Trotz Rechtsanspruch seit Jahren klägliche Zustände. Denn nur dann könnten Mütter aus der Teilzeit raus. Die Geburtenrate würde steigen. Warum verstehen das die politisch Verantwortlichen nicht? Das Dilemma wird nur beseitigt, wenn auf der Angebotsseite endlich etwas passiert. Auch vielen alleinerziehenden Müttern, die mangels Kindesunterhaltszahlungen Bürgergeld oder Unterhaltsvorschuss beziehen, wäre geholfen, und der Staat würde sogar entlastet.
Oliver Witzel, KölnWegen solcher Titelgeschichten liebe ich das Magazin. Obwohl immer wieder in Leserbriefen gemeckert wird wie zuletzt über das Thema »Urlaubsformel«: Auch solche Themen gehören in den -SPIEGEL. Nicht immer nur Trump, Putin, Merz oder die AfD. Das macht ein -Magazin wie den SPIEGEL aus.
Holger Seba, Bremerhaven
Immer auf der richtigen Seite
Heft 33/2025 Der Grüne Winfried Kretschmann zieht im SPIEGEL-Gespräch die Bilanz seines politischen Lebens
Ich bin auf dem Foto von 1980 auf Seite 23 der (FDP-)Abgeordnete zwei Plätze rechts neben Winfried Kretschmann und habe ihn in all den Jahren immer »hauteng« beobachtet. Richtig ist: Er ist kein Pazifist, er war auch nie einer. Als katholischer Fundamentalkommunist hat er einen sehr persönlichen Weg zum erfolgreichen Politiker gefunden: allen wohl und niemand wehe, und selbst immer auf der richtigen Seite.
Dr. Wolfgang Weng, Gerlingen (Bad.-Württ.)Wie Ministerpräsident Kretschmann, dem wir Grünen richtig viel zu verdanken haben, bin auch ich kein Pazifist und habe ebenfalls Wehrdienst geleistet. Anders als er bin ich allerdings dafür, dass wir weiterhin die freie Entscheidung der Menschen respektieren, ob sie Teil der Bundeswehr werden möchten – statt auf das Zwangsmittel Wehrpflicht zu setzen. Und auch die Verteilung der vielen Hundert kreditfinanzierten Milliarden läuft in die falsche Richtung: Wir müssen finanziell handlungsfähig bleiben, um uns allen drängenden Krisen zu stellen, statt uns einzig für die überzogene Aufrüstung über alle Maßen zu verschulden. Daher werde ich beim kommenden Grünen-Bundesparteitag beantragen, auf einem richtig grünen Kurs zu bleiben, statt uns mit Tarnfarben zu bemalen.
Dr. Philipp Schmagold, KielIhr druckt ein Gespräch mit Herrn Kretschmann – und kein Wort zu einem der größten Skandale der Bundesrepublik? Kein Wort zu den 1400 Lehrerstellen in Baden-Württemberg, die durch einen IT-Fehler jahrelang unbesetzt blieben? Nicht eine einzige Frage? An den Mann, der selbst Lehrer war?
Rico Dufft, Fambach (Thür.)
Auch mir geht es zu weit
Heft 33/2025 Ist in Deutschland wirklich der Kulturkampf ausgebrochen? Eine Gegenrede
Der erfrischende Essay entlarvt die Doppelmoral und Scheinheiligkeit des »progressiven«, sprich linken Lagers perfekt. Damit hebt sich René Pfister wohltuend vom sonst so überraschungsarmen Mainstream beim SPIEGEL ab.
Uwe Fuhrmann, Monschau (NRW)René Pfister reagiert auf einen Beitrag, der in der Ausgabe 31/2025 erschienen war: »Ausweitung der Kampfzone«. Beide Artikel befassen sich mit einem Kulturkampf ähnlich wie in den Vereinigten Staaten, der die Politik möglicherweise bedroht. Aber sind Kulturkampf und Politik nicht dasselbe? Politik kann als Teil des Kulturkampfs verstanden werden. Kultur bildet den weiteren Rahmen, und Politik ist nur eine Arena, in der dieser Kampf sichtbar wird. Kulturkampf wiederum lässt sich als Teil der Politik begreifen. Wenn die beiden Artikel eines für sich beanspruchen können, dann wohl, dass sie zum Nachdenken anregen!
Raymond Van Dijck, Edegem (Belgien)Auch mir geht es zu weit, wenn in Hörsälen oder sonst wo Leute, die Geschlecht aus biologischen Gründen für determiniert halten, mundtot gemacht werden sollen, in die rechte Ecke gestellt werden oder sprachpolizeiliche Anwandlungen überhandzunehmen drohen. Leider werden diese Art von queeren Aktivisten, und von mir aus auch Aktivist:innen, von rechts dafür benutzt, den großen Rest mit zu diskreditieren. Dann kommt der Tag, an dem das Rad zurückgedreht wird, und alle, die nicht einer rechten Leitkultur entsprechen, sich wieder verstecken müssen. So betrachtet, hätte viel dafür gesprochen, die Regenbogenflagge als Symbol für Vielfalt auf dem Reichstag wehen zu lassen.
Dolores Apelles, BerlinVielen Dank für den wohltuenden, bodenständigen Essay von René Pfister. Er trifft genau den Kern. Ich habe vom SPIEGEL solche Sichtweisen vermisst, aber nicht mehr erwartet. Vielleicht kehren wir doch wieder zu einem gelasseneren Umgang miteinander zurück.
Gisela Neudeck, Wiesbaden
So viel Hass
Heft 33/2025 Uno-Sonderberichterstatterin Francesca Albanese macht sich undiplomatisch für die Palästinenser stark
Wie kann einer Frau, die sich für das Lebensrecht von anderen Menschen einsetzt und somit das Gegenteil von Hass lebt, so viel Hass entgegengebracht werden? Wenn jemand den Friedensnobelpreis verdient hat, dann ist es Francesca Albanese, und zwar im Namen aller Menschen, die sich für die Rechte von Menschen einsetzen, auch wenn diese den Interessen politischer oder religiöser Gruppen, »der Wirtschaft« oder anderen Partikularinteressen entgegenstehen.
Ute Beese, Bottrop
Von der Arbeit, arm zu sein
Heft 33/2025 Bürgergelddebatte: Wie lebt es sich unter dem Existenzminimum
Dieser Artikel ist ein wertvoller Beitrag zur Versachlichung der Debatte um das Bürgergeld. Meine Arbeit als Sozialarbeiter ist geprägt von Menschen, die ein ähnliches Schicksal teilen wie das von Frau Meiers. Es ist wichtig, dass diesen Menschen innerhalb der emotional aufgeheizten und durch Vorurteile geprägten Debatte ein Gesicht gegeben und ihre Stimme gehört wird.
Fabien Delaporte, Köln
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