Illustration: Patrick Mariathasan / DER SPIEGEL
Briefe
Den »russischen Sumpf« austrocknen
Heft 11/2022 Der Spionagethriller, der Deutschland blamiert
Es überrascht nicht, dass der gelernte Geheimdienstler und offensichtliche Kriegsverbrecher Wladimir Putin alle Register zieht, um seine Interessen zu verfolgen. Was über die Strukturen im Bundesnachrichtendienst (BND) im SPIEGEL berichtet wird, ist unglaublich. Die neue Bundesinnenministerin Nancy Faeser wird sicherlich daran gemessen werden, ob sie nachhaltig diesen »russischen Sumpf« austrocknen kann. Ferner wird dies eine der zentralen Aufgaben der neuen politischen Führung in Berlin werden, denn hierzulande kann niemand ein Interesse an weiteren Blamagen haben. Wladimir Putin und sein Herrschaftsapparat lachen sich in ihrem russischen Polizeistaat ins Fäustchen.
Dieter Obst, WiesbadenAls Helmut Schmidt Bundeskanzler war, erschien der SPIEGEL montags. Folgendes wird kolportiert: Jeden Montag, am Vormittag, fand eine Besprechung mit allen »wichtigen« ministerialen Beamten im Kanzleramt statt, um Vorgaben der anstehenden Woche zu erörtern. Schmidt soll gesagt haben: »Den BND brauche ich nicht. Alles, was die aus Pullach mir sagen, habe ich bereits im SPIEGEL gelesen.« Mehr muss man nicht kommentieren – nur, dass sich der Erscheinungstag des SPIEGEL geändert hat.
Wolfgang Lüdtke, Euskirchen (NRW)Glaubt denn irgendjemand, dass jemand mit einer wie auch immer gearteten »linken« Grundeinstellung zum BND, zum Verfassungsschutz oder zur Bundeswehr gehen würde? Das waren doch schon immer, seit Gründung der BRD, Sammelstellen für »rechte Patrioten«. Mich wundert bei diesen Diensten gar nichts.
Josef Thier, Wohnort angefragt
Jetzt leuchtet es mir ein: Wir brauchen den BND, um die BND-Mitarbeiter zu überprüfen. Ansonsten soll das Auswärtige Amt den SPIEGEL abonnieren, da steht alles drin.
Erich Breuer, Hagen im Bremischen (Nieders.)
Nicht viel übrig
Heft 10/2022 Leitartikel: Wo ist die neue Alice Schwarzer?
Vielen Dank für den klugen, zum Denken anregenden Leitartikel von Frau Amann. Leider muss man sagen, dass der »richtige alte, weise Mann«, besser Mehrzahl, noch etwas auf sich warten lassen wird, wenn im Privathaushalt noch immer die Mütter eiligst aus ihrer Verabredung stürzen, weil der Vater es so verlangt, oder wenn Mädchen immer noch weniger Taschengeld bekommen als die Jungs, und die Kinder allgemein schon zu Hause mitbekommen, wie unfair verteilt die Arbeit und die Anerkennung sind.
Kristina Krause, Bremen
Dieser Artikel verdient allergrößte Beachtung! Ich bin selbst als Mitläuferin der feministischen Bewegung in den Siebzigerjahren mit Alice Schwarzer groß geworden und muss der Autorin uneingeschränkt darin zustimmen, dass davon nicht viel übrig geblieben ist. Ob Gehaltsstrukturen, Sozial- und Steuerpolitik oder härtere Sanktionen bezüglich frauenverachtenden Regierungen – für die Frauen selbst ändert sich derzeit nicht viel. Stattdessen sehen wir eine lachende Alice Schwarzer und eine ideologisch abgedriftete Sahra Wagenknecht auf der Bühne, die ihrer eigenen Selbstdarstellung wegen der Frauenbewegung einen Bärendienst erweisen.
Marlies Fitzner, Kirchheim unter Teck (Bad.-Württ.)
Deutlich billiger
Heft 10/2022 Warum Habecks Heizungspläne für die Bürger teuer werden können
Sind die Grünen jetzt völlig verrückt geworden? Falscher Zeitpunkt für ein völlig unüberlegtes Konzept. Wahrscheinlich sind in zwei Jahren die Wärmepumpen obsolet. Gas war doch erst die Brückentechnologie schlechthin.
Rainer Springer, Neumarkt (Bayern)Eine Wärmepumpe koste zwischen 16.000 und 30.000 Euro, diese Aussage kann man oft finden. Das ist jedoch falsch! Mich ärgert eine so pauschale Aussage. Geht man in Internetforen zu dem Thema, stellt man fest, wie simpel eine Wärmepumpe zu montieren ist. Selbst habe ich eine 16–Kilowatt–Wärmepumpe. Die ist nur so groß, da sie den Überschuss aus meiner Fotovoltaikanlage in den Wasserspeicher des Holzvergasers ohne Netzbezug bringen soll. Hat mit allem lediglich circa 8000 Euro gekostet. Ohne Speicher hätte eine 5–Kilowatt–Pumpe für gerade mal 5000 Euro gereicht. Also sorry, aber Ihren Artikel lesen viele Menschen, und die werden mit den hohen angegebenen Kosten eventuell fehlinformiert. So schaffen wir die Energiewende nicht.
Achim Baumgarten, Bark (Schl.-Holst.)So naiv kann niemand sein, dass er wirklich glauben könnte, dass dieses Ultimatum zum 01.01.2024 Sinn ergibt. Das Regelwerk ist unausgegoren und unüberlegt. Gras wächst nicht schneller, wenn man daran zieht. Es werden dadurch jede Menge Haus– und Wohnungsbesitzer, die das finanziell momentan nicht stemmen können, auf der Strecke bleiben. Für Förderungen, egal wie hoch sie ausfallen, wird letztendlich auch der Steuerzahler aufkommen müssen. Das beschleunigte Ultimatum legt eher den Verdacht nahe, dass man in Berlin befürchtet, es könnte durch einen Frieden zwischen der Ukraine und Russland wieder billiges Öl und Gas nach Deutschland fließen, da möchte man dann vorher unbedingt denn Sack zumachen.
Harald Beinschrodt, Leinfelden-Echterdingen (Bad.-Württ.)Verwundert hat mich, dass Sie zwar einerseits spöttisch über das Qualitätsmedium »Bild«–Zeitung herziehen (»kreischte Bild«, »bellte Bild«), andererseits aber selbst zum Teil Gruselgeschichten über Wärmepumpen verbreiten. Der Preis einer Wärmepumpe ist nicht 16.000 bis 35.000 oder gar 35.000 bis 40.000 Euro. Solche Kosten entstehen nur bei Erdwärmepumpen, die umfangreiche Grabungen oder Bohrungen erfordern. Die heute üblichen Wärmepumpen sind Luft–Wasser–Wärmepumpen, die deutlich billiger sind. Vergleichen sollte man die Kosten der Wärmepumpe selbst mit denen einer Gastherme. Alle übrigen Kosten (Heizungspumpen, Warmwassertanks, Fußbodenheizung, Heizkörper, Installationskosten) entstehen bei beiden Heizsystemen in nahezu gleichem Umfang und fallen daher bei jedem Neu– oder Umbau ohnehin an. Ein Märchen ist auch, dass Wärmepumpen nur bei Niedrigenergiehäusern zum Einsatz kommen können. Es gibt unzählige Beispiele, wie man die Effizienz von Wärmepumpen selbst durch den Einsatz von Klimaanlagen nutzen kann. Machen Sie sich da mal kundig.
Christoph Raabe, Dinslaken
Historisierendes Popcornkino
Heft 10/2022 Warum ist dieser Film so erfolgreich?
Ihrem Autor gelingt es bei der Frage, warum der Film in Deutschland so unpopulär ist, zweieinhalb Seiten lang wortgewandt um den heißen Brei herumzureden. Jeder, der das Buch von Remarque auch nur oberflächlich gelesen hat, kann auf den ersten Blick erkennen, dass außer dem Buchtitel und den Personennamen von der Romanvorlage im Grunde nur ein oberflächlich überflogener Klappentext als Handlung Eingang in den Film gefunden hat. Die ergänzten Handlungsstränge verfremden den Film – gemessen an der Romanvorlage – in ebensolcher Art, wie die weggelassenen das Ganze inhaltlich bis zur Unkenntlichkeit verstümmeln. Auf diese Art und Weise ist ein historisierendes High-Tech-Popcornkino entstanden, welches jeden, der den Roman kennt, nur enttäuschen kann. Ich will aber nicht missverstanden werden: Der Film ist als Anti–Kriegsfilm auf seine Art schon ganz gut gemacht, Sound, Produktion, Szenenbild, Tricktechnik und so weiter – aber nur eben eines ist er nicht: die Verfilmung von »Im Westen nichts Neues«.
Axel Mergard, Schotten (Hessen)Ihr Artikel ist sehr interessant und ja, es ist nicht einfach, in Deutschland Anerkennung zu bekommen. Aber sie haben leider nicht erwähnt, dass das Maskenbild (von Heike Merker) für einen Oskar nominiert wurde. Es werden immer die gleichen Gewerke aufgezählt, das Maskenbild ist nie dabei. Warum eigentlich? Ich muss feststellen, dass sich die Presse allgemein sehr, sehr selten für die Gewerke hinter der Kamera interessiert. In anderen Ländern verhält sich das deutlich anders. Wir Maskenbildner:innen sind für die Charaktere in einem Film mit prägend und ich würde mich freuen, wenn man diesem gewichtigen Aspekt der Filmentstehung genauso viel Aufmerksamkeit zukommen ließe wie anderen Gewerken. Es würde der Filmbranche insgesamt helfen, wenn die Gesamtheit der Beteiligten an einem so komplexen Kunstwerk auch in der öffentlichen Wahrnehmung ankommen würde. Gerade das Maskenbild ist von so enorm großer Bildrelevanz und wird regelmäßig total unterschätzt.
Jens Bartram, Vorstand Deutsche Filmakademie, Deutsche Akademie für Fernsehen, Bundesvereinigung Maskenbild, Berlin
Akkumulation der Eitelkeiten
Heft 10/2022 Liebesbriefe an die Platzhirsche
Die beiden jungen Journalistinnen Nena Brockhaus und Franca Lehfeldt beklagen einen »feministischen Zeitgeist«, obwohl ihre Karrieren exemplarisch belegen, dass es mit der Gleichstellung der Frau so weit nicht her sein kann. Ihr Aufstieg wurde offensichtlich vor allem durch männliche Förderer ermöglicht – ein Musterbeispiel für den Fortbestand patriarchalischer Strukturen. Wer sich antifeministisch – aber nicht offen misogyn – positioniert und weiblich, jung und fesch ist, kann im Springer-Kosmos Retro-Botschaften glaubhafter und scheinbar authentischer vermitteln, als es die männlichen »Platzhirsche« jemals vermögen: Rückwärtsgewandtheit in modischer Verkleidung. Dafür werden die beiden Autorinnen und Moderatorinnen mit einer Traumkarriere belohnt und bezeugen ihre Dankbarkeit im Gegenzug mit einer schwärmerischen Hommage auf den »alten weisen Mann«.
Rüdiger Paul, Wedel (Schl.-Holst.)Warum kommt eine ganze Seite über diese uninteressante und rückwärtsgewandte Person? Als Steigerung noch dazu mit Foto ganz vorne! Glauben Sie wirklich, dass SPIEGEL-Leser so was lesen wollen? Sehr befremdlich sind auch bei den Personalien auf der linken Seite immer mit Foto diese gestylten Frauen, meistens irgendwelche Sternchen. Für Männer eventuell hübsch anzuschauen – aber es gibt ja auch Leserinnen.
Anita Braungardt, BerlinWirklich weise Männer hätten die Interviews zum Buch von Frau Lehfeldt und Frau Brockhaus verweigert mit Sokrates: »Ich weiß, dass ich nichts weiß.« Stattdessen ist das Machwerk nur eine Akkumulation der Eitelkeiten alter Männer und junger Frauen. Die Alten leiden unter ihrer zunehmenden, die Jungen unter ihrer bestehenden Bedeutungslosigkeit. Abhilfe soll dieses Buch schaffen. Alles nur peinlich.
Reimund Gottschalk, BerlinWelcher Teufel hat Sie geritten, einen solchen Schmarrn wie »Alte weise Männer« rezensieren zu lassen? Danach käme ja nur noch Jerry Cotton. Immerhin: Die Qualität der Rezension lässt den Quark des Rezensierten fast vergessen.
Bernd Leopolder, Bad Wimpfen (Bad.-Württ.)
Abgenagtes Narrativ
Heft 10/2022 Der gesunde Menschenverstand: Morbus Verbotus
Herzlichen Dank für die Kolumne. Endlich wurde diesem inzwischen doch reichlich abgenagten Verbots–Narrativ der verdiente Deckel aufgesetzt. Anfangs war ich tatsächlich noch so geduldig und unterstellte den genannten Herren ein echtes Anliegen, bis ich nach erschöpfend durchdeklinierten Gegenargumenten erkennen musste, dass es nur noch Debatten–Theater ist, um den Applaus derer einzufangen, denen gar nicht an inhaltlichen Argumenten gelegen ist, sondern an trotziger Wiederholung überlebter Positionen.
Dr. Andrea Falkner, Murnau am Staffelsee (Bayern)Herzlichen Glückwunsch, Herr Feldenkirchen, besser kann man es kaum zusammenfassen! Ihren Kollegen Neubacher wird der Text weniger erfreut haben, aber ich teile Ihre Meinung uneingeschränkt. Christian Lindner hat ja immerhin noch seinen Porsche und kann die Freiheit damit ausleben.
Peter Henn, Wohnort angefragtEinfach nur genial. Dachte nicht, dass es so einen genialen Autor gibt, der das Ganze mal so runterbricht. Find ich spitze.
Andreas Kaufmann, BerlinWenn die FDP, »Welt«–Journalisten und »Kolumnen–Kollege« Alexander Neubacher das Ziel der plumpen Ironie des stets überheblichen Linksideologen Markus Feldenkirchen werden, können sie eigentlich alles nur richtig gemacht haben.
Uwe Fuhrmann, Monschau (NRW)Danke für diese Satire! Zeigt sie doch am Schluss, dass beim SPIEGEL auch gerungen wird. Könnten sich die Menschen auf die Kant'schen Definition »Die Freiheit des Menschen liegt nicht darin, dass er tun kann, was er will, sondern dass er nicht tun muss, was er nicht will« einigen, dann bräuchte es keine Regelungen. Nun ist Kant in prekären Kreisen mangels Bildung eher unbekannt und in betuchten, sprich FDP-Kreisen eher unbeliebt, und da beide Kreise – als Gegenpole auf einer Besitz- und Vermögensskala angeordnet – eher größer werden, braucht es – ja, was denn sonst: Verbote. Der Markt regelt es eben nicht, er hat es noch nie getan. Darunter leidet bald noch nicht mal mehr die Mittelschicht, weil es sie kaum noch gibt. Danke, Freiheitspartei FDP.
Gerd Zahnhausen, Erpolzheim (Rhld.-Pf.)Herr Feldenkirchen macht es sich rhetorisch sehr einfach und zeigt damit, dass er seine Diskussionsgegner geringschätzt: Mord gehört verboten? Ja? Gut. Diebstahl gehört verboten? Ja? Gut. Dann gehört auch Gummibärchen–Werbung verboten. Ja? Siehste. Vernünftige Argumente ließen sich sogar gegen T–Shirts finden: Erkältung im Winter, Hautkrebs im Sommer. Also her mit dem Verbot, zu unserem Besten? Wo das Optimum zwischen Anomie und Erziehungsdiktatur liegt, darüber kann und sollte man diskutieren. Aber bitte nicht mit solchen Totschlagargumenten.
Till Eberle, Merzig (Saarl.)Mit Verlaub, sehr gern lasse ich mich von Ihnen erziehen und beglückwünsche Sie zu Ihrer woken und überaus differenzierten Kolumne. Gleichzeitig möchte ich eine von Ihnen vergessene Freiheit gern ergänzen – die Möglichkeit der Kündigung meines gut 20-jährigen Abonnements.
Hendrik Heine, Lichtenstein (Sachsen)
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