Briefe - DER SPIEGEL
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Artikel 74 / 77

Illustration: Patrick Mariathasan / DER SPIEGEL

Briefe

Merz und Klingbeil und das schwarz-rote Bündnis, die AfD, der Leitartikel zur Wiedereinführung der Wehrpflicht, Lücken beim EU-Grenzschutz und teure Fahrprüfungen – das waren die Themen, zu denen wir in der vergangenen Woche die meisten Zuschriften erhalten haben.
• aus DER SPIEGEL 17/2025

Gut gegangen – für wen?

Heft 16/2025 Titel: Mit Ach und Krach 

  • Alles andere als mit »Ach und Krach« wäre höchst verwunderlich. So ist das in demokratisch gewählten Koalitionen und Regierungen nun mal. Gott sei Dank.
    Dr. Wolfgang Rehhahn, Münster

  • So wie die zwei, Klingbeil und Merz, auf dem Titelbild Rücken an Rücken aneinandergebunden sind, ist eine gleiche und gemeinsame Fortbewegung nur noch zur Seite möglich. Wie wahr. Laut Koalitionsvertrag geht es ja auch fast nur noch darum, Migration einzudämmen und Wirtschaft wie Verteidigung funktionsfähig zu machen. Ähnlich symbolträchtig sind die an den Leib gefesselten Arme. Ein innovativer, großer Wurf ist nicht mehr möglich, die Zukunft muss bitte warten.
    Christoph Nitsche, Straßenhaus (Rhld.-Pf.)

  • Das Titelbild, Merz und Klingbeil mit »Ach und Krach« zusammengezurrt bei der Koalitionsvereinbarung, das ist einfach falsch. Da musste nichts zusammengezurrt werden. Das passte schon. Beide, Merz, der Blackrock-Lobbyist, und der SPD-Rechte Seeheimer Klingbeil, waren sich im Kern immer einig. Statt soziale Gerechtigkeit, gegen den Neoliberalismus, für eine nachhaltige Klimawende und eine humane Vorgehensweise an unseren Außengrenzen zu vereinbaren, wurde knallhart eine Politik von gestern festgeschrieben. Unternehmer und Arbeitgeberlobbyisten können ihre Genugtuung kaum verbergen. Das wird dieser Regierung noch schwer auf die Füße fallen. Alles auch noch eine gewaltige politische Vitaminspritze für die AfD. Die soziale Kompetenz der SPD-Linken Saskia Esken war nie gefragt und wurde untergebuttert. Unser Land hat Besseres verdient.
    Dieter Hooge, Frankfurt am Main

  • Das Cover macht deutlich, wie Merz und Klingbeil zueinander stehen. Die missmutigen Blicke verraten, wie weit sie – obwohl zusammengeschnürt dargestellt – menschlich und inhaltlich aus­einanderliegen. Auch das freundschaftlich zugebilligte »Du« scheint mir Show zu sein. Und stünde hinter der Bildung einer Koalition nicht das »Muss«, wäre sie vermutlich auch nicht zustande gekommen. Zu sehr sind die beiden in ihrer parteipolitischen Sichtweise auseinander. Und trotzdem bleibt zu hoffen, dass sie für Deutschland, Europa, für Wirtschaft und Bürger – trotz oder gerade wegen der vielen, auch geopolitischen Hemmnisse – eine erfolgreiche und zukunftsweisende Politik schaffen können.
    Horst Winkler, Herne

  • Warum beteiligt sich der SPIEGEL mit Titelbild und Schlagzeile an der Miesmacherei? Damit macht man die Aufbruchstimmung kaputt und verstärkt vorab die Skepsis an der neuen Koalition. Besser: Titelbild mit Klingbeil und Merz, etwas ermüdet, aber zuversichtlich. Zeile: Geschafft.
    Joachim Mauer, Mehren (Rhld.-Pf.)

  • Nach dem Lesen des Artikels war ich fassungslos und kann nur noch Dieter Nuhr zitieren: Die AfD stellt schon mal den Champagner kalt und freut sich auf die nächsten Wahlen in zwei Jahren.
    Helmut Freudenthal, Kiel

  • Es ist noch einmal gut gegangen mit den Koalitionsverhandlungen. Aber für wen? Da hat einer vor der Wahl die Backen aufgeblasen und steht jetzt als Umfaller da. Alles wurde dem Ziel untergeordnet, unbedingt Kanzler zu werden. Die SPD hat das geschickt ausgenutzt, sogar mehr wäre möglich gewesen. Und der Wähler? Wieder einmal hat er sich massiv täuschen lassen. Aktuelle Umfragen zeigen allerdings, dass er nicht mehr bereit ist, dies zu akzeptieren.
    Knut Kriegsmann, Ulm

  • Schauen wir mal, wie lange diese Koalition hält! Alles hängt von der Qualität der Reflexion, der Kommunikation und der Realisation ab. Viel Glück, Deutschland, dem Land der Dichter und Denker und hoffentlich auch wieder der Macher.
    Raffaele Ferdinando Schacher, Rorschach (Schweiz)

Mit den Zielen auseinandersetzen

Heft 15/2025 Was die AfD mit ihrer neu gewonnenen Stärke vorhat 

  • Als Bürger eines durchweg »blauen« Bundeslandes bin ich vom SPIEGEL enttäuscht über den Umgang mit der AfD, der sich nicht wesentlich von anderen Printmedien unterscheidet. Bei der Auseinandersetzung mit der AfD genügt es nicht, ihr das Etikett »in Teilen rechtsextrem« anzuheften und die Nazikeule zu schwingen. Was nach meiner Ansicht dringend notwendig wäre, ist eine Auseinandersetzung mit den Zielen der AfD. Wenn Frau Weidel den Euro abschaffen möchte, braucht es eine verständliche Antwort, was ein solcher Beschluss bewirken würde. Genauso sollte ihre Haltung zum Klimawandel oder zur Kernkraft sachlich diskutiert werden.
    Dr. Johann Kleineberg, Bannewitz (Sachsen)

  • Sowohl die Berichterstattung über den US-Präsidenten Donald Trump als auch die über die AfD haben mich an ein Zitat von Dietrich Bonhoeffer denken lassen. Der von den Nazis ermordete Pastor und Widerstandskämpfer formulierte den Satz: »Die Macht der einen braucht die Dummheit der anderen.« Es waren und sind Wählerinnen und Wähler, die die Tür zum Chaos öffnen können – oder auch schließen!
    Heiner Lillie, Meine (Nieders.)

Schule der Nation

Heft 15/2025 Leitartikel: Deutschland ­sollte wieder Wehrpflichtige einziehen 

  • Nachdem der Bundestag die Mittel für die Verteidigungsfähigkeit der Bundeswehr bereitgestellt hat, wäre es der erste fatale Fehler der neuen Koalition, keine neue Wehrpflicht einzuführen, die für weibliche und männliche Rekruten gleichermaßen gelten muss. Dafür dürfen gegenwärtig fehlende Ausbildungsmöglichkeiten und Gebäude oder rechtliche Hürden keinen Hin­derungsgrund darstellen. Was nicht vorhanden ist, muss dafür geschaf­fen werden. Alles andere wäre inkonsequent.
    Norbert Höpfner, Kronberg (Hessen)

  • Die Bundeswehr wird in Zukunft mehr Spezialisten brauchen. Die wird sie nicht als billige Wehrpflichtige bekommen. Die Lösung sind bessere Einstellungsbedingungen mit Gehältern und der Absicherung ähnlich wie bei Polizeibeamten.
    Ludwig Döringer, Dautphetal (Hessen)

  • In Ihrem Artikel wird ernsthaft vorgeschlagen, »rechtliche Hürden« zu überwinden, also das Recht auf Selbstbestimmung der Menschen über Leib und Leben einzuschränken. Rekrutierungsbüros sollen »den jungen Menschen das Gefühl geben, etwas Sinnvolles zu tun«, also In­doktrination betreiben. Zudem soll die Wehrpflicht auf Frauen ausgeweitet werden, das hat mit Gleichberechtigung und Feminismus überhaupt nichts zu tun, sondern ist lediglich die Ausbreitung von Gewalttätigkeit auf einen grö­ßeren Teil der Gesellschaft.
    Alexander Kalteis, Bünde (NRW)

  • Richtig, der Wehrdienst könnte der Schlüssel zur Wiederherstellung der Verteidigungsfähigkeit werden. Noch wichtiger wäre aber die mentale Renaissance. Und das fängt schon im schulischen Alltag an. Wenn Vertreter der Bundeswehr oft Personae non gratae sind, weil sie nicht ins Weltbild vom ewigen Frieden passen, ist alles gesagt. Ein Auftrag an die Kultusbürokratie. Den größten Nachholbedarf unter den etablierten Parteien dürfte die SPD haben, die allzu lange ihrem Friedensapostel Mützenich gefolgt ist, der noch bis vor Kurzem Drohnen für Teufelszeug hielt. Zudem: Der Soldat gehört aus seiner Außenseiterposition in die Mitte der Gesellschaft.
    Christoph Schönberger, Aachen

  • Wir müssen nicht nur die Bundeswehr stärken, sondern auch den Zivil- und Katastrophenschutz. Frauen und Männer müssen für den Dienst an der Gemeinschaft gewonnen werden, gemeinsam mit gesellschaftspolitischer Bildung kann man so auch den Rechtsruck bekämpfen. Nicht umsonst galt die Bundeswehr (und die Ersatz- und Zivildienste) als Schule der Nation.
    Jörg Janata, Schwalbach (Hessen)

  • Sie schreiben, dass den jungen Menschen das Gefühl gegeben werden muss, etwas Sinnvolles zu tun. Ich halte diese Wortwahl für etwas unglücklich. Vielleicht kann man den Dienst an der Waffe sinnvoll nennen, besser wäre es, ihn als notwendig zu bezeichnen. Sie schreiben auch, dass Sicherheit und Freiheit nicht selbstverständlich sind, sondern im Ernstfall verteidigt werden müssen. Dies offenbart ein Dilemma. Verteidigen impliziert, dass man getötet werden kann, das heißt mit anderen Worten, ich muss bereit sein zu sterben, damit andere überleben können. Das ist ein unlösbares Problem.
    Dr. Werner Mischke, Hamburg

  • Wenn wir es jetzt versäumen, nach un­serer jahrzehntelangen Friedensseligkeit jedem Bürger auch Pflichten aufzuerlegen, um diesen Zustand und unsere Demokratie zu erhalten, könnten uns von Fremden Pflichten auferlegt werden, die uns nicht gefallen werden. Wir sollten schleunigst umdenken und Begriffe wie »Verteidigungsbereitschaft« und »Dienst an der Gemeinschaft« in unser Selbstverständnis integrieren.
    Hildtraut Heitland-Schröder, Augsburg

Wir brauchen Solidarität

Heft 15/2025 Frontex-Chef Hans Leijtens spricht über die Lücken beim EU-Grenzschutz 

  • Vielen Dank für das sehr ein­dringliche Interview zur Migration. Anstelle von mehr Waffen und Soldaten brauchen wir mehr nationale und internationale Solidarität, die jegliche singuläre Anwendung von (Waffen-)Ge-walt tabuisiert. Durch den bevor­stehenden Anstieg des Meeres­spiegels und die Verwüstung vieler jetzt noch fruchtbarer Landstriche werden unsere Kinder mit einem dramatischen Rückgang lebenswichtiger Ressourcen kon­frontiert. Das wird Fluchtursache Nummer eins werden. Wir brauchen stabile internationale Netzwerke, die Solidarität und Hu­ma­ni­tät zum Ziel haben, um den Klimaschutz auszubauen und einen fairen, gewaltfreien Ausgleich zu schaffen, damit die zukünftigen knappen Ressourcen wie saubere Luft, frisches Wasser und fruchtbare Böden gerecht verteilt werden. Ein gegenseitiges Abschotten steht dem nur im Wege. Abschreckung führt immer zu einer Dehumanisierung innerhalb der Gesellschaften, und diese führt wiederum zu Gräueltaten wie dem Aussetzen von Schutz suchenden, hilflosen Menschen auf dem Meer oder in der Wüste. Solche Gesellschaften untergraben ihre eigene humane und damit demokratische Basis.
    Klaus Siersch, München

Völlig alltagsuntauglich

Heft 15/2025 Die Fahrprüfung ist so teuer, kompliziert, angstbesetzt wie nie zuvor. Warum? 

  • Ich fand den Artikel sehr interessant, insbesondere im Hinblick darauf, dass ich persönlich meinen Führerschein vor 50 Jahren gemacht habe (sechs Fahrstunden) und die Zahl der mittler­weile 1200 Fragen – gelinde gesagt – absurd finde. Ich möchte Sie aber auf einen kleinen Lap­sus aufmerksam machen, der mir ­aufgefallen ist: Frage: »Wie viele Farben hat eine Ampel?« Auf die korrekte Antwort »Drei« folgt dann die Erwiderung: »Fast. Es gibt vier Ampelphasen.« Wenn man die Anzahl der Phasen wissen möchte, sollte man nicht nach der Anzahl der Farben fragen. Ich weiß: Erbsenzählerei. Aber logisch unkorrekt.
    Henning Eckmann, Wipperfürth (NRW)

  • Wer hat sich denn diese büro­kratische und völlig alltagsuntaugliche Unterscheidung in die drei Kreisverkehrsarten ausgedacht? Eine Fahrlehrer- oder Straßen­­-bau-Lobby? Überaktive Verkehrs­politiker oder der Verkehrsbeirat? Oder handelt es sich dabei nur um einen weiteren Fall von üblicherweise unrechtschaffener Juristen-Rabulistik? In jedem Fall ein Musterfall für Bürokratieabbau.
    Konrad Lorenzen, Lüdenscheid (NRW)

»Welches Amerika will Trump wieder groß machen? Das der Sklaverei?«

Heft 15/2025 SPIEGEL-Gespräch mit Ex-Fußballweltmeister Lilian Thuram über seinen Kampf gegen Rassismus 

  • Selten habe ich so praxisbezogene, tiefgründige und überzeugende Aus­­sa­gen in einem Interview zum Rassismus gelesen wie die des Ex-Fuß­ballers Lilian Thuram. Er entlarvt die Rassisten unserer Gesellschaft, indem er den Umkehrschluss zu ihren Fragen in den Raum stellt.
    Uwe Mehl, Hamburg

Das Leben, eine große Sauerei

Heft 15/2025 Was macht die Kunst der gefeierten Schauspielerin Lina Beckmann aus? 

  • Lina Beckmann ist eine Granate. Ob in Fernsehformaten oder auf der Bühne: Ich nehme ihr alle Rollen ab. Leidenschaftliches Verausgaben gepaart mit der Persönlichkeit der Darstellerin – ganz großes Kino für mich!
    Bettina Schillok, Hamburg

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