Illustration: Patrick Mariathasan / DER SPIEGEL
Briefe
Thema 1
Heft Nr. 30/2024 Titel: Die verrohten Staaten von Amerika
Gut, dass Trump nicht tödlich getroffen wurde – nicht auszudenken, was das im schießwütigen Amerika an weiterer Gewalt bewirkt hätte. Ein Bürgerkrieg wäre einen guten Schritt näher gerückt.
Dr. Rudolf Winkel, Müllheim (Bad.-Württ.)Die Wähler in den USA müssen verhindern, dass die Demokratie und Amerika von Lügnern und Verbrechern und Horrorclowns wie Trump und seinen schäbigen Speichelleckern zerstört werden. Trump will faschistische Politik für ein paar alte Milliardäre machen. Er betrügt und bestiehlt die Menschen, treibt sie mit seiner Politik in Armut und stachelt zur Gewalt an. Er schürt Hass gegen Minderheiten und viele unschuldige Menschen, Einwanderer, die er als »illegal aliens« brutal einsperren, massenhaft deportieren lassen will.
Dr. David Perteck, HamburgFrüher bekämpften Demokraten und Republikaner einander respektvoll im »Wettstreit der Ideen«. Im Präsidentschaftswahlkampf 2008 etwa behaupteten bei einer republikanischen Wahlkampfveranstaltung Personen aus dem Publikum, der demokratische Kandidat Barack Obama sei ein Araber und mache gemeinsame Sache mit inländischen Terroristen. John McCain, der republikanische Anwärter, antwortete, Obama sei ein anständiger Staatsbürger und Familienvater, mit dem er zufällig in grundlegenden Punkten nicht übereinstimme. Obama würdigte auf einer Wahlkampfveranstaltung in Philadelphia das Verhalten seines Gegners. Ein derart respektvoller Umgang mit dem politischen Rivalen wirkt in den heutigen Vereinigten Staaten wie aus einer anderen Welt.
Michael Pfeiffer, Neuhausen auf den Fildern (Bad.-Württ.)
Putin versteht nur eine Sprache
Heft Nr. 29/2024 Leitartikel: Eine diplomatische Lösung in der Ukraine wird es nur mit weiteren Waffenlieferungen geben
Spätestens seit dem verbrecherischen Angriff der russischen Machthaber auf das Kinderkrankenhaus in Kiew dürfte jedem klar sein, dass es derzeit für eine Verhandlungslösung keine Chance gibt. Wladimir Putin und seine Machtelite verstehen offensichtlich nur eine Sprache: Sie müssen durch massive Waffengewalt in die Knie gezwungen werden. Wer sich an kranken, wehrlosen Kindern vergreift, hat jeglichen moralischen Maßstab verloren. Hoffentlich begreifen dies endlich auch Putins Unterstützerinnen und Unterstützer in den demokratischen Gesellschaften.
Dieter Obst, WiesbadenEs stimmt, dass Putin mit seinen Angriffen auf die Ukraine – wie kürzlich auf eine Kinderklinik in Kiew – eine Botschaft Richtung Nato gesendet hat. Er hat damit aber auch ein verächtliches Signal an die Uno und an die Weltgemeinschaft geschickt. Russland hat derzeit den Vorsitz im Weltsicherheitsrat, einem Gremium, das für die Sicherheit der Nationen der Welt zuständig ist. Und doch bricht Putin fortlaufend die Regeln dieser globalen Vereinigung und tritt ungestraft die Charta der Vereinten Nationen mit Füßen. Der, der den Frieden sichern soll, ist gleichzeitig Aggressor. Die Uno macht damit den Bock zum Gärtner und disqualifiziert sich selbst.
Karl-Heinz Schmidt, Grünsfeld (Bad.-Württ.)Inzwischen haben es wohl die letzten Friedensstifter begriffen, was Putin im Sinn hat. Er möchte als der in die Geschichtsbücher eingehen, der die Ukraine ins russische Reich zurückgeholt hat. Die Mittel sind ihm egal. Da können die Linke und die Mitglieder des BSW und natürlich die AfD noch so lamentieren – Putin wird vorher keine Ruhe geben. Vielleicht sollten die genannten Parteien und ihre Vorsitzenden selbst einmal nach Moskau reisen, um mit Putin zu sprechen. Aber sie wissen genau, dass sie sich diese Reise ersparen können. Auch Trump wird diesen Krieg nicht beenden, genauso wenig wie er Nordkorea dazu gebracht hat, seine Atomwaffen abzugeben.
Lothar Wirth, BerlinJeder, der die traurige Realität unverblendet betrachtet, der Frieden, Freiheit und Selbstbestimmung schützen und bewahren will, kann diesem Leitartikel von Frau Topçu nur zustimmen. Diplomatie ohne militärischen Druck verpufft. Putins Handeln lässt kein anderes Fazit zu. Beschämend ist, dass viele sich partout nicht klarmachen wollen, dass die Nato ein Bündnis zur reinen Verteidigung ist, die Ukraine ein souveräner Staat und Putin längst nur noch auf ein Argument hört, nämlich auf die militärische Stärke jener, die sich seinem Handeln widersetzen.
Rüdiger Reupke, Isenbüttel (Nieders.)
An bürgerlichen Werten orientieren
Heft Nr. 29/2024 Mitte oder links? Die Grünen streiten über ihren Kurs
Die Philosophie von Robert Habeck führt noch nicht weit genug. Schließlich besteht das entscheidende Defizit der Grünen derzeit vor allem in dem Widerspruch, an dem schon andere politische Parteien und Systeme gescheitert sind – dass man nicht gleichzeitig als Avantgarde auftreten und die Mitte der Gesellschaft glaubhaft repräsentieren kann. Deshalb hilft hier neben deutlich mehr Wirtschafts- und Lebenserfahrung in der eigenen Führungsriege nur ein anderer Stil aus der zunehmenden Akzeptanzkrise, der sich an den klassisch bürgerlichen Werten wie Demut und Bescheidenheit orientiert.
Rasmus Helt, HamburgWarum ich die Grünen nicht mehr wähle: Ich bin entsetzt über die Verwandlung von einer Partei des klar formulierten Umweltschutzes und des Friedens zu einer Partei ohne Profil und Glaubwürdigkeit. Für Umweltschutz sind Gesetze erforderlich, alles andere ist Augenwischerei. Besteuerung von Flugbenzin und SUV, Tempolimit, Bundesverkehrswegeplan, Agrargifte, Landschaftsverbrauch, Energie, Gewässerschutz – alles hängt von der Gesetzgebung ab und bringt Einzelnen Nachteile und der Allgemeinheit Vorteile. Die Menschen wollen hier klare Worte und kein akademisches Geeiere.
Robert Wunder, NürnbergBaerbock verkauft sich als kooperierende Parteigängerin, die generös dem ambitionierten Wirtschaftsminister Platz macht. Die Durchsichtigkeit dieses Manövers liegt jedoch auf der Hand, und dafür genügt der Blick auf die Umfragewerte der Grünen. Wer ernsthaft an eine Mehrheit bei der nächsten Bundestagswahl glaubt, dürfte ohnehin den falschen Beruf gewählt haben. Aufgrund der Übereinstimmung Baerbocks mit den außenpolitischen Positionen der Union läuft sie sich vermutlich warm, um in der nächsten Legislaturperiode unter Friedrich Merz Außenministerin zu bleiben. Ein Verzicht, der keiner ist.
Reiner Gorning, Hamburg
Sehr weit weg von de Leut
Heft Nr. 29/2024 Die Ampel in Rheinland-Pfalz funktioniert geräuschlos
Als Rheinland-Pfälzer teile ich Ihre Einschätzung über unsere Landesregierung nur zu einem geringen Teil. Es gab einfach zu viele Skandale und Fehlleistungen in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten. Die lokale Presse hatte die ehemalige Ministerpräsidentin schon lange nicht mehr demütig hinter sich stehen. Der Chefredakteur der »Rhein-Zeitung« hat sie nach ihrem Rücktritt recht kritisch verabschiedet. Uneitel hat sich Frau Dreyer auch nicht aus der Landespolitik zurückgezogen. Das erbärmliche Bild während und nach der Ahrtalkatastrophe hätten ihr die Wähler bei der nächsten Wahl nicht mehr durchgehen lassen. Auf eine solche Niederlage wollte sie wohl verzichten. Da sie bei Herrn Beck gelernt hat, übernahm sie seine Strategie, rechtzeitig einen Nachfolger zu etablieren, um den Amtsbonus für die SPD einzustreichen.
Martin Hanten, KoblenzSeit Kurt Beck propagiert die Landesregierung, »nah bei de Leut« zu sein. Verbal mag das so sein. Regierungshandeln geht in die Gegenrichtung. Rheinland-Pfälzer Kommunen zählen wegen unzureichender Finanzausstattung des Landes zu den am höchsten verschuldeten in Deutschland. Die Landesregierung unterstützt anfangs gerne Wohltaten, im späteren Verlauf bleiben die Kosten bei den Kommunen hängen. Bei den Straßenausbaubeiträgen unterstützen mehrere Bundesländer ihre Bürger, Rheinland-Pfalz ist hier sehr weit weg von de Leut.
Paul Schmidt, ehemaliger ehrenamtlicher Kommunalpolitiker, Höhr-Grenzhausen (Rhld.-Pf.)
Viel Herzenswärme
Heft Nr. 29/2024 Die Sängerin Taylor Swift spielt drei Konzerte in Gelsenkirchen. Was haben der Superstar und die arme Ruhrpottstadt gemeinsam?
Ganz selten liest man einen Artikel, der so liebe- und humorvoll geschrieben und bebildert ist, dass man abwechselnd laut lachen und ein Tränchen verdrücken muss. Eine Liebeserklärung an Gelsenkirchen und seine Menschen. Ich muss unbedingt mal hinfahren – und verspreche, Ernst Kuzorras Stammplatz in Ehren zu halten.
Michael Worringen, KölnIn den Beiträgen zu den Auftritten des Superstars in der Stadt wurde wie üblich jedes der bekannten Klischees durchgekaut. Nirgendwo aber wird erwähnt, dass in all den Jahren Dauerkrise die Stadt ihr Opernhaus Musiktheater im Revier erhalten hat inklusive Ballett und des Orchesters Neue Philharmonie Westfalen. Schade dass diese vorbildliche Leistung der lokalpolitisch Verantwortlichen nicht gewürdigt wird. Und die künstlerische Qualität, die hier erzeugt wurde und wird, ist mindestens so erwähnenswert wie Currywurst und Bier aus der Stadionzapfanlage.
Christoph Tentrup, GelsenkirchenAls ehemalige Gelsenkirchenerin hat mich Ihr Artikel über Taylor Swift und ihren Auftritt im Stadion sehr interessiert. Und ich muss sagen, er ist hervorragend geschrieben mit viel Herzenswärme, Verständnis, Mitgefühl und großem Interesse an der Stadt. Auch die Oberbürgermeisterin gefällt mir mit ihrer offenen und direkten Art sehr gut. Hoffentlich lässt Taylor Swift ordentlich Geld in der Stadt.
Renate Lange, Bonn
Versagen ganzer Generationen
Heft Nr. 29/2024 Marode Gleise, bröckelnde Brücken – unterwegs im Land der kaputten Infrastruktur
Es wäre eine Erwähnung wert gewesen, dass vor der Ampel seit 2009 alle Verkehrsminister von der CSU gestellt wurden. Da floss zwar Geld nach Bayern oder in unsinnige Projekte wie die »Ausländermaut« und Elektro-Highways, auf denen so gut wie nie ein entsprechender Lkw zu sehen ist. Für eine Wartung und Instandhaltung bestehender Strukturen blieb aber kein Geld.
Gert Wagner, Frankfurt am MainWie haben es all die Regierungen der vergangenen Jahrzehnte nur geschafft, ein ganzes Land (auch Krankenhäuser, Schulen, Bundeswehr, Wohnungen usw.) verfallen zu lassen und gleichzeitig 2,5 Billionen Euro Staatsschulden anzuhäufen? Dieses Versagen ganzer Politikergenerationen ist für den Normalbürger einfach nicht zu fassen. Und leider wohl auch nicht zu ändern.
Uwe Fuhrmann, Monschau (NRW)
Wenig rätselhafte Merkel
Heft Nr. 29/2024 ARD-Doku über Angela Merkel
Was bleibt? Diese philosophische Frage wird fast immer gestellt, wenn eine Ära ultimativ zu Ende ist. Bei Frau Merkel lautet die Antwort ungefähr so: Die gut sortierte naturwissenschaftliche Logik, welche die promovierte Physikerin mit ostdeutschem Migrationshintergrund fest verinnerlichte und später mit ins Kanzleramt nahm, erwies sich in der realen Politik öfter als völlig unbrauchbar. Ergebnis: Die Fehlerquote stieg im Laufe ihrer Amtszeit. Vielleicht sollten deswegen in Zukunft auch hierzulande selbst anfangs talentierte Kanzlerinnen und Kanzler maximal zwei Legislaturperioden schalten und walten dürfen.
Roland Barwinsky, Hirschberg (Thür.)Angela Merkel ein »Rätsel« mit einem »rätselhaften Verhältnis von Omnipräsenz und Undurchsichtigkeit«? Nichts an Merkels Vita erscheint mir rätselhaft. Eine intelligente, ehrgeizige Frau, die, um es milde auszudrücken, anpassungsfähig und -bereit genug war, um in zwei gegensätzlichen Systemen erfolgreich zu sein. »Rätselhaft« erscheint mir dagegen, wie eine riesige Mehrheit der deutschen Medien 16 Jahre lang die Kanzlerin Merkel vorbehaltlos unterstützen konnte, ohne die gewaltigen Defizite ihrer Politik, die heute jeden Tag deutlicher werden, auch nur zu bemerken.
Prof. Dr. Wolf-Rüdiger Heilmann, Berlin
Todesverachtender Mut
Heft Nr. 29/2024 Zwei Nachfahren blicken im SPIEGEL-Gespräch auf die Hitler-Attentäter vom 20. Juli 1944
Die Männer des 20. Juli waren keine Demokraten, und Georg Elser Kommunist. Aber sie besaßen todesverachtenden Mut im Kampf gegen das Böse. Deshalb sind sie Helden!
Rainer Springer, Neumarkt (Bayern)
Das Rad ist schon erfunden
Heft Nr. 29/2024 Einsamkeit macht krank und kann die Demokratie gefährden. Was hilft dagegen?
Es braucht keinen Maßnahmenkatalog, sondern mehr Geld für gut vernetzte Ansprechpersonen, die mit attraktiven Angeboten ihre Zielgruppe erreichen. Das Rad ist schon erfunden – es muss nur noch finanziert werden.
Ute Beese, Bottrop
Highlight MBappé
Nr. 29/2024 Wie Fußballstars mit Druck umgehen
Man muss diesem Bericht in allen Punkten zustimmen, vor allem den Ausführungen zu Kylian Mbappé. Sein Interview im druckreifen Redestil ist ein Highlight. Meine Hochachtung vor diesem Fußballer!
Harri Bürgel, Edewecht (Nieders.)
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