Briefe - DER SPIEGEL
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Illustration: Patrick Mariathasan / DER SPIEGEL

Briefe

Die Iran Falle, Leitartikel zur SPD und ein Gespräch mit Google Forscher Hartmut Neven – das waren die Themen, zu denen wir in der vergangenen Woche die meisten Zuschriften erhalten haben.
• aus DER SPIEGEL 27/2025

Man kann Merz beglückwünschen

Heft 26/2025 Titel: Die Iran-Falle 

  • Ein von außen orchestrierter Regimewechsel ist nicht nur völkerrechtswidrig, sondern birgt auch für Israel und die gesamte Region erhebliche Gefahren. Neben dem Risiko eines Flächenbrandes besteht die reale Möglichkeit, dass eine neue Terrororganisation entsteht. Dabei liegt die Lösung des Nahostkonflikts klar auf der Hand: Eine dauerhafte Befriedung der Region wird nur durch eine gerechte Lösung der Palästinafrage möglich sein. Die international geforderte Zweistaatenlösung wird jedoch seit Jahren systematisch von Israel behindert – insbesondere unter Ministerpräsident Netanyahu. Damit schadet er nicht nur dem Ansehen des Landes, sondern auch der eigenen Bevölkerung. Nur wenn sowohl Israelis als auch Palästinenser eine lebenswerte Perspektive erhalten, können Frieden und Sicherheit dauerhaft einkehren.
    Reiner Gorning, Hamburg

  • Man kann Kanzler Merz nur dazu beglückwünschen, dass er den Mut zur klaren Sprache gefunden und das militärische Vorgehen Israels gegen Iran als »Drecksarbeit für uns alle« bezeichnet hat. Wer ernsthaft daran zweifelt, dass das Regime in Teheran mit der Unterstützung von Terrorgruppen im Nahen Osten, dem unverhohlenen Hass gegen Israel und seinem Anspruch, Atommacht zu werden, eine Gefahr für den Weltfrieden darstellt, der unterliegt einer grundlegenden Blindheit. Der Staat Israel hat seit Beginn seiner Existenz 1948 die Bedrohung durch andere Staaten und Gruppen immer wieder zu spüren bekommen. Anders als die vom Frieden verwöhnte Bundesrepublik Deutschland kann sich Israel kein weltfremdes Schönreden und Lavieren leisten. Der desolate Zustand der über Jahre hinweg von der Politik vernachlässigten Bundeswehr und das Zaudern gegenüber Putins Kriegstreiben stehen symbolisch für eine deutsche Außenpolitik des Verdrängens. Friedrich Merz scheint anders als seine Amtsvorgänger Scholz und Merkel verstanden zu haben, dass Außenpolitik nicht immer allein durch Diplomatie zu regeln ist, sondern dass man sich den Feinden von Demokratie und Menschenrechten auch entgegenstellen muss.
    Jens Sonntag, Eibenstock (Sachsen)

  • In allem Trubel um Trump halte ich ihm einen Punkt zugute: Er hat die Europäer endlich aus ihrem süßen amerikanischen Traum aufgeweckt. Ich hoffe, diese Botschaft ist nun endlich angekommen.
    Hans-Ulrich Bresch, Cuxhaven

Eine einzige Abrechnung

Heft 25/2025 Leitartikel – Teile der SPD leiden unter Realitätsverlust 

  • Das von den SPD-Friedenskreisen veröffentlichte sechsseitige Manifest zum Thema »Friedenssicherung in Europa« offenbart die Unfähigkeit der Verfasser, zu erkennen, dass der Kriegsverbrecher Putin unter keinen Umständen verhandeln will. Sie hätten gut daran getan, einer intelligenten Feststellung des früheren SPD-Vorsitzenden Kurt Schumacher zu folgen: »Politik beginnt mit der Betrachtung der Wirklichkeit.«
    Erwin Kuns, Münster

  • Herr Neukirch verkneift sich in seinem wohltuend sachlichen Leitartikel verbales Haareraufen über die unfassbare Realitätsverweigerung der Manifestverfasser. Denen ist obendrein die »prozentuale« Situation ihrer eigenen Partei offenbar völlig wurscht. Man sollte den Wortführern einen offiziellen Regierungsauftrag erteilen, mit Putin Friedensverhandlungen zu führen. Dann wäre der Spuk bestimmt schnell vorbei.
    Heinz Tenbusch, Hattingen (NRW)

  • Der Autor des Leitartikels hat schlicht das »Manifest« nicht verstanden. Aufrüstung: ja (nicht unbedingt 3,5 oder 5 Prozent), verteidigungsbereit: ja, aber auch den Weg der Diplomatie beschreiten. Dies wird ein langer und steiniger Weg werden, aber nur so kann der Krieg beendet werden. Ansonsten beteiligen wir uns mit jeder Waffenlieferung am weiteren Ausbluten der ukrainischen Bevölkerung. Oder glaubt der Autor, dass die Ukraine den Krieg gegen Russland gewinnen kann? Seit zweieinhalb Jahren haben wir einen brutalen Stellungskrieg.
    Dr. Hans-Günther Reuther, Bannewitz (Sachsen)

  • Der Leitartikel ist eine einzige Abrechnung, richtig so! Die SPD fällt in alte Muster zurück. Offenbar träumen Mützenich und Stegner noch immer vom erhebenden Aufmarsch im Bonner Hofgarten 1981, als es gegen die Stationierung von Pershing II ging, um der Hochrüstung in der Sowjetunion etwas entgegenzusetzen. Man könnte es Nostalgie pur nennen, wenn mit dem Manifest nicht Putin in die Hände gespielt würde. Wandel durch Annäherung war dereinst die erfolgreiche Formel von Willy Brandt. Doch was die abservierten Politiksenioren betreiben, ist Wandel durch »Anbiederung« (Volker Rühe 1989 am Vorabend der Wiedervereinigung an die Adresse der SPD).
    Christoph Schönberger, Aachen

  • Die völlig überzogene Kritik am SPD-Manifest in Politik und Medien zeigt, dass das Papier einen Nerv getroffen hat. Wahrscheinlich befürchten die Befürworter höherer Rüstungsausgaben und weiterer Waffenlieferungen an die Ukraine, dass viele SPD-Mitglieder und ein erheblicher Teil der Wählerschaft die Alternative von Diplomatie und Verhandlungen für absolut sinnvoll und notwendig halten. Dass Wladimir Putin kein Friedensengel und der Bruch des Völkerrechts durch den Angriff auf die Ukraine zu beklagen ist, ändert nichts an der Notwendigkeit von Verhandlungen über einen Waffenstillstand und einen Friedensvertrag. Die Behauptung, dass Russland Nato-Gebiet angreifen könnte, dient bei uns für weitere Aufrüstung und die Erhöhung der Rüstungsausgaben. Dass Wladimir Putin die ehemalige DDR zurückerobern will, werden auch die Hardliner kaum glauben. Woher soll bei uns aber das Geld für die Aufrüstung kommen? Aus Gesundheitswesen und Renten, Bildungsförderung und Wohnungsbau, Infrastruktur oder dem Kampf gegen die Erderwärmung?
    Brigitte Schellnhuber, Ingolstadt

  • Die kritischen Anmerkungen im Leitartikel beruhen offenbar auf der Annahme, dass die Verfasser des dort besprochenen Manifests tatsächlich damit rechnen, die Ukrainepolitik der Regierung ändern zu können. Ich nehme eher an, dass es den Rebellen weniger um den Kampf gegen Putin geht als um den Kampf gegen das Umfragetief der SPD, wobei die Strategie lautet: Getrennt marschieren, vereint schlagen. Während die in der Regierungsverantwortung stehende Parteispitze den Kurs einer berechtigten Abwehr von Putins Aggression fährt, schwenken die Verfasser des Manifests die weiße Parlamentärsfahne und ziehen alle Arten von Putin-Verstehern und Friedensaktivisten an, um vor den nächsten Urnengängen die SPD mit einem pazifistisch etwas aufgehübschten Gesicht für neue oder zurückzugewinnende Wähler attraktiver zu machen. Bei alledem werden die Rebellen nicht damit rechnen müssen, dass sich die Politik der Bundesregierung wirklich infolge des Manifests ändert.
    Michael Fritzen, Mülheim an der Ruhr (NRW)

  • Endlich haben sich die Mitglieder der in der SPD vorhandenen Friedenskreise zur derzeitigen Sicherheits- und Verteidigungspolitik mit ihren Positionen zu Wort gemeldet, die sich wohltuend vom gegenwärtigen Mainstream un­terscheiden. Bisher konnte man sich nicht des Eindrucks erwehren, dass das Narrativ der Verteidigung, wenn nicht gar der Militarisierung, die öffentliche Debatte sowie die verteidigungs- und sicherheitspolitischen Entscheidungen ausschließlich prägt. Das Manifest der Verfasserinnen und Verfasser stellt zumindest eine Verbreiterung des Meinungskorridors künftiger Diskussionen und Entwicklungen dar. Es wäre geradezu sträflich, die im Manifest geäußerten Positionen leichtfertig als »unbelehrbar« abzutun. Von den langfristigen Folgen der derzeit dominierenden Haltungen im Hinblick auf gesellschaftlichen Zusammenhalt zu schweigen. Denkverbote im Hinblick auf mögliche Friedenslösungen helfen nicht weiter.
    Uwe Müller, Stuttgart

  • Ralf Stegner nennt das Manifest einen Debattenbeitrag. Ein Manifest ist alles andere als ein De­bat­ten­beitrag, sondern eine Grundsatzerklärung, also nahezu das Gegenteil. Begriffsverbiegungen sind meist der Beginn von un­sauberer politischer Sprache. Das sogenannte Manifest wurde ganz gezielt vor dem Nato-Gipfel veröffentlicht, aber auch als eine mäßig verschleierte Abrechnung mit Klingbeil und der Unfähigkeit, Putins imperialen Expansionswahn auch nur im Ansatz zu antizipieren.
    Helmut Fian, Wien

Kaum zu fassen

Heft 25/2025 SPIEGEL-Gespräch mit Google-Forscher Hartmut Neven 

  • Es ist toll, dass Google in Führungspositionen Personen beschäftigt, die ihre Meinung so klar und schwurbelfrei ausdrücken können. Allerdings ist ein Kernargument von Herrn Neven in sich widersprüchlich. Er favorisiert mit der Vielweltentheorie eine (durchaus umstrittene) Interpretation der Quanten­mechanik, in der die Auflösung einer Superposition (also der Überlagerung verschiedener Zustände) durch die Entstehung verschiedener paralleler und miteinander unverbundener Universen geschieht. Gleichzeitig sieht er die Superposition als die Stelle an, an der sich das Bewusstsein in einem Akt freien Willens für ein bestimmtes dieser Paralleluniversen entscheidet. Wenn aber alle möglichen Alternativen sich notwendig parallel realisieren, werden auch alle möglichen »Entscheidungen« notwendig und eben nicht frei getroffen. Es findet keinerlei Auswahl aus verschiedenen Möglichkeiten statt, und die gefühlte Freiheit ist tatsächlich nur eine Fehlinterpretation des Determinismus sich verzweigender Universen.
    Dr. Rudolf Winkel, Müllheim (Bad.-Württ.)

  • Die SPIEGEL-Abteilung für paranormale Phänomene führt alle Jahre wieder gern ein Interview mit Menschen, die einerseits uns Normalos derart enteilt sind, dass es kaum zu fassen ist, andererseits aber sich selbst und dem Rest der Menschheit »wenig Ahnung« attestieren. Ein Paradebeispiel für diese Spezies ist Hartmut Neven, der es schafft, alles mit allem zu fusionieren, was gerade als der heißeste Scheiß an der kalifornischen Vordenkerfront gilt. Er verpanscht die fragilen Effekte der Quanten-Superposition mit der unbe­weisbaren Theorie der Multi­versen, verschmilzt diesen Brei mit künstlicher Intelligenz zu »Quantum AI« und möchte die angeblichen Qubits unserer Gehirne zwecks reicherer Erfahrungen mit einem Quantenpro­zessor zusammenschalten. Das Schöne an solchen Theoriegebilden ist, dass man sie nicht falsifizieren kann. Alles ist möglich! Glaubt es!
    Horst van Bremen, Lemgo (NRW)

Sehr irritierend

Beilage SPIEGEL BESTSELLER: Sommer 2025 Bestseller Belletristik (Hardcover): Eintrag zu Christoph Heins Buch »Das Narrenschiff«

  • Sehr geehrte Damen und Herren der Kulturredaktion des SPIEGEL, es gab in den letzten Monaten irritierende Veränderungen in den Berichterstattungen einiger Zeitungen. Und jede Veränderung ist für uns alte Herrschaften – ich erlaube mir, Sie und mich so zu nennen, ist doch der SPIEGEL nur wenige Jahre jünger als ich – verstörend. Jahrelang wurde ich – auch von Ihnen – stets als »ostdeutscher Autor« bezeichnet. Seit einem Jahr steht bei meinem Namen der neue Zusatz »deutscher Autor«. Sehr irritierend. (Haben Sie eigentlich jemals einen west-elbischen Autor als »westdeutschen Autor« gekennzeichnet?) Nun konnte ich aber in Ihrer neuesten Beilage wieder lesen: Hein sei ein ostdeutscher Autor. Nun ist die Welt wieder in Ordnung. Freilich, ganz korrekt ist es nicht, da es nur noch zwei oder drei lebende ostdeutsche Autoren gibt; die anderen sind nämlich mitteldeutsche Autoren und sollten nicht von Ihnen nach Ostdeutschland verschoben werden. Ich schlage vor, wir einigen uns bei mir auf »schlesischer Autor«. Das wäre dann völlig korrekt. Mit den besten Wünschen eines ostdeutschen Autors an den westdeutschen SPIEGEL.
    Christoph Hein, Havelberg (Sachs.-Anh.)

»Meine Verwandten sind entweder umgebracht worden oder ausgewandert«

Heft 25/2025 SPIEGEL-Gespräch mit Familienministerin Karin Prien über ihre jüdischen Wurzeln 

  • Ein großartiges Interview! Karin Prien denkt analytisch und verliert sich an keiner Stelle in Phrasen. Das hat man nicht oft in der Politik. Hoffnung kommt auf.
    Helga Glaesener, Oldenburg

Ende eines deutschen Sonderwegs

Heft 25/2025 Deutschlands Alleingang beim CO₂-Speichern 

  • In Millionen Jahren werden Archäologen vermuten, dass unser Planet einst von einer Spezies dominiert wurde, deren Hauptbeschäftigung war, die durch den Planeten erzeugten Bodenschätze aus der Erde zu holen und die entstandenen Löcher mit Müll zu füllen.
    Julius Bauer, Wien

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