Briefe - DER SPIEGEL
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Artikel 69 / 72

Illustration: Patrick Mariathasan / DER SPIEGEL

Briefe

Jewgenij Prigoschin, Robert Habeck, die Karl-May-Festspiele in Bad Segeberg, »The Pioneer« – das waren die Themen, zu denen wir in der vergangenen Woche die meisten Zuschriften erhalten haben.
• aus DER SPIEGEL 36/2023

Er kann nur Gewalt

Heft 35/2023 Titel: Tod eines Killers 

  • Wer Wladimir Putin zum Feind hat, bekommt manchmal unerwartet schnell Herz-Rhythmus-Störungen, springt unfreiwillig aus dem Fenster oder stürzt wie aus heiterem Himmel mit dem Flugzeug ab. Wahrlich eine neue Variante des russischen Roulettes.
    Raffaele Ferdinando Schacher, Rorschach (Schweiz)

  • »Sorgfalt vor Schnelligkeit« ist oft der Spruch, wenn’s nicht vorangeht. Der SPIEGEL kann beides. Gestern passiert, heute im SPIEGEL.
    Harald Dupont, Ettringen (Rhld.-Pf.)

  • Ich bin maßlos enttäuscht von dem Artikel zu Prigoschin. Die Absturzursache ist nach wie vor ungeklärt, und die Identifizierung der Leiche durch DNA-Abgleich stand ebenfalls noch aus. Sie wollen verständlicherweise nicht hinter anderen Magazinen zurückstehen. Mit einem kurzen Statement nach dem Motto: Das ist passiert, wir bleiben dran, hätte man sich Ruhm durch angebrachte Bescheidenheit erworben. So ist das für mich nur journalis­tische Gier.
    Andreas Willscher, Hamburg

  • Danke, dass Sie sich mit sechs Seiten kurzfassen. Mehr Aufmerksamkeit sind Figuren wie er, Putin und viele weitere nicht wert. Empfehlenswert zu lesen
    ist »Die Geschichte der Welt« von Ewald Frie, die besser heißen sollte »Die Geschichte der Menschheit«. Es ist erschütternd, wie schon immer Psychopathen mächtig werden konnten und unsere Spezies – wichtiger: alle Lebewesen der Erde – verheerten.
    Dieter Baumann, Tübingen (Bad.-Württ.)

  • Putin kann nur Gewalt, etwas Gescheites kann er nicht. Nichts, was sein Volk weiterbringen würde, nichts, was die Menschheit weiterbringen würde. Wir leben in stetiger Hoffnung, dass solche Despoten Auslaufmodelle sind.
    Hans-Joachim Gorny, Ettenheim (Bad.-Württ.)

  • Ein Diktator fordert absolute Untergebenheit, und die schließt den geringsten Widerspruch aus. Wohl wissend, dass Putin einer ist, wagte es Prigoschin, dennoch aufzubegehren. Sein Todesurteil war daher nicht mehr als eine zu erwartende logische Konsequenz. Je mehr Putin allerdings dieser Konsequenz Ausdruck verleihen muss, desto mehr scheint mir erstens seine Macht zu schwinden und zweitens er in zunehmender, sehr berechtigter Angst um ein ähnliches Schicksal zu leben. Und Angst engt den Fokus gefährlich ein. Darauf setzte Putin erfolgreich bei Prigoschin – darauf setzen andere bei Putin!
    Rüdiger Reupke, Isenbüttel (Nieders.)

  • Das Böse zerstört sich auch von innen heraus – und das ist auch gut so.
    Gernot Hilge, Münster

Gejammere in der Hitze

Heft 34/2023 Kolumne »Der gesunde Menschenverstand«: Wir Klima-Schlaumeier

  • Sie reisen mitten im Sommer nach Mallorca, was nur Verrückte freiwillig tun. Sie stellen fest, dass es dort heiß ist. Sie beschweren sich darüber, dass es am Strand keinen Schatten gibt. Weil kein Sonnenschirm frei ist, setzen Sie sich in ein klimatisiertes Café – das hat Ihnen wahrscheinlich ein Klimaforscher geraten, oder? Sie behaupten, unter denen, die den Klimawandel für widerlegt halten, seien besonders viele Vertreter der AfD. Dafür gibt es gar keine Zahlenbasis. Sie vermuten, dass die AfD-Vertreter vornehmlich in Deutschland Urlaub machten. Auch dafür fehlt die Zahlenbasis. Sie sind wahrscheinlich nicht mit dem Fahrrad nach Mallorca gefahren, sondern geflogen. Sie bleiben die Erklärung schuldig, warum Sie – Schatten suchend – nicht im Schwarzwald Urlaub machen. Sie fordern die Leser auf, den Prognosen der Wissenschaft zu folgen. Wie »folgt« man denn Prognosen? Diese treten ein oder nicht – man kann ihnen nicht »folgen«. Welche Wissenschaft meinen Sie denn eigentlich? Um Ihr Weltbild endgültig zu zerstören: Ich bin ein ökologisch orientierter Sozialliberaler, der ein Leben lang gegen rechte Bewegungen gekämpft hat – aber auch gegen die Verbreitung von Quatsch.
    Joachim Paulke, Ydre (Schweden)

  • Nur zu, Herr Feldenkirchen, nehmen Sie Ihren Appell ernst, folgen Sie den Erkenntnissen und Prognosen der Wissenschaft und vermeiden Sie zusätzliche CO2-Emissionen beim Fliegen in die Ferien.
    Michael Ruffert, Hamburg

  • Am »gesunden Menschenverstand« zweifle ich stark, wenn ich einerseits mit Markus Feldenkirchens Gejammere in der mallorquinischen Hitze mitleiden soll und er andererseits unterstellt, dass Menschen, die auf Flugkilometer verzichten (sowie auf die Klimaanlage im Café) und ihren Urlaub in Deutschland verbringen, potenzielle AfD-Anhänger seien. Welch billige Pointe!
    Heinz Fischer, Westerburg (Rhld.-Pf.)

Was bleibt hängen?

Heft 34/2023 Grüne: Verliert Robert Habeck die Kontrolle über seine Partei? 

  • Im Artikel wird Lisa Paus’ Verweigerung ihrer Zustimmung zum Wachstumschancengesetz als eine Art innergrüner Protest ge­gen Robert Habecks regierungstragende Politik beschrieben – und etwa in der »Tagesschau« als ein weiterer Koalitionskrach unter vielen. Auch wenn daran etwas Wahres sein sollte, sollte doch die erste Priorität immer die inhaltliche Frage sein, in diesem Fall die nach der Kindergrund­sicherung beziehungsweise der Kinderarmut, wie sie gerade erst in der Studie von Diakonie und dem Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung untersucht wurde. Wenn die Antwort der FDP ist, dass ja bei Armut bekanntlich Geld nicht hilft, fällt es zumindest mir nicht schwer, zu einem Urteil in dieser Sache zu kommen. Berichterstattung und Kommentare, die nur untersuchen, wer was wann aus welchen machttaktischen Gründen gesagt, getan oder gefordert hat, spielen nur einer allgemeinen Politikverdrossenheit an einer Partei, der Regierung oder »denen da oben« in die Hände und nützen vor allem der AfD. Bitte bei der Sache bleiben, die Positionen darstellen, kritisieren und Stellung beziehen.
    Dr. Rudolf Winkel, Müllheim (Bad.-Württ.)

  • Das Trauerspiel um das Wachstumschancengesetz zeigt erneut die Führungsschwäche von Bundeskanzler Scholz. Die Bundesregierung fasst nach § 24 Absatz 2 Satz 1 ihrer Geschäftsordnung ihre Beschlüsse mit Stimmenmehrheit, auch wenn in der Praxis Einstimmigkeit angestrebt wird. Nach § 26 haben ein Vetorecht nur der Finanzminister – in Fragen von finanzieller Bedeutung – sowie der Justizminister und der Innenminister – bei Beschlüssen, die nicht mit geltendem Recht vereinbar sind. Der Bundeskanzler hätte deshalb eine Beschlussfassung über den wichtigen Gesetzentwurf herbeiführen können und sogar müssen, da feststand, dass die Mehrheit des Kabinetts einschließlich Wirtschaftsminister Habeck den Gesetzentwurf unterstützt. Im Übri­gen hat er durch seine Unentschlossenheit Finanzminister Lindner im Regen stehen lassen.
    Heinz-Jürgen Wurm, Siegburg (NRW)

  • Zumindest hat Frau Paus einmal ein Zeichen gesetzt im Interesse der ihr überantworteten Bevölkerungsgruppen. Wenn man nun mehrfach zitierte Kommentare wie zum Beispiel von Herrn Lindners Parteifreund Wolfgang Kubicki hört: »einfach nur dumm …«, dann fragt man sich in Anbetracht seiner kruden Äußerungen der vergangenen Monate, ob er nicht selbst mitsamt anderen »Em­pörten« schon länger im Glashaus sitzt.
    Hans–Wilhelm Gondesen, Neustadt/Dosse (Brandenb.)

  • So ärgerlich die Unabgestimmtheit in der Regierung auch sein mag: Das eigentliche Drama ist doch der Hintergrund an sich. Was bleibt denn bei den Bürgern hängen? Die Wirtschaft wird mit Milliarden bedacht, und der bedürftige Bürger muss das finanzieren und geht leer aus. Hier zeigt sich leider mal wieder die verdrehte Diskussion, die in Deutschland zurzeit geführt wird. Das Hauptproblem tritt in den Hintergrund, und die Entscheidungsfindung spielt die Hauptrolle. Hier würde ich mir mehr Ausgewogenheit in der Berichterstattung wünschen.
    Alexander Pachonick, Braunschweig

Ein Märchen, ein Spiel

Heft 34/2023 Sehnsüchte: Reportage von den Karl-May-Festspielen in Bad Segeberg, wo Darsteller und Zuschauer an längst überkommenen Indianermythen festhalten 

  • Endlich mal ein ausgewogener Artikel des SPIEGEL. Aber bei Winnetou ging es schon seit Karl May um Legenden, Märchen, Sehnsüchte. Es ging nie um Realität, sondern um Unterhaltung. Warum wollt ihr den Kindern, Eltern und Großeltern das kaputt machen? Alle wissen, es ist ein Traum.
    Heino Matthies, Berlin

  • Es mag paradox klingen, aber Karl May war kein Indianerschriftsteller. Er brauchte das exotische, damals unbekannte und (angeblich) gefahrvolle Ambiente, denn nur dort – nicht in der bürgerlich reglementierten, vorurteilsbeladenen und engstirnigen Heimat – konnte sich das Ich entfalten und bewähren. Das »ausfahrende Abenteuer« ist der eigentliche Kern von Karl Mays Erzählungen und macht seinen Erfolg bei Jugendlichen aus. Es war natürlich wenig vorausschauend, diese unbekannte Welt bei den Indianern zu suchen – ein heutiger Autor meidet den Faktencheck und sucht seine Bewährungsräume lieber gleich in den unüberprüfbaren Königreichen von Westeros oder der galaktischen Republik von »Star Wars«. Der 14-jährige Besucher der Karl-May-Spiele weiß im Übrigen sehr genau, dass die Indianer Karl Mays mit der Realität nichts zu tun haben. Dass Karl May andererseits wie kein anderer dafür verantwortlich ist, dass Indianer hierzulande ausnahmslos positiv wahrgenommen werden, sollte man ihm nicht zum Vorwurf machen. Wenn mir als Deutschem irgendwo auf der Welt widerfahren würde, dass man mich in den freundlichsten Farben sieht, würde ich mich nicht unbedingt wehren. Dagegen berührt es mich unangenehm, wenn der SPIEGEL-Autor meint, sich gegenüber dem Engagement und der Begeisterungsfähigkeit eines Segeberg-Darstellers wie Harald Wieczorek so latent herablassend äußern zu müssen. Was den Faktencheck betrifft: Karl May starb 1912. Da gab es noch kein Blockhaus »Villa Bärenfett«, in dem er hätte wohnen können. Das wurde erst später gebaut (eingeweiht 1928).
    Michael Petzel, Geschäftsführer des Karl-May-Archivs und Kurator der Karl-May-Stiftung Göttingen

  • Ein Märchen, ein Spiel, die Fantasie wird mit der Wirklichkeit abgeglichen. And the winner is? Beim Journalisten die Wirklichkeit. Beim Publikum das Märchen. Wer hätte das gedacht?
    Karl Giebeler, Blaustein (Bad.-Württ.)

Kleines Loch gebohrt

Heft 34/2023 Publikationen: Die fragwürdigen Geschäfte des Medienunternehmens »The Pioneer« 

  • Ihren berechtigten Verriss von »The Pioneer« habe ich mit Genuss gelesen. Gabor Steingart betreibt damit einen journalistischen Schandfleck, das zeigen schon die kostenlos zugänglichen Teile. Narzisstische Selbstbeweih­räucherung trifft gehypten Eigenanspruch, der kaum eingelöst wird. Stattdessen Möchtegernjournalismus in Form einseitig wirtschaftsliberaler Meinungs- und Stimmungsmache. Das Ganze verlässlich verbunden mit undifferenziertem, teils widersprüchlichem Regierungs­bashing und populistischer Dämonisierung missliebiger Themen und Personen – unterhaltsames »Bild«-Niveau für Pseudointellektuelle. Auch die Auswahl der Gesprächspartner spricht Bände. Daran ändern gelegentliche Alibigäste aus anderen Lagern nichts. Dass »The Pioneer Briefing« den Publikumspreis des Deutschen Podcastpreises 2023 gewinnen konnte, sagt viel aus über Deutschland heute.
    Matthias Richter, Ulmen (Rhld.-Pf.)

  • Seit über 30 Jahren habe ich ein SPIEGEL-Abo. Es gab immer Momente, in denen ich stolz darauf war, und welche, in denen es mir peinlich war. Das ist okay, niemand ist immer in Bestform. Aber noch nie habe ich mich so geschämt wie für den »Pioneer«-Artikel. Habt ihr so viel Angst vor Disruption? So ein dünnes Brett, von so vielen Redakteur:innen gebohrt? Und das Ergebnis: ein kleines Loch halt, kein Skandal. Ich hoffe zutiefst, dass jetzt bei euch Spuren von Selbstzweifel zu finden sind. Ich lese den ganzen Tag SPIEGEL.de und jeden Morgen das »Pioneer Briefing«. Nicht weil da keine Werbung drin ist. Das würde mich nicht stören und hat mich beim SPIEGEL auch nie gestört. Sondern weil es eine andere Perspektive bietet. Dass Herr Steingart sein Schiff an Unternehmen und Politiker vermietet, wusste ich schon, steht nämlich auf seiner Website.
    Peter Post, Wiesbaden

Wild gewordene Bürokratie

Heft 34/2023 Die Bundesagentur für Arbeit will zeigen, dass auch Behörden mit KI arbeiten können 

  • Ein sehr guter Artikel, der ähnlich wie der Artikel zu der privaten Kita in der gleichen Ausgabe das zentrale Problem Deutschlands veranschaulicht, die
    wild gewordene Bürokratie!
    Bernd Hofmann, Heinsen (Nieders.)

Begeisterte Zuschauer

Heft 34/2023 Leitartikel: Nach 60 Jahren muss sich die Fußballbundesliga neu erfinden 

  • Die Arenen sind voll, die Zuschauer sind begeistert, selbst wenn die eigene Mannschaft schwächelt. Andere Ligen verkaufen sich an Milliardäre, Investoren oder Scheichs.
    Ist das die Art Fußball, die Sie wollen, Herr Meyn?
    Peter Henn, Köln

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