Illustration: Patrick Mariathasan / DER SPIEGEL
Briefe
Auf Pools verzichten
Heft 30/2023 Titel: Wasser!
Für vernunftbegabte Menschen ist klar erkennbar, dass die Folgen des Klimawandels unsere Lebensgrundlagen bedrohen und einen respektvoll ressourcenschonenden Umgang mit dem lebenswichtigen Element Wasser zwingend erforderlich machen. Statt auf Verbote oder Beschränkungen zu warten, sollten wir beispielsweise auf Rasensprenger, private Pools und Samstagsautowäschen verzichten oder diese einschränken – denn Wasser bedeutet Leben.
Stephan Erven, Merzenich (NRW)Unser mehrjähriger Aufenthalt in Südafrika hat uns gezeigt, wie die Menschen dort mit der Wasserknappheit umgehen. Eine wichtige Maßnahme ist, das wertvolle Regenwasser in natürlichen Senken und in Staudämmen aufzufangen, sodass weit entfernte Siedlungen mit Trinkwasser versorgt werden können. Und – noch wichtiger: Wenn diese Wasserspeicher auch in Form kleinerer Teiche dezentral über das ganze Land verteilt sind, dienen sie nicht nur, wie auf den Farmen, zur lokalen Versorgung von Mensch und Tier, sondern füllen durch Versickerung das Grundwasser auf. Das also gehört unserer Meinung nach zum Instrumentenkasten der Wasserversorgung: Schüttet die Gräben zu und leitet das Regenwasser in natürliche Senken! Das wäre auch ein wichtiger Beitrag zum Naturschutz. Entwässerung war gestern.
Imme und Peter Erichsen, Büdelsdorf (Schl.-Holst.)
In Ihrer Hausmitteilung zur Titelstory beißt sich die Katze in den Schwanz. Die Wasserknappheit müsse bewältigt werden, heißt es dort, »wenn wir unsere Art zu leben retten wollen«. Es war und ist aber doch insbesondere unsere moderne verschwenderische Lebensweise, die via CO2-Anreicherung in der Atmosphäre, Klimawandel, Gletscherschmelze et cetera zu der beklagten Wasserknappheit geführt hat. Bei unserer Art zu leben handelt es sich um die einzige »Spezies«, die eben nicht gerettet, sondern möglichst rasch dem gleichfalls menschengemachten fulminanten Artensterben anheimfallen sollte. Damit wäre auf die Schnelle schon mal allen geholfen.
Erwin Bixler, Rodalben (Rhld.-Pf.)Wassermangel? Kann doch gar nicht sein, wenn ich sehe, wie viele Swimmingpools in den letzten Monaten in meiner Nachbarschaft verbaut wurden. Und in jedem Baumarktprospekt gibt es sie in jeder Größe als Sonderangebot, selbst bei Aldi kann man sie erwerben. Alles wieder so links-grüne Meinungsmache wie die Klimakrise. Wenn man genug Geld hat, muss man sich den Pool doch leisten können.
Gert Wagner, Frankfurt am MainWasserrestriktionen oder Bauprojekte ohne Zusage von Versorgung sind erst der Anfang. Wenn wir weiter so viel Raubbau an der Natur vornehmen, mit Versiegelung und Monokulturen, wird nicht nur das wertvolle
Nass weniger. Auch leiden Biodiversität und Artenvielfalt.
Wasserpipelines sind auch keine Lösung. Ansätze sind vor allem in der Kreislaufwirtschaft, der Unterscheidung von Trink- und Brauchwasser sowie im verantwortungsvollen Umgang zu suchen. »Was(ser) nichts kostet, ist nichts wert« darf es nicht länger heißen. Wasser ist nicht nur eine chemische Verbindung, es ist die grundlegende Voraussetzung für alles Leben auf der Erde.
Rainer Szymanski, Grünheide (Brandenb.)
Es ist fünf nach zwölf
Heft 29/2023 Leitartikel: Im Kampf gegen den Klimawandel kommt die Ampel-Regierung nicht schnell genug voran
Viele haben leider immer noch nicht begriffen, dass das keine Übung, sondern bereits der Notfall ist. Weltweit starten pro Tag 230.000 Flugzeuge. Allein hier in Deutschland zur Ferienzeit sind die Flughäfen stark frequentiert. Was veranlasst Menschen, aus dem heißen Sommer in Deutschland in noch heißere und wasserärmere Gegenden zu fliegen? Was ist so toll daran, auf riesigen Kreuzfahrtschiffen mit etwa 5000 Menschen durch die Weltmeere zu fahren? Aber die Spaßgesellschaft will nicht verzichten, und es ist leider sehr vielen egal, wie die Welt in einigen Jahren aussieht. Sicher können wir nicht zurück auf die Eselskarren, aber ein wenig Konsumrücknahme würde uns allen guttun.
Karola Albrecht, BerlinNicht nur die Ampelkoalition gibt sich auf. Ich befürchte, auch fast die gesamte Menschheit. Beim Lesen des Leitartikels erinnerte ich mich spontan an eine Karikatur aus dem Satireblatt »MAD«, die als Illustration zum Leitartikel gepasst hätte: Alfred E. Neumann, in einer Toilettenschüssel sitzend, betätigt die Spülung mit den Worten »Good bye cruel world«. Auch die Menschheit – wenn wir so weitermachen – wird sich eigenhändig wegspülen.
Jürgen Koritz, PaderbornDieser Leitartikel ärgert mich, denn er ist ungerecht, weil er nicht differenziert. Wenn sich der Leitartikler schon als Untergangsprophet geriert, dann sollte er wenigstens die wirklich Verantwortlichen benennen und nicht alle in den gleichen Sack stecken, auf den er einschlägt. Es gibt da noch die Grünen, die wenigstens im Rahmen der Möglichkeiten, die die Demokratie ihnen einräumt, versuchen, etwas zu ändern – zugegeben mit wenig Erfolg. Wer, wie die Letzte Generation, darüber hinaus etwas tun will und tut, der muss den Rahmen der geltenden Gesetze verlassen. Alle anderen, inklusive einer Mehrheit in der Bevölkerung, wollen im Grunde genommen weder die Umstände und schon gar nicht sich selbst ändern, und so ist eben alles, wie es ist, und wird damit schlimmer.
Christoph Nitsche, Straßenhaus (Rhld.-Pf.)Endlich mal ein Leitartikel, der den Namen verdient. Endlich mal eine Ansage an die Regierung: Macht gemeinsam, nicht gegeneinander, Politik für Deutschland und erkennt endlich, dass wir keine Zeit mehr haben, sondern jetzt an der Erreichung der Klimaziele arbeiten müssen. Alle Parteien zusammen. Es ist fünf nach zwölf.
Darko Lalic, Ditzingen (Bad.-Württ.)Ich möchte die Regierung doch etwas in Schutz nehmen. Wenn sich große Teile der Bevölkerung offensichtlich entschieden haben, lieber die Lebensgrundlagen ihrer eigenen Kinder aufs Spiel zu setzen, als auch nur die geringsten Abstriche an ihrem eingefahrenen Lebensstil zuzulassen, dann ist auch die ambitionierteste Regierung letztlich machtlos. Zumal, wenn sie zusätzlich aus den eigenen Reihen auch noch ständig ausgebremst wird.
Gebhard Boddin, HamburgWenn die Ampel weiterhin versucht, ein globales Problem auf nationaler Ebene durch opportunistisches Handeln zu lösen, wird sie scheitern. Die Politik muss endlich erkennen, dass man nicht die Symptome bekämpfen, sondern sich den Ursachen widmen muss. Durch die doch sehr regionalen Diskussionen verschleißt sie das Verständnis der Bevölkerung für das wichtige Thema. Unfertige Konzepte wie das Heizungsgesetz tun ihr Übriges.
Norbert Höpfner, Kronberg (Hessen)
Ins totale Elend geschickt
Es ist kaum zu glauben, was für Abschiebungen hierzulande durchgeführt werden. Nach neun Jahren in Kempten werden vier Jugendliche mit ihrer Mutter in die nigerianische Diaspora abgeschoben – obwohl sie Deutsch gelernt haben, zur Schule gingen und sich bereits über ihre berufliche Zukunft Gedanken gemacht hatten. Dass die Mutter aus Angst, abgeschoben zu werden, keine Pässe besorgt hat, ist sicherlich ein Manko, aber hier sollte aus meiner Sicht Gnade vor Recht walten; denn eine bessere Integration ist kaum vorstellbar. Aber die bayerische Regierung hat offenbar kein Verständnis. Bleibt nur zu hoffen, dass diese Abschiebung revidiert wird.
Paul Heiß, Baierbrunn (Bayern)Artikel 1 unseres Grundgesetzes lautet: »Die Würde des Menschen ist unantastbar.« Wie sträflich wird dieser Grundsatz missachtet? Deutschland überlegt, wie
es für Einwanderer attraktiv werden kann, die unseren Fachkräftemangel ausgleichen sollen. Gleichzeitig versäumen wir, vier Kinder und ihre Mutter zu unterstützen, die seit neun Jahren hier leben, in die Schule gehen, berechtigterweise von einer Zukunft in Deutschland träumen.
Barbara und Walter Michelfelder, Filderstadt (Bad.-Württ)Minderjährige abzuschieben, die neun Jahre in Deutschland lebten, sollte ein Verbrechen sein, von dem volkswirtschaftlichen Irrsinn mal ganz abgesehen.
Christian Holzapfel, KarlsruheAls ich diesen Artikel las, kamen mir die Tränen. Ich hatte eine schlaflose Nacht und schäme mich für Deutschland. Wie ist es möglich, dass Deutschland neun Jahre in diese vier anständigen und ehrgeizigen Kinder investiert hat, und kurz bevor sie so weit sind, dem Land etwas zurückgeben zu wollen, wirft man sie in Handschellen gefesselt raus?
Irmela Christen, BerlinEs gibt so Tage, da frage ich mich, wo ich eigentlich lebe. Im Artikel »Moskaus Mann im Bundestag« lese ich davon, dass Herr Sergijenko, ausgewiesener Demokratiefeind, Aktivist für Putins Propaganda(-krieg), die deutsche Staatsbürgerschaft erhalten hat. Unverständlich! Ich lese ein paar Seiten weiter, dass eine alleinerziehende Mutter nebst ihren vier Kindern nach Nigeria abgeschoben wurde. Menschen, die Deutschland bejahten, Deutschland als ihre Heimat ansahen, voll integriert waren, Perspektiven hatten, kurz davor waren, Berufe zu erlernen, die in diesem Land doch so händeringend gesucht werden. Deutschlands Zukunft und die Zukunft dieser in Deutschland Lebenden über Nacht gelöscht. Ich habe Wut! Wer entscheidet so etwas? Was sind das für Menschen?
Bernd Engroff, Eutin (Schl.-Holst.)Die Abschiebung der Familie Ovbiagele ist überhaupt nicht nachvollziehbar. Mir soll kein Politiker mehr davon reden, wir bräuchten Fachkräfte aus dem Ausland, wenn wir es uns leisten können, vier voll integrierte, lern- und arbeitswillige, Deutsch sprechende Kinder und Jugendliche auszuweisen. Auch wenn die Mutter der vier Geschwister Fehler gemacht hat, ist das kein Grund, diese Kinder nach Nigeria ins totale Elend zu schicken. Was haben sich unsere gewissenlos agierenden Bürokraten dabei nur gedacht?
Erwin Nillies, Anröchte (NRW)In Bayern, wo das ungeborene Leben geschützt werden soll, wird heute das geborene Leben nach neun Jahren in Deutschland gnadenlos ungeschützt in Handschellen abgeschoben. Welches Beamtenhirn hat das zu verantworten.
Brigitte Seebacher und Reiner Lange, Rastatt (Bad.-Württ.)Ich hoffe, dass sich die Verantwortlichen und das befasste Gericht eines Besseren besinnen und diese Familie schnell zurückkehren lassen. Das gebietet die Menschlichkeit. Den rein rational Argumentierenden sei gesagt, dass es unklug war, diesen Kindern die Heimat zu nehmen. Meine Bitte an die bisherigen Unterstützer: Geht weiter auf die Straße für diese Familie! Nutzt alle Möglichkeiten des Einspruchs!
Anne Chavez-Siebenborn, Frankfurt am Main
Bowie als Oppenheimer!
Heft 29/2023 Zu Besuch bei Christopher Nolan, der in »Oppenheimer« von der Erfindung der Atombombe erzählt
Robert Oppenheimer als Erfinder der Atombombe zu bezeichnen ist Geschichtsfälschung! Er war zwar wissenschaftlicher Leiter des Manhattan-Projekts, aber man kann ihm doch keinerlei geistige Urheberschaft an dem Prinzip der Waffe anrechnen. Als Einstein über sie nachdachte, war Oppenheimer ein Kind. Um als Erfinder zu gelten, muss man doch die Idee dazu gehabt haben – und die hatten andere.
Herbert Gros, Röttenbach (Bayern)Ich bin kein Cineast, aber kommt »Oppenheimer«, ein Film mit »unheimlicher Aktualität«, nicht viel zu spät? Cillian Murphy ist wahrscheinlich kein schlechter Darsteller. Ideal für die Rolle von Robert Oppenheimer wäre aber David Bowie gewesen. Für Bowie hätte ein Film über Oppenheimer ein guter Nachfolgefilm zu »Der Mann, der vom Himmel fiel« sein können. Auch Regisseur Christopher Nolan, der David Bowie 2006 in »Prestige« den Physiker Nikola Tesla spielen ließ, hätte »Oppenheimer« vermutlich schon früher realisieren können.
Christian Heim, Friedrichshafen
Regierungswechsel mit reaktionären Folgen
Heft 29/2023 Das einstige Macho-Land Spanien ist nun Vorreiter des Feminismus
Das Zurückdrehen gesellschaftlichen Fortschritts ist nicht konservativ, sondern reaktionär. Das sollte man auch so klar benennen. Es bleibt zu hoffen, dass nach einem Regierungswechsel in Spanien dieser gesellschaftliche Fortschritt, von dem wir uns eine Scheibe abschneiden können, nicht rückgängig gemacht wird.
Helga Wandel, Frankfurt am Main
»Unperfekte« Bundesfamilienministerin
Heft 29/2023 Familienministerin Lisa Paus produziert nicht die Schlagzeilen, die sie gern hätte
Ein grandioses, lesenswertes und somit geradezu perfektes Porträt der SPIEGEL-Redakteurin Milena Hassenkamp über die »unperfekte« Bundesfamilienministerin Lisa Paus. Ein journalistischer Volltreffer!
Hans-Jürgen Kroggel, Hameln (Nieders.)
Jingle für Linnemann
Heft 29/2023 Wie tickt der neue CDU-Generalsekretär Carsten Linnemann?
Herr Linnemann möchte wohl, dass seine CDU schon an einem Jingle erkannt wird, um den Unterschied zu anderen Parteien deutlich zu machen. Der Küchenchef hätte da einen ernst zu nehmenden Vorschlag: Wie wäre es mit dem soliden Hit »Der Eiermann« von Klaus & Klaus?
Dr. Helmut Klingenfeld, Ahrensburg (Schl.-Holst.)
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