Illustration: Patrick Mariathasan / DER SPIEGEL
Briefe
Wohltuend konkrete Lösungsvorschläge
Heft 5/2025 Titel: Der Angriff
Kompliment: die beste Titelgeschichte seit Monaten.
Gernot Hilge, MünsterDem SPIEGEL ist eine augenöffnende Titelstory gelungen. Das schleichende Gift des Faschismus durchdringt die demokratischen Gesellschaften weltweit. Dem muss die Zivilgesellschaft Einhalt gebieten.
Andreas Meißner, Tutzing (Bayern)Auf gerade mal vier Seiten schafft es Herr Kurbjuweit, einen prägnanten Abriss der aktuellen Herausforderungen und Dilemmata liberaler Demokratien darzustellen; inklusive historischer Verweise und wohltuend konkreter Lösungsvorschläge. Brillant!
Johannes Rosenboom, BonnDer SPIEGEL begleitet mich seit mehr als einem halben Jahrhundert, und ich freue mich sehr über Dirk Kurbjuweits klare, kritische, ausgewogene und im Subtext immer menschlich zugewandte Perspektive.
Dr. Andreas Lohmeyer, Hagen»Reiche und Rechte aller Länder, vereinigt euch!« Und wenn ihr es dank der modernen Kommunikationstechniken geschickt anstellt, unterstützen und wählen euch sogar die modernen »Proletarier«. So kommt ihr ganz bequem durch demokratische Wahlen an die Macht – statt durch Putsch oder Umsturz.
Astrid Weise, HamburgDie Menschen wissen Dinge, die (für sie selbst) schon immer da waren, nicht zu schätzen und setzen diese als selbstverständlich voraus: Das Wasser kommt aus dem Hahn und der Strom aus der Steckdose. Genauso ist das mit der Demokratie und den universellen Menschenrechten. Vielleicht brauchen wir erst wieder eine Diktatur mit allen Risiken, um das neu zu lernen. Menschen, die in autoritär beziehungsweise totalitär regierten Ländern leben, sich demokratische Verhältnisse wie bei uns wünschen und im Kampf dafür erhebliche Risiken in Kauf nehmen, schütteln sicherlich fassungslos den Kopf, wenn sie sehen, dass viele bei uns diese zivilisatorischen Errungenschaften freiwillig wieder abschaffen wollen.
Veit Walter, BerlinGerade habe ich die drei Teile des Titels gelesen. Essay und Analysen sind hervorragend recherchiert und warnen uns vor diesen bedrohlichen Entwicklungen. Ich habe die Analysen sofort in meinem Freundeskreis dringend weiterempfohlen. Zugleich bin ich sehr besorgt, auf welche System- und Machtverschiebungen wir sehenden Auges zusteuern.
Dr. Citha Maaß, Politologin, UlmIhnen ist ein herausragender zeitloser Essay gelungen, der gut verständlich die immanente Verletzlichkeit der Demokratie beschreibt, so wie sie nun mal zu ihrem Wesen gehört. Aber ich vermisse in Ihrer liberalen Agenda den 12. Punkt: den Hinweis auf den Kampf um die Jugend, den die Rechten derzeit mit klaren Vorteilen in den sozialen Medien ausfechten. Was setzen Demokraten entgegen, wenn Höcke auf einer Simson einen Korso mit Jugendlichen anführt, damit seine Nähe zu ihnen demonstriert – und sich einmal mehr als sympathischen Gegenentwurf zu den abgehobenen Eliten präsentiert? Jugendliche lassen sich so vereinnahmen. Es fehlen Maßnahmen zur politischen Bildung in der Schule, um die Jugend besser gegen manipulative Strategien von rechts zu immunisieren. Verlieren wir die Jugend aus den Augen, muss man kein Prophet sein, um die absehbaren Folgen in vier bis acht Jahren zu benennen.
Winfried Burger, Ebensfeld (Bayern)»Freiheit ist immer die Freiheit des Andersdenkenden« – was würde Rosa Luxemburg heute zu der Freiheit sagen, die sich viele nehmen, die nicht nur anders denken, sondern auch staatszersetzend agieren? Mit den Freiheiten des Grundgesetzes von 1949 werden wir den Kampf um die Demokratie, wie wir sie heute kennen, verlieren. Wir müssen die Internetplattformen regulieren können, selbst auf den Vorwurf der staatlichen Zensur hin. Die Väter der damaligen Gesetzgebung hätten den Begriff der wehrhaften Demokratie gutgeheißen, die Pflicht zur Selbstaufgabe jedoch nicht.
Alfred Kick, Vohenstrauß (Bayern)Ich möchte nicht mehr und nicht weniger, als Ihnen für Ihren Essay »Demokratie in der Defen-sive« zu danken. Das ist Journalismus der Extraklasse. Ich hoffe, dass viele Menschen diesen Essay lesen und die empfohlene Agenda beherzigen.
Dr. Werner Mischke, Hamburg
Strahlend um die Ohren
Heft 4/2025 Erlebt die Atomenergie ein Comeback?
»Kommt die Atomkraft zurück?« – Aus meiner Sicht ist die Frage ganz einfach zu beantworten: Wir können gern wieder über den Bau von Kernkraftwerken reden, wenn das erste funktionsfähige Endlager in Deutschland in Betrieb gegangen ist. Irgendwo muss ja der strahlende Müll hin – und das sollte vorher geklärt sein.
Martin Kaiser, BerlinDie SPIEGEL-Autoren lassen noch einmal alle grünen Atommythen aufblühen, interessanterweise mit Verweis auf noch betriebene Kohle- und Gaskraftwerke, die ja hierzulande ebenfalls stillgelegt werden sollen. Wie ist es dann zu erklären, dass die Internationale Energieagentur eine globale Renaissance der Kernenergie voraussagt, alle großen Industrieländer wie die USA, China, Indien oder Japan und auch fast alle Länder um Deutschland herum weiter Kernkraftwerke betreiben (wie Frankreich oder Tschechien) oder sogar neu in die Kernkraft einsteigen wollen (Polen, Niederlande)? Es ist Deutschland, das die Geisterfahrerperspektive vertritt.
Prof. Dr. Kai van de Loo, Forschungs--zentrum Nachbergbau der THGA BochumSollte der nicht unwahrscheinliche Fall eintreten, dass uns eins der französischen Atomkraftwerke strahlend um die Ohren fliegt, wird die öffentliche Meinung eine andere sein. Atomkraft ist und bleibt Hybris, menschliche Anmaßung. Egal, was die Lobby gerade sagt. In der Berichterstattung des SPIEGEL fehlt übrigens bis heute der erfolgreiche Kampf der Bürger, Kommunen und der Ampel für das Aus des fehlgeplanten Atommülllagers in Würgassen (NRW).
Arno Schelle, Fredelsloh (Nieders.)Ihr Artikel lässt leider die klaren Fakten zu den Preisen der Kilowattstunden aus Atomenergie vermissen. Für Kenner der Materie fast schon lustig ist, dass Sie sich hinter der Aussage »Grenzkosten drei Cent pro Kilowattstunde« verstecken müssen. Das gilt bei einem komplett abgeschriebenen Atommeiler, selbstverständlich ohne Kosten für die Atommüllentsorgung, die erst gar nicht mit kalkuliert werden, da sie bislang allenfalls grob geschätzt werden. Und das Thema Endlagerung wird ohnehin am besten gar nicht angepackt. Dann würde der ganze Schwindel von der preiswerten Atomenergie auffliegen. Übrigens, die Grenzkosten bei den erneuerbaren Energien aus komplett abgeschriebenen Anlagen liegen bei null Cent pro Kilowattstunde. Denn es muss keine Betriebsmannschaft und auch kein Brennstoff bezahlt werden. Also nicht mal bei den Grenzkosten kann die Atomenergie punkten.
Dr.-Ing. Ulrich Pilz, Hohen Neuendorf (Brandenb.)
Bessere Teilhabe der Kinder
Heft 4/2025 Kinder stehen in der alternden Gesellschaft vor Herausforderungen
Herrn El-Mafaalanis Analyse und seinen Vorschlägen ist grundsätzlich zuzustimmen. Das gilt insbesondere für die Kinderrechte im Verfassungsrang, der nötigen Erfahrung von Selbstwirksamkeit des Handelns von Kindern und Jugendlichen etwa mit Zukunftsräten sowie der Ermöglichung eines Engagements gestaltungswilliger älterer Menschen in Kindergärten und Grundschulen. Die Forderung nach einer »erheblichen Stärkung der Bildung« bedarf jedoch nicht nur einer quantitativen Ausweitung, sondern einer grundlegenden Reform des selektiven Schulsystems. Die fatalistische Inkaufnahme tausendfachen Schulversagens und das »Vergeuden von Talenten« (John Hattie) sollten uns endlich Anlass sein, nachhaltig für ein gerechtes Schulsystem einzutreten. Nicht zuletzt, weil die internationale Kinderrechtskonvention bei uns seit vielen Jahren Rechtskraft hat, finde ich es bemerkenswert, dass diesbezügliche Voten des zuständigen Uno-Ausschusses in der Öffentlichkeit weitgehend unbeachtet bleiben.
Gernot Zeitlinger, WiesbadenZur besseren Teilhabe der Kinder an der Demokratie schlage ich vor, das Wahlrecht auf ab Geburt abzusenken. Die Sorgeberechtigten können das aktive Wahlrecht ihrer Kinder treuhänderisch wahrnehmen, solange die Kinder es nicht selbst tun wollen. Diese Wahlrechtsübernahme endet spätestens mit dem Eintritt in das 16. Lebensjahr. Schließlich traut man den Sorgeberechtigten zu, wichtige Lebensentscheidungen der Kinder zu treffen, wie beispielsweise, welcher Kindergarten besucht wird oder ob die Jacke warm genug ist. Mir ist unerklärlich, warum mir nicht zugetraut wird, für meine kleinen Kinder zu entscheiden, was politisch ihren Interessen entspräche.
Ivo Walther, Langeneichstädt (Sachs.-Anh.)
So geht kritische Theorie
Heft 4/2025 Soziologe Armin Nassehi über die Illusion von der kritischen Öffentlichkeit
Herr Nassehi spricht ein zentrales Problem an: Erkenntnis braucht Sachwissen als Grundlage. Viele am öffentlichen Diskurs Beteiligte haben diese nicht oder wollen sie nicht preisgeben. Warum? Es wird einfach nicht erwartet. Sie bedienen die unkritische Öffentlichkeit im leicht konsumierbaren Bekenntnis- und Meinungsmodus. Reicht ja.
Volker Wilhelmi, MainzPure Aufklärung, mit Bedacht und Erkenntnisinteresse hineingetrieben in den universellen Verblendungszusammenhang! So geht kritische Theorie. Externe Beiträge dieser Art machen das geistige Herzblut des SPIEGEL aus, weswegen ich ihn gern lese.
Christian Bromig, Frankfurt am MainIch schaue wie Armin Nassehi auf diese Polit-Gesellschaftsdiskussionen schon länger aus einer Metaebene, weil ein sachlicher Erkenntnisgewinn kaum mehr denkbar ist. Ich bin verwundert, wie manche oft einfachste Fakten mantrahaft wiederholen, um dann schnell zum »Eigentlichen«, Bekenntnishaften, zu kommen. Jeder in der Runde sagt je nach Temperament mit zunehmender Dringlichkeit das immer Gleiche; und am Schluss sitzen die Teilnehmer als Solitäre zusammen, die wenig Strukturen miteinander bilden konnten. Verwunderlich, dass das ohne Scham geschieht.
Lisa Berger, HeidelbergVielen Dank für diese gute Analyse! Jetzt weiß ich endlich, warum ich seit Jahren alle Talkshows und Polit-Diskussionen im Fernsehen meide.
Bernd Schwarze, Taunusstein (Hessen)
Ein Genuss
Heft 4/2025 SPIEGEL-Gespräch mit Sandro Wagner, Co-Trainer der Fußballnationalmannschaft
Ein sehr interessantes Interview, um zu verstehen, wie Sandro Wagner so tickt. Mir ging es zu seiner aktiven Spielerzeit wie vielen anderen: Ich konnte diesen arroganten Typen nicht ausstehen. Das hat sich dann schlagartig geändert, als er die Co-Kommentatoren-Rolle bei DAZN übernahm. Es war jedes Mal ein Genuss und immer hochinteressant, ihm dabei zuzuhören. Dies ging dann sogar so weit, dass ich mir auch Spiele ansah, die mich eigentlich nicht interessierten, nur aufgrund der Tatsache, dass Sandro Wagner mit kommentierte. Gespannt werde ich seinen weiteren sportlichen Werdegang verfolgen.
Stefan Reber, Waltenhofen-Oberdorf (Bayern)
Ist das Kultur?
Heft 4/2025 Los Angeles ist der Sehnsuchtsort der Kulturbranche und unseres Autors
Oft finde ich den Kulturteil im SPIEGEL gelungen, aber diesmal habe ich mich besonders amüsiert. Sie berichten dort über das Feuer in Los Angeles – und man fragt sich als Leser: Ist das Kultur? Ach ja: Thomas Mann hatte dort ein Haus. Anschließend ein Bericht über einen US-Serien-Schauspieler (Eric Braeden), der damit hadert, dass ihn in Deutschland kaum jemand kennt; ich übrigens auch nicht. Ach ja: Thomas Mann hatte in seiner Nähe ein Haus. Schließlich ein Artikel über Moses Pelham, in dem er unter anderem für mich unerträglich über Böhse Onkelz und Xavier Naidoo schwurbelt – und mal schnell erwähnt, dass er die Goethe-Plakette verliehen bekommen hat, ebenso wie – na klar, Thomas Mann.
Andreas Theisen, Willich (NRW)
Gelungene Integration
Heft 4/2025 Der Werdegang von vier einstigen Flüchtlingskindern
Was für ein großartiger, berührender Artikel. Er zeigt, dass die Integration Geflüchteter durchaus gelingen kann. Wir müssen gerade diesen jungen Menschen mehr Empathie und Entgegenkommen bieten: Sie sichern ebenso unsere Zukunft wie unsere eigenen Kinder.
Dr. Wolfgang Ram, Bleckede (Nieders.)
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