Illustration: Patrick Mariathasan / DER SPIEGEL
Briefe
Nie mehr Schnellkochtopf
Heft 22/2025 Titel: Wahnsinn Wechseljahre
Als ich das reißerische Titelbild gesehen hatte, dachte ich schon: Was wird denn da wieder herauskommen? Ich war allerdings sehr überrascht, dass der Artikel doch wissenschaftlich gut gemacht ist. Als Frauenarzt, der 40 Jahre tätig war, konnte ich das gut beurteilen.
Dr. Klaus Heiden, Brüggen (NRW)Dieses Titelbild ist bemerkenswert! Es ist natürlich und charaktervoll, der Wechsel von einer Lebensphase in die andere ist durch die Spiegelung wunderbar simpel abgebildet. Die vielleicht getrübte erste Assoziation des oft negativ empfundenen Begriffs »Wechseljahre« wird durch die Lebensfülle und optimistische Erfahrung, die die »Titelfigur« ausstrahlt, wunderbar konterkariert.
Ralph Misske, BerlinIch wollte gerade erst beginnen, den neuen SPIEGEL zu lesen, aber als ich das Titelblatt sah, verging mir die Lust. Das Titelthema »Wahnsinn Wechseljahre«, dazu oben erwähnt die drei anderen wichtigsten Themen – sonst wären sie ja wohl nicht auf der Titelseite – »So täuschte Familie Biden die Welt«, »Vorsicht an der Fleischtheke« und »Was Therapeuten für den Alltag raten«. Obwohl ich eine Frau bin, kaufe ich den SPIEGEL doch nicht, um mich über Wechseljahre, die Fleischtheke und Therapeuten zu informieren. Als Abonnentin fühle ich mich damit nicht ernst genommen.
Irmgard Henrich-Matejka, Aumühle (Schl.-Holst.)Über die Wechseljahre zu diskutieren, ist in Ordnung. Es ist ein Thema. Meine Lösung nach nur zwei Hitzewallungen. Erstens die persönliche Einstellung: niemals mehr durch die Natur zum unberechenbaren Schnellkochtopf degradiert zu werden. Zweitens die Lösung: natürlich Hormonersatztherapie, natürlich Vollzeitbeschäftigung und natürlich guter Sex. Probieren Sie es aus. Es funktioniert!
Dominique–Marie van de Kerckhove, Saarbrücken
Originelle Argumentation
Heft 21/2025 Kolumne: Die Gegendarstellung – Von Ponzi zu Bas
Die Argumentation von Herrn Neubacher ist diesmal doch etwas zu »originell« geraten: Wenn im Rentensystem die Jüngeren für die Älteren zahlen, ist das sicher kein »Schneeballsystem«, in dem sich die Schulden lawinenartig bis zur Zahlungsunfähigkeit vermehren. Noch seltsamer der zweite Gedankengang: Beamte sollten nicht – wie die Angestellten im Staatsdienst – Rentenbeträge von ihrem Gehalt zahlen, weil sie nichts davon rauskriegen, solange sie arbeiten, aber hinterher wegen ihrer längeren Lebenserwartung umso mehr? Dass man nichts rausbekommt, solange man arbeitet, scheint mir doch gerade die Idee der Rente zu sein.
Dr. Rudolf Winkel, Müllheim im Markgräflerland (Bad.-Württ.)Ich stimme Herrn Neubacher grundsätzlich zu. Aber auch die Argumente, es nutze der Rentenversicherung, wenn mehr Stunden gearbeitet würden, Frauen ihre Berufstätigkeit aufstockten oder Arbeitnehmer einwanderten, ändern nichts am System. Wer viel einzahlt, bekommt eben später auch mehr zurück, was die dann aktiv Berufstätigen aufbringen müssen. Es wäre schon viel gewonnen, wenn die Beamten, statt in die Rentenversicherung einzuzahlen, wenigstens eine mit der Rentenversicherung vergleichbare Altersvorsorge erhielten, nämlich 48 Prozent ihres durchschnittlichen Lebensarbeitslohns, anstelle ihrer derzeitigen Pension in Höhe von 71 Prozent der letzten (also höchsten) Bezüge. Das würde einige Milliarden bei Bund, Ländern und Kommunen einsparen und zur Gleichbehandlung aller Arbeitnehmer beitragen.
Ulrike Platner-Mühlenbein, Brilon (NRW)Eines sollte allen Beteiligten klar sein: Ein Weiter-so bei der Altersversorgung spaltet die Gesellschaft immer tiefer und führt den Begriff Solidargemeinschaft ad absurdum.
Friedrich Meyer-Hildebrand, Tornesch (Schl.-Holst.)
Höchstgrenze ausgeschöpft
Heft 21/2025 Kassenpatienten warten länger
Glauben Sie wirklich, dass sich mögliche zukünftige Ärzte mit dem Hungerlohn zufriedengeben werden, den die Ärzte aktuell von den Krankenkassen bekommen? Der Ärztemangel wird so groß werden, dass alle den guten alten Zeiten nachweinen werden. Ihr Kreuzzug gegen die Ärzte wird nach hinten losgehen. Etliche Kollegen haben in den letzten Jahren ihre Kassenzulassung einfach zurückgegeben. Und dieser Trend wird sich verstärken. Billige Krankenversorgung von hoch qualifizierten und teilweise mehr als zehn Jahre lang ausgebildeten Fachleuten ist eine Utopie.
Dr. Michaela Gregor, StuttgartJeder deutsche Patient geht durchschnittlich zehnmal im Jahr zu einem Arzt; Deutschland liegt damit deutlich über dem OECD-Durchschnitt von 6,6 Besuchen im Jahr. Auch diese überdurchschnittliche Inanspruchnahme ärztlicher Leistungen ist Grund für Wartezeiten und Terminmangel, obwohl die Menschen in Deutschland wohl nicht kränker sind als in den europäischen Nachbarländern. Es gibt auch genügend Ärzte in der ambulanten Versorgung, deren Leistungsmenge aber durch Budgetierung begrenzt wird. Eine unbegrenzte Nachfrage nach einer begrenzten Menge führt zu Wartezeiten. Die entstehende Gerechtigkeitslücke liegt in der Systematik der gesetzlichen Krankenversicherung mit unbegrenztem, gefühlt kostenlosem Zugang zu Sachleistungen, die ohne Steuerung oder Kostenbeteiligung von den Patienten eingefordert werden können, obwohl dort eine Budgetierung herrscht. Diese gibt es im Falle einer privaten Behandlung mit Rechnung halt nicht.
Dirk Paulukat, Bad Camberg (Hessen)Es hätte mich sehr interessiert, wie die Lage bei Schmerzmedizinern ist: Zwei der vier Praxen in Leipzig nehmen (angeblich) gar keine neuen Patienten auf. Eine andere Praxis vergibt für Neupatienten keine Termine, sondern man soll sich jeden ersten Montag im Monat morgens anstellen – die ersten fünf in der Schlange bekommen einen Termin. Beim ersten Versuch war ich naiv und kam eine halbe Stunde vor der Sprechstunde. Nachdem ich beim dritten Versuch morgens um 4.30 Uhr die 21. in der Warteschlange gewesen war, gab ich auf. Ich lebe in Leipzig, habe monatelang gewartet und dann entnervt in der nächsten Kleinstadt (Markkleeberg) einen Wartelistenplatz genommen. Nach insgesamt »nur« 19 Monaten mit täglich so starken Schmerzen, dass ich mich teilweise kaum bewegen konnte, kam ich endlich dran. Da nehme ich doch jeden Kassentermin nach drei oder vier Monaten mit Kusshand!
Petra Bürgerli, LeipzigMein ganzes Berufsleben lang war ich freiwillig in der gesetzlichen Krankenversicherung und hatte tendenziell höhere Beiträge als meine Altersgenossen in der privaten Krankenversicherung. Und jetzt sollen meine Gesundheit und mein Leben weniger wert sein als bei einem privat Versicherten? Ich löse das Problem immer wie folgt: Ich sehe mir die Termine für beide Versicherungsarten an und buche, bei größeren Differenzen, immer als Privatpatient. Am Empfang musste es schon mal sein, dass ich deutlich sagte, dass ich diese Ungleichbehandlung nicht akzeptiere und die Praxis nicht verlassen werde, ohne behandelt worden zu sein. Letztendlich wurde ich immer
behandelt, und nur einmal hat ein Arzt mein Verhalten leicht moniert.
Klaus-Bernd Voigt, Erkrath (NRW)Als niedergelassener Facharzt für Neurologie und Psychiatrie möchte ich ergänzen: Die Anzahl der Kassenpatienten, deren Behandlung pro Quartal vollständig vergütet wird, ist vonseiten der Kassenärztlichen Vereinigung begrenzt. Diese Höchstgrenze wird zumindest bei mir voll ausgeschöpft. Für jeden Patienten, den ich zusätzlich behandle, bekomme ich lediglich zehn Prozent der normalen Vergütung von 32,47 Euro im Quartal (bei weiteren Untersuchungen wie EEG zusätzliche Vergütung, auch davon dann nur zehn Prozent), also 3,25 Euro für drei Monate Behandlung. Als Inhaber einer Arztpraxis bin ich selbstständiger Unternehmer, muss also für Miete, Geräte, Personal und so weiter selbst aufkommen. Ohne einen Mindestanteil an Privatpatienten kann ich meine Praxis nicht kostendeckend führen. Dies ist sicherlich nicht für alle Ärzte gültig, aber für mich. Ich will mich darüber nicht beschweren, aber es verdeutlicht vielleicht, warum in manchen Fällen die Wartezeiten für gesetzlich versicherte Patienten länger sind.
Tim Strubel, München
Deckmäntelchen »christlich-sozial«
Heft 21/2025 Porträt einer abgeschobenen syrischen Familie
Was für eine herzzerreißende Geschichte! Ich bin immer wieder fassungslos, dass genau solche Menschen wie Familie Hussein abgeschoben werden, die sich gut integriert und die Sprache gelernt haben, die sogar arbeiten und Steuern zahlen. Ein Irrsinn! Neben dem Leid, das diese Praxis bei den Betroffenen verursacht, ist sie auch für unsere Gesellschaft kontraproduktiv: Wir benötigen dringend Arbeitskräfte und schieben diejenigen ab, die arbeiten wollen. Ich erwarte von unseren Politikerinnen und Politikern, dass sie aufhören, kopflos abzuschieben, und stattdessen die Einzelfälle prüfen lassen: Gefährder abschieben, gut. Integrierte fördern und Chancen eröffnen.
Monika Dengler, HamburgHoffentlich löst dieser Bericht handfeste Reaktionen der Politik und anderer gesellschaftlicher Institutionen aus. Bevor bei uns zugewanderte Migranten in andere Staaten abgeschoben werden, ist sicherzustellen, dass die Ab-
geschobenen dort halbwegs vergleichbare Existenzbedingungen und Zukunftschancen haben wie in Deutschland.
Dr. Monika Junker-John, KasselWas soll das? Das ist kein Journalismus, das ist rührselige Propaganda. Statt kritisch darüber zu berichten, wie Spanien mit Migranten umgeht, wird auf die Tränendrüse gedrückt, dass das ach so böse Deutschland diese arme Familie abgeschoben hat. Und dann kommen sie einfach wieder zurück – das nennt sich illegale Migration. Und dürfen womöglich noch bleiben? Die AfD bedankt sich.
Wolfgang Sand, Weidhausen (Bayern)Es ist furchtbar, was Menschen mit Menschen machen – und das auch noch unter dem Deckmäntelchen von »christlich-sozial«. Die CSU bewegt sich zwar leider Gottes derzeit im Mainstream, sollte aber ihren Namen überdenken. Wenn man auf so eine Weise der AfD Stimmen wegnehmen will, ist das einigermaßen widerlich. Vor einer Familie wie der im Artikel beschriebenen braucht mich weder Herr Dobrindt noch sonst irgendwer zu beschützen! Wenn so etwas auch noch rechtmäßig ist, bedarf das Recht dringend einer Überarbeitung.
Michael Danders, BochumDer Beitrag zeigt bewegend, wie chaotisch die Auswirkungen der europäischen Asylgesetzgebung sind, weil sich die meisten EU-Mitgliedstaaten nicht an die gesetzlichen Bestimmungen halten. Oft verschlechtern sie die Lebensbedingungen für Flüchtlinge absichtlich, damit sie in ein Nachbarland ausreisen, das bessere Bedingungen bietet. Dass ausgerechnet Spanien, das sich in anderen Weltgegenden gern als moralischer Schiedsrichter aufspielt, seine Flüchtlinge so schlecht behandelt, ist beschämend. Kinder sind in der ganzen EU vom ersten Tag ihrer Anwesenheit an schulpflichtig, gleichgültig, wie der Schutzstatus ihrer Eltern beschaffen ist. Kindern den Schulbesuch zu verweigern, ist eine Menschenrechtsverletzung.
Rainer Werne, BerlinDass so etwas passiert, 2025, ist eine Schande. Ich schäme mich für das Europa der hehren Worte, die so hohl geworden sind. Ich schäme mich für Deutschland, das vor zehn Jahren ein großes Herz gezeigt hat, aber davon nichts mehr wissen will. Ich schäme mich für eine Regierung, die wie besessen von dem Wort »Abschiebung« ist, für hartherzige Amtsträger, deren Partei sich für christlich hält, allen voran für den Innenminister aus dem allerchristlichsten aller Bundesländer, der sich am lautesten brüstet und dessen Partei in allen Amtsstuben Kruzifixe aufhängen lässt – als Signal, das dort nur Christen etwas zu suchen haben? Das ist ein Missbrauch des Christentums. Zum Glück gibt es noch die vielen anderen, die Jesu Botschaft ernst nehmen für ihr Leben und Handeln. Aber sie haben leider kein Regierungsamt.
Heide Itasse, Ettlingen (Bad.-Württ.)
Die China-Connection des Maximilian Krah
Heft 21/2025 Ermittlungen gegen AfD-Politiker Maximilian Krah
Selbst wenn Herrn Krah de jure wohl ein kriminelles, strafwürdiges Fehlverhalten nicht endgültig nachgewiesen werden kann, so sollte er dennoch für sich die Konsequenz ziehen und seine politischen Mandate zurückgeben.
Volkmar Schneider-Merck, Hamburg
»Duisburg oder Dresden? Ich würde nach Sachsen gehen«
Heft 21/2025 Ein Unternehmer fordert mehr Optimismus für Ostdeutschland
Bravo! Endlich mal jemand, der optimistisch in die Zukunft schaut. Ständiges Jammern hat noch nie etwas zum Guten verändert. Im Gegenteil. Nur zuversichtliche Menschen wie Herr Weber können die Welt verbessern. Also anpacken und weg mit dem Defätismus!
Liane Franke, Püttlingen (Saarl.)
»Die Psyche ist das zentrale Ziel moderner Eroberungspolitik«
Ich hätte gern viel mehr von Herrn Held gehört: jeder Satz wie ein Hammerschlag auf goldene Nägel.
Dr. Michael Groß, Nesselröden (Nieders.)
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