Brutale Kamera
Junior Bonner (USA, Farbe>. Hollywood-Regisseur Sam Peckinpah, ein brillanter Designer so monumentaler wie sinnloser Gewalt-Lichtspieie ("The Wild Bunch -- Sie kannten kein Gesetz«, 1969; »Wer Gewalt sät ... Straw Dogs«, 1971) hat sich mal in ein anderes Genre begeben: Er erzählt die verblüffend friedliche, altmodisch-melancholische Geschichte vom Schlußverkauf des Wilden Westens.
Viel ist nicht mehr übrig von der Tradition, als der alternde Cowboy-Profi »Junior« Bonner (Steve McQueen) zum Rodeo in seine Vaterstadt Prescott (Arizona) kommt, um beim Wildkuhmelken mitzumachen und sich acht Sekunden auf dem Rücken des wildesten Stiers zu halten:
Das Elternhaus wird gerade abgerissen, die Mutter handelt -- Firmenname »Olde West« -- mit Souvenirs, und Bruder Curly verdient als Grundstücksspekulant gerade seine erste Million. Bonner senior, auch ein abgehalfterter Rodeo-Crack, lebt nur noch seinen Erinnerungen und Illusionen. Er will sich zum Goldschürfen nach Australien absetzen.
Da wirkt es recht tragikomisch, daß der Junior beim längst zur Touristen-Belustigung verkommenen Rodeo tatsächlich auf dem Rücken des Stiers eine Tausend-Dollar-Prämie erstreitet: Das Geld reicht gerade für Daddys Australien-Ticket (erster Klasse natürlich) und zu einem keuschen Flirt mit einer rassigen Schönheit.
Doch ganz so willig wollte sich Regisseur Peckinpah dem traurigen Skript nun auch wieder nicht fügen: Anstelle rauchender Colts und blitzender Messer hat er eine brutale Kamera eingesetzt, die den Betrachter mit unmotivierten Zeitraffer-, Zeitlupen- und Zoom-Effekten terrorisiert.