PROTEST Bürger, Bauern und Bastionen
Der »Pastor gegen Castor«, das bunt bemalte Anti-AKW-Kind, rüstige Alte, Jugendliche mit Rasta-Locken, Bauern und ihre Traktoren, brave Bürger am Nudelstand - Porträts des Protests. Seit 20 Jahren wehrt sich eine breite Bürgerkoalition im Wendland dagegen, daß im niedersächsischen Gorleben ein atomares Zwischenlager errichtet wird: 20 Jahre, die eine ehemals politisch rückständige Region mobilisiert haben. Zwei Bildbände dokumentieren jetzt den Widerstand jenseits von Wurfankern, Bahnsabotage und vermummten Autonomen - ein Stück deutscher Protestkultur festgehalten im Foto, heiter, entschlossen und kämpferisch. Der Band »Wir stellen uns quer« der beiden Herausgeber Katja Tempel und Jochen Stay (Verlag Tolstefanz, Jeetzel, 35 Mark) versucht zu zeigen, daß der Kampf gegen die Castor-Transporte auch ein Kampf der Bilder ist. Nachrichten machen vor allem die Aufnahmen von Gewalt. Und die Texte und Fotos in »Unruhiges Hinterland« (herausgegeben von Kirsten Alers und Philip Banse, AJB-Verlag, Lüchow, 32,80 Mark) haben eine klare Aussage: Von Resignation ist im Wendland nichts zu spüren, selbst wenn am 4. März der nächste Castor-Transport anrollt.