Carla Bley, 87 – Nachruf - DER SPIEGEL
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Gestorben Carla Bley, 87

• aus DER SPIEGEL 43/2023
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Alessandro Bosio / picture alliance / Pacific Press

Sie war fast immer da, wo etwas im Jazz passierte. Aufgewachsen in Kalifornien, ihr Vater war Klavierlehrer und Kirchen­organist, entfloh sie ihrem religiösen Elternhaus im Alter von 17 Jahren, um nach New York zu trampen: Sie wollte die Jazzrevolutionäre Miles Davis und Charlie Parker hören. Schon als Kind und Jugendliche hatte sie kleine Musikstücke komponiert, in New York wurde sie zunächst Zigarettenverkäuferin in einem Jazzklub und begann, für einen Musiker zu schreiben, den sie dort kennenlernte und später heiratete: den Pianisten Paul Bley. Dann wurde sie einer der Köpfe der neuen Jazz-Avant­garde. Sie arrangierte Musik für das Liberation Music Orchestra, eine Band, die versuchte, Musik und linke Politik zu verbinden. Sie war Mitbegründerin der Jazz Composers Guild, mit der Jazzmusiker versuchten, sich zu organisieren, und des Jazz Composer’s Orchestra, das daraus entstand. Auch bei den neuen Verbin­dungen in den Rock, die sich in den Siebzigern auftaten, war Bley dabei: Sie nahm Platten mit Jack Bruce auf, dem Bassisten der Band Cream, und komponierte eine Jazzoper. Nicht alle ihre Werke sind gleichermaßen gut gealtert. Tatsächlich nahm Bley ihre schönsten Platten wahrscheinlich in einem Alter auf, in dem andere Musiker sich auf dem ausruhen, was sie erreicht haben: »Fleur Car­ni­vore« etwa, eine wunderbare Konzertaufnahme von 1988. Oder das zarte »Life Goes On«, Jazz, gespielt als Kammermusik. Carla Bley starb am 17. Oktober in Woodstock, New York.

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