Kino in Kürze »Carolina«
. Eben erst hat Shirley MacLaine sich zu ihrem 70. Geburtstag feiern lassen, und nun kann man bewundern, wie sie mit unverwüstlicher Lebenslust einen neuen Film um sich herum zum Tanzen bringen kann: In der Rolle einer stramm gelifteten und kreuzfidelen Oma, die allein drei Enkelinnen aufzupäppeln und mit den Reizen und Tücken der Männerwelt bekannt zu machen hat, latscht sie mit Wonne durch alle Fettnäpfchen bürgerlicher Wohlanständigkeit. Die aus den Niederlanden stammende Regisseurin Marleen Gorris, 55, die zuletzt aufs Terrain betulicher Literaturverfilmungen (Virginia Woolf, Nabokov) geraten war, hat mit »Carolina« wieder eine Welt in den Griff bekommen, in der sich ihr anarchisches Erzähltemperament austoben kann. Nicht nur Shirley MacLaine ist super, auch der Film insgesamt ganz unamerikanisch deftiges Weiberkino.