Cecil Beaton - DER SPIEGEL
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Fotografie Cecil Beaton

• aus DER SPIEGEL 47/1994
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hat als bildhungriger Dandy ein halbes Jahrhundert mit seiner Kamera begleitet. Wenn es je ein Fotograf geschafft hat, berühmt zu werden, indem er berühmte Leute ablichtete, dann dieser Gentleman aus London. Wohl keiner hat ausdauernder an diesem Ruhm gefeilt als der Narziß Beaton, der zu seinem Leidwesen aus einer wenig feinen Kaufmannsfamilie stammte.

Sich stets als charmanter Amateur ausgebend, hat Beaton (1904 bis 1980) seinen eigenen Foto-Olymp mit den Reichen, Adligen, Schicken und Schönen der High-Society-Welt zwischen London und Hollywood bevölkert - mit Marilyn Monroe, Greta Garbo, Marlene Dietrich, Mick Jagger, Andy Warhol und den Angehörigen des britischen Königshauses.

Eine große Monographie, die 265 Aufnahmen des Kamera-Snobs versammelt, erlaubt nun einen Streifzug durch sein Bilderreich der schillernden Inszenierungen*. Beaton, der nebenbei immer wieder Bühnenbilder und Kostüme entwarf, treibt ein irrlichterndes Spiel der Spiegelungen, Verkleidungen und Verwandlungen. In Bildern wie dem Porträt des Modemachers Charles James erscheinen Gesichter doppelt _(* »Cecil Beaton. Photographien 1920 - ) _(1970«. Mit Texten von Philippe Garner ) _(und David Alan Mellor. Schirmer/Mosel ) _(Verlag, München; 320 Seiten; 148 Mark. ) oder dreifach; in anderen teilen sich die Abgebildeten, etwa Marlene Dietrich in einer Aufnahme von 1935, den Bildraum mit einer Skulptur, die ihnen frappierend gleicht. Ironisch jongliert Beaton mit Identitäten, auch mit der Illusion, die Fotografie gewähre Einblicke in die Seele des Menschen.

Mit einer postmodern anmutenden Lust an der Künstlichkeit zitiert er statt dessen ästhetische Konventionen und verfeinert sie bis zur Dekadenz. Manche Modeaufnahmen, etwa »Abendkleider von Charles James« (1948), sind inspiriert von Gemälden vergangener Jahrhunderte. Raum und Zeit sind in einer Scheinwelt der romantischen Imagination aufgehoben.

Wo die Grenze zwischen Wirklichkeit und Fiktion verlief, wußte wohl schließlich nicht einmal Beaton selbst. Es sei ihm gelungen, erkannte er, sein »Leben in einem unwirklichen Raum zu verbringen, der nur aus Spaß und Vergnügen bestand«.

Beatons ehrgeizigster Versuch allerdings, sein Leben mit einem Mythos zu vermählen, scheiterte: Die Heiratsanträge, die er Greta Garbo machte, hat die Göttliche stets abgelehnt. Y

* »Cecil Beaton. Photographien 1920 - 1970«. Mit Texten von PhilippeGarner und David Alan Mellor. Schirmer/Mosel Verlag, München; 320Seiten; 148 Mark.

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