Chronik einer Elf - DER SPIEGEL
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Chronik einer Elf

• aus DER SPIEGEL 13/1973
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Ota Filip: »Die Himmelfahrt des Lojzek Lapácek aus Schlesisch Ostrau«. Deutsch von Josefine Spitzer. S. Fischer; 320 Seiten; 26 Mark.

Septembersonntag 1928. Während die Elf des F. C. Schlesisch Ostrau um Aufstieg in die B-Klasse kämpft. wird der treusorgende Geschäftsführer des Vereins, Bäcker Lapácek, Vater. Sohn Lojzek, der medial begabt ist, sich beispielsweise Tote zum Gespräch kommen lassen kann, wächst im Dunstkreis der Fußballer heran: Er wird, indem er sein Leben zum besten gibt, ihr Chronist. Ein unbefangener Hin-und-Her-Erzähler, dribbelt er tüchtig durch seine Episoden reiche Story und entreißt mit schwejksamer Unschuldsmiene das in den Wechselfällen der Vereins- und Weltgeschichte so idyllische wie haarsträubende Provinzdasein dem wohltätigen Vergessen.

In der Dreiländerecke werden die Tor- und Gemeinheiten des Jahrhunderts von den vorher ziemlich friedlich zusammenlebenden Bevölkerungsgruppen besonders schmerzhaft durchgespielt -- mit tragikomischen Spielzügen. Ballkünstler, Eiertänzer und Konjunkturreiter werden von der nationalistisch-antisemitischen Welle verschaukelt. Lojzeks Papa optiert volksdeutsch. und der Knabe muß auf die deutsche Schule und gegen Kriegsschluß in die deutsche Uniform. Davon läßt er rechtzeitig ab. doch in den kommunistischen Zeiten hat er -- zum Opportunisten erklärt -- unter etablierten Opportunisten wieder nichts zu lachen: Wie sein Autor wird er aus der Partei entfernt.

Ota Filip, 42, der heute als Möbelmonteur in Ostrau lebt, bringt seine Elf in wechselnder Besetzung mit einer Fülle realistischer, bei Bedarf sogar surrealistischer Details gewitzt über die fatalen Jahrzehnte, ohne je in ein historisches Abseits zu geraten.

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