Code des Schreckens - DER SPIEGEL
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Literatur Code des Schreckens

• aus DER SPIEGEL 28/1996
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Als der achtjährige Jamie sein Versteck im Heizungskeller verläßt, entdeckt er, daß seine beiden Spielkameraden ermordet worden sind. Die Täter kamen am hellen Vormittag, und sie haben auch den Säugling im Kinderzimmer nicht verschont. Nur Jamie hat das Massaker im kleinbürgerlich verschlampten Einfamilienhaus in Seattle überlebt; es war eine Hinrichtung von unerbittlicher Beiläufigkeit. Raubmord scheidet aus, und auch sonst ist kein noch so abwegiges Motiv erkennbar.

Die ermittelnde Kriminalbeamtin entdeckt Parallelen zu weiteren geheimnisvollen Morden, verübt in einer zum Verkauf stehenden Villa in Chicago. Doch niemand glaubt ihr.

Michael Dibdins neuer Roman »Insel der Unsterblichkeit« ist ein dokumentarisch kühler Thriller, amerikanisch bis auf die Knochen.

Dabei ist Dibdin, 49, Brite - ein wandlungsfähiger Autor, der seinen Stil verblüffend dem jeweiligen Stoff anpaßt. In Deutschland sind vor allem seine Italo-Krimis mit dem kettenrauchenden römischen Kommissar Aurelio Zen bekannt ("Vendetta«, »Tödliche Lagune").

Vor anderthalb Jahren ist Dibdin nach Seattle an der amerikanischen Westküste gezogen. Seither fasziniert ihn die US-Gesellschaft mit ihren Brüchen und Ungereimtheiten: dem Fortschritt verschworen und zugleich anfällig für bedenkliche Back-tothe-roots-Ideologien.

»Insel der Unsterblichkeit« handelt von einem Sektierer der gefährlichsten Art. Zentrum der Geschehnisse ist eine Insel im Pazifik, auf der ein Vietnam-Veteran namens Sam als selbsternannter Heiliger über eine zusammengewürfelte Freakgemeinde herrscht. Die Jünger müssen scheinbar willkürlich morden, tatsächlich aber nach einem wahnhaft ausgeklügelten Code des Schreckens. Sams Bibel ist ein Gedichtband von William Blake, sein Glaube entspringt dem Genuß von Meskalin - ein wüstes Konglomerat aus halbverdauten Hippielehren und den Dogmen einer gnadenlosen Leistungsgesellschaft.

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