BEATLES Comic strip
Verloren und schwarz stand ein Konzertflügel im Schnee auf einer Salzburger Alpe. Er stand da nicht für eine Aufführung von Schuberts »Winterreise« in entsprechender Umgebung; er diente als Utensil für den zweiten Film mit den Beatles. Titel: »Help!« (deutsch: »Hi-Hi-Hilfe!").
Der Flügel im Schnee ist nicht das einzige ungewöhnliche Requisit. Über die Mauern des Filmstudios im Londoner Vorort Twickenham, wo ein großer Teil des Beatles-Films entstand, ragte eine Zeitlang das Bildnis einer achtarmigen Göttin, das später plötzlich aus dem Meer um die Bahamas auftaucht.
Die exotische Göttin und das unwohltemperierte Klavier waren die ersten Indizien dafür, daß das zweite Lichtspiel mit den vier Singspielern George Harrison, 22, John Winston Lennon, 24, James Paul McCartney, 23, und Ringo Starr (bürgerlich: Richard Starkey), 25, dem ersten nicht allzu ähnlich werden würde.
In Opus eins ("Yeah! Yeah! Yeah!"), einem Film ohne erkennbare Handlung oder dramatische Entwicklung, hatten die Pilzköpfe 36 überdrehte Stunden aus ihrem Alltag vorgeführt. Das Ergebnis wurde gelobt als »großer Film« ("Die Zeit"), als »schieres Vergnügen« ("New York Herald Tribune") und als »einer der gelungensten und lustigsten Filme, die ausschließlich für die Kasse produziert wurden« ("Time").
Trotz Jubel und großem Gewinn - allein in New York spielte der Film binnen sechs Wochen 24 Millionen Mark ein - entschloß sich Regisseur Richard Lester, 33, der sich jüngst in Cannes mit »The Knack« ("Der gewisse Kniff") den Großen Preis verdiente, seinen zweiten Beatles-Film nicht als erfolgsträchtigen Aufguß des ersten zu gestalten.
So wurde das Skript von »Help!« (Lester: »Ein abendfüllender Comic strip") mit einer Handlung ausgestattet, die der Regisseur - vergebens - geheimzuhalten versuchte.
Ein Hoherpriester einer orientalischen Sekte ist zu Beginn des Films dabei, ein nacktes Mädchen den Göttern zu opfern. Er entdeckt jedoch, daß ein heiliger, für die Zeremonie notwendiger Ring fehlt.
Der Ring steckt an einem Beatlefinger. Deshalb bricht eine Hohepriesterin mit ausgesuchten Mördern nach England auf - und die Jagd nach dem Ring beginnt: über die Alpen bis auf die Bahamas.
Die verfolgten Beatles versuchen sich unter anderem als Radfahrer und Skiläufer - bei den Aufnahmen wurden sie von Lehrern der Tauernskischule gedoubelt, die Perücken trugen. Und sie bekommen Kontakt mit wahnsinnigen Wissenschaftlern.
Während der langen Hatz bleibt den Beatles genügend Gelegenheit zur Improvisation wie in »Yeah! Yeah! Yeah!«, wo sie, vom Zeitraffer beschleunigt, auf einer Wiese einen verrückten Squaredance aufführten. Regisseur Lester über den Filmablauf: »Eine Kette melodramatischer Unwahrscheinlichkeiten.«
Von dem Film, der Ende Juli in London uraufgeführt wird, erhoffen sich die vier Popmusiker mehr als finanzielle Bereicherung. Sie wollen dereinst, wenn ihr Quartettgesang kein Geld mehr bringt, hauptberufliche Filmschauspieler werden.
Die dritte Hürde vor diesem Ziel werden sie bald nehmen: Im nächsten Film unter dem Titel »Talent for Loving« ("Talent zur Liebe") sollen die Beatles statt mit Klavier und Achtarmgöttin mit Kavallerie und Kühen im Wilden Westen zu sehen sein.