Computermystik - DER SPIEGEL
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MUSIKTHEATER Computermystik

• aus DER SPIEGEL 22/1998
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Der Schritt in die Zukunft begann mit einer Erinnerung an die Vergangenheit: Um das angekündigte »Theater des 21. Jahrhunderts« und überdies die erste »digitale Oper in 3D« angemessen würdigen zu können, verpaßten die Produzenten Robert Wilson (Inszenierung) und Philip Glass (Musik) den Londoner Zuschauern ihres neuesten Werkes »Monsters of Grace« jene bunten Pappbrillen, die an Kino-Experimente der fünfziger Jahre gemahnten. Die Sehhilfen waren notwendig für 7 der 13 Szenen, die im Computer entstandene Cyber-Welten zeigten: Mal streichelt eine körperlose Hand einen schlafenden Eisbären, mal wird die Hand von einem Skalpell zerschnitten. Die reduzierte Wirklichkeit der digitalen Phantasie paßte ausgezeichnet zu den kargen Klängen, mit denen Glass gewohnt obskur Texte des persischen Mystikers und Derwisches Dschalal el-Din Rumi aus dem 13. Jahrhundert vertonte. Die restlichen sechs Szenen des 70-Minuten-Werkes hatte der Meister auf kahler Bühne inszeniert und zu Recht behauptet: »Wer versucht, das zu verstehen, wird nur verwirrt.« Sie zeigen eine Wilson-Werkschau, bekannt aus vielen Aufführungen: eine Frau, die ein unendlich langes Gewand über die Bühne zieht, einen Mann mit Zylinder auf Stelzen - alles wie üblich in langsamster Bewegung und exquisitester Beleuchtung. Im Sommer ist das merkwürdige Werk auch in deutschen Städten zu sehen.

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