Am Rande Da bist du platt
Selbst Kolumbus hat nichts gemerkt. Fremdartig sahen sie aus, die Indios, die der weit gereiste Genueser traf; herb klangen die Laute ihrer Sprache. Aber wie sollten Spaniens Entdecker auch ahnen, dass ein kleiner Abstecher ins nördliche Europa sie hellhörig hätte machen können für das Idiom der angeblichen Wilden? Am Strand der Ostsee, im Morast nahe Kiel oder Eckernförde hätten sie sich umhören sollen. Dort, in Borgstedt, lebt ein pensionierter Realschulrektor, der jetzt mit einer Enthüllung aufwartet, gegen die alle schwarzen Kassen der CDU sich wie welthistorische Peanuts ausnehmen: Was die Maya-Oberen sprachen, war nichts anderes als eine Vorstufe des Angeliter Platt, verkündet Spurensucher Joachim Rittstieg in seinem Opus Magnum »ABC der Maya«. Auf langen Listen von »Zottel« (Wischtuch) über »Tenochtl« (Bär) bis »matschig« hat er Parallelen zwischen den Sprachen zusammengestellt - und zieht sogleich mutige Schlüsse: Lange vor den goldgierigen Spaniern, nämlich schon am 15. August 754, seien seetüchtige Westgermanen auf sechs Schiffen in Mittelamerika eingetroffen. Dort gründeten sie und ihr Anführer Max Kukulcan (auf Aztekisch Quetzalcoatl) flugs ein Reich und machten ihre Sprache zum Elitedialekt, der Priester-Kandidaten abgeprüft wurde. Später reiste dann mindestens einer der Maya-Fürsten auch in umgekehrter Richtung: Nahe der Handelsstadt Hedeby, der heutigen Grabungsstätte Haithabu bei Schleswig, fiel er im Kampf gegen norwegische Konkurrenten und bekam prompt einen Runen-Gedenkstein für seine Heldentaten gesetzt. Spinnerei? Nicht für Herrn Rittstieg. Der weiß schließlich schon seit langem, dass sich auch die legendäre Stadt Atlantis auf der Halbinsel Yucatán findet. Und wenn er demnächst mal weiter südlich Urlaub macht, wird er sicher nicht ruhen, bis er nachweisen kann, dass die Wikinger ihre verbalen Spuren dort ebenfalls hinterlassen haben. Am Titicaca-See etwa müssen es die Nordmänner besonders toll getrieben haben.