Dada-Kunst einer Frühverstorbenen
Als die junge Frau an Tbc erkrankte, ergriff ihr Mann die Flucht. Der Kölner Künstler Heinrich Hoerle (1895 bis 1936), der später der gleichen Krankheit erlag, sah die Gefährtin bis zu ihrem Tod, 1923 mit 23 Jahren, nicht wieder. Daß auch sie, Angelika Hoerle, künstlerisch produktiv gewesen war, blieb ein nur dürftig belegtes Hörensagen. Erst jetzt holt eine Hoerle-Ausstellung des Kölnischen Kunstvereins auch diese Information nach. Bei vorbereitenden Recherchen nämlich ist in Kanada ein erstaunliches Nachlaß-Konvolut aufgetaucht, das ein Bruder der Künstlerin in die Emigration mitgenommen hatte und das Arbeiten von Heinrich wie von Angelika enthielt: graziöse dadaistische, fast schon surrealistische Zeichnungen, die vielen recht schematischen Figuren-Konstruktionen des Künstler-Gemahls an Witz und Inspiration überlegen sind.