Dämon im Delta
Lieutenant Dave Robicheaux kämpft einen Vielfrontenkrieg, der eigentlich nicht zu gewinnen ist. Örtliche Mafiosi setzen ihm zu, und nicaraguanische Waffenhändler, die als Folterspezialisten unter Somoza gedient haben, sowie ein amerikanischer Ex-General und seine politisch einflußreichen Freunde. Gefährlicher aber sind die anderen Gegner: die Vietnam-Traumata etwa, die ihn nachts auf seinem Hausboot wachhalten, im dumpf-feuchten Mississippi-Delta von New Orleans, wo es schwül ist wie im Dschungel von Indochina. Dann sind sie wieder da, die brennenden Bambushütten und schrappenden Rotorblätter von Militärhubschraubern und die Hilferufe von Kameraden, denen er nicht helfen konnte. Sein heimtückischster Feind aber ist die Flasche - vier Jahre lang war er trocken, doch jetzt schlägt dieser dämonische Gegner wieder zu und scheint ihn fest im Griff zu haben.
Mit »Neonregen« ist James Lee Burke ein Meisterwerk der Spannungsliteratur geglückt. Der Südstaatler, der auf den Ölfeldern arbeitete, bevor er zu schreiben begann, kennt das Milieu seines lädierten Helden, kennt das Delta, in dem die Gewitter nur kurz die Hitze vertreiben, die Cajunkneipen und Billardsaloons und die Blueskeller, in die sein zerrissener Held sich verkriecht wie ein Krebs in den warmen Sand. Dann stellt er sich die großen Fragen. Etwa, warum nur Schwarze den Tod angemessen und realistisch behandelten. »Wenn Billie Holiday, Blind Lemon Jefferson oder Leadbelly vom Tod sangen, dann hörte man, wie der Gefängnisaufseher sein Gewehr entsicherte . . . roch die frische Holzkiste, die in die gleiche Mississippi-Erde hinuntergelassen wurde, gegen die ein armer Farmer sein ganzes Leben lang angearbeitet hatte.«
Nichts in »Neonregen« ist so, wie es scheint. Die Konturen zwischen Wahn und Wirklichkeit verfließen, und auf seinen Partner kann sich Robicheaux ebensowenig verlassen wie auf seine eigenen Reflexe. Die Verantwortlichkeiten des Komplotts, in das er hineingerät, verlieren sich wie Fußabdrücke im Sumpf - am Ende sind es nur ein paar der auffälligsten Irren, die auf der Strecke bleiben. Und, auf eine ganz andere Art, Lieutenant Dave Robicheaux.