Dämonen raus - DER SPIEGEL
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HOLLYWOOD Dämonen raus

Mit einem prallen Action-Film um einen Archäologen will »Hai«-Regisseur Steven Spielberg seinen Millionen-Erfolg wiederholen.
• aus DER SPIEGEL 26/1981
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An den Wänden wuchert glitschig Moos, im Luftzug wabern Lianen und Spinnweben, aus dunklen Ecken zischen Pfeile, giftige natürlich, und per Luftangriff drohen Taranteln dem Eindringling den Garaus zu machen. Doch Indiana Jones, Archäologieprofessor, S.176 trotzt allen diesen Gefahren, und, die Schatzkiste fest im Arm, entgeht er auch noch einem gewaltigen Felsblock, der dröhnend die Höhlenschneise hinunterpoltert.

Diese Szene, die jedem herkömmlichen Abenteuerfilm zum grandiosen Finale verholfen hätte, ist dem neuen amerikanischen Lichtspiel »Raiders of the Lost Ark« gerade als Einstieg in die Fabel gut genug. Denn das 115-Minuten-Spektakel, das Ende Oktober mit dem deutschen Titel »Jäger des verlorenen Schatzes« in die deutschen Kinos kommen soll, enthält in bislang unübertroffen exakt auskalkulierter Manier alles, was im Hollywood-Selbstverständnis Pulse höher schlagen und Augen weiten läßt: Düstere Katakomben mit insgesamt 6000 Pythons, Kobras und Boas, ein Kidnapping per U-Boot, sadistische Nazis, einen Affen, der zum Verräter wird, etliche säbelschwingende Araber sowie eine trinkfeste Lady, die Kinnhaken austeilt (Karen Allen).

Solch bunte Besetzung kann nur eine allen Ansprüchen Hollywoods genügende Story bieten, und die geht so: In den dreißiger Jahren erhält besagter Archäologe Jones den Auftrag, die alttestamentliche Bundeslade zu suchen, in die Mose nach dem Abstieg vom Berg die Tafeln mit den Zehn Geboten deponierte. Die Kiste macht jede Armee, die sie mit sich führt, unbesiegbar -- und siehe, schon sind auch böse Nazis mit von der Jagdpartie und im Drehbuch.

Die Formel zieht. Seit die Laden-Jäger in 1078 amerikanischen Kinos auf Pirsch gegangen sind, fragte sich das Nachrichtenmagazin »Time« nur noch, wie nahe die Schatzsuche denn wohl an die Kassenschlager »Krieg der Sterne« und »Der weiße Hai« heranreichen wird. Vor zwei Wochen meldeten die »Jäger«-Kinos einen Kassenumsatz von acht Millionen Dollar.

Gelungen ist der Leinwand-Coup dem Duo George Lucas (Produzent) und Steven Spielberg (Regisseur) -- ein Traumpaar, das mit Kassenhits so seine Erfahrung hat: Beim »Weißen Hai« führte Spielberg, beim »Krieg der Sterne« Lucas Regie.

Mit dem prallen 20-Millionen-Dollar-Projekt visieren die beiden etwas an, was Hollywood bisher noch gefehlt hat: eine »Vorschau auf das Ende der Welt« (Lucas) nämlich, wenn auch im Comic-Stil. Denn weil auch Übersinnliches seine Kassen-Reize hat, endet die Saga mit dem Archäologieprofessor (Harrison Ford, im »Krieg der Sterne« noch Sphären-Siegfried) mit einer Art Apokalypse. Als nach der Jagd über die Kontinente (Drehorte: Tunesien, Hawaii, Frankreich und London) die Nazis im Finale die Bundeslade aufbrechen, entweichen die Dämonen, die den Inhalt bewachen, aus dem Behältnis und verschaffen Spielbergs Trickfilmkunst den großen Höhepunkt.

Den handwerklichen Perfektionismus verdankt der Film, der mit 73 statt ursprünglich veranschlagten 85 Drehtagen auskam, Spielbergs Technik, die geplanten Szenen zunächst als Comic strip zeichnen zu lassen. Bei den »Raiders«, schätzt Spielberg, entstanden 80 Prozent der Einstellungen auf dem Zeichenblock.

Und weil er nicht danach strebte, »ein Meisterwerk zu erstellen« (Spielberg), kam der Regisseur, der bei seinem »1941« jede Szene noch im Schnitt 20mal drehte, mit durchweg vier Wiederholungen aus.

Nur einmal brach der Regie-Perfektionist dann doch durch. Weil ihm für die Höhlenszene 1500 lebende Schlangen nicht genügten, ließ Spielberg zusätzlich 4500 Boas und Pythons einfliegen. Die Szene erforderte schließlich sogar zehn Tage Dreharbeit -- eine zusätzliche Verzögerung mitgerechnet, als jemand entdeckte, daß das Serum gegen Schlangengift sein Verfallsdatum schon um zwei Jahre überschritten hatte und sich nur in Indien frisches Serum in genügender Menge auftreiben ließ.

Fürs kommende Jahrzehnt kündigte, angesichts des Kassenerfolges der »Jäger«, Regisseur Lucas wenigstens zwei weitere Filme mit dem Archäologen Jones an.

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