Das abgeschobene Mädchen - DER SPIEGEL
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LITERATUR Das abgeschobene Mädchen

• aus DER SPIEGEL 13/2003
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In den Kinderbüchern von Paula Fox stehen meist Einzelkämpfer im Mittelpunkt, die erst lernen müssen, Kontakt zu Erwachsenen aufzunehmen. In ihrer nun auf Deutsch vorliegenden Autobiografie lässt sich nachlesen, weshalb die heute fast 80-jährige Autorin solche Helden der Vereinsamung erschuf: Sie näherte sich ihrer eigenen Geschichte. Doch die Beschäftigung mit ihrer Kindheit muss für Paula Fox kaum zu ertragen gewesen sein: Ihr Erwachsenwerden erlebte sie als eine Serie von Abschiebungen. Die Eltern, eine kubanische Schauspielerin und ein anglo-irischer Drehbuchautor, brachten die neugeborene Tochter ins Findelhaus - er widerstrebend, sie »nicht zu bändigen in ihrer Hast, mich loszuwerden«. Für Fox war das der Beginn einer jahrelangen Odyssee auf der Suche nach Geborgenheit. Bei wem und wo immer sie ihre Jugend verbrachte, ob in New York, Kuba oder Montreal, nirgendwo blieb sie lange genug, um ein Heimatgefühl zu entwickeln. So eroberte sie sich schon früh eine Parallelwelt: Worüber er predigen solle, fragte sie einmal ein Pfarrer, bei dem sie ihre ersten Jahre verbrachte. Die etwa Fünfjährige antwortete: über einen Wasserfall. Und als es in der Predigt dann tatsächlich um einen Wasserfall ging, erlebte das Kind mit »verdutzter Freude«, dass ein »in allem Ernst gesprochenes Wort eine geheimnisvolle Kraft enthielt« - eine frühe Lehrstunde für die spätere Literatin. Den Grund, weshalb sie dieses Buch schrieb, enthüllt Fox im letzten Kapitel. Wie ihre Mutter bekam auch sie mit Anfang zwanzig eine Tochter, fühlte sich der Aufgabe nicht gewachsen, gab ihr Kind zur Adoption frei - und litt lange unter dieser Entscheidung. Im Unterschied zur unrettbaren Beziehung zur eigenen Mutter, der sie verzieh, endete diesmal die Geschichte glücklicher: Jahrzehnte später wurde Paula Fox von ihrer Tochter Linda aufgespürt und erlebte sie als »die erste mit mir verwandte Frau, mit der ich unbefangen sprechen konnte«.

Paula Fox: »In fremden Kleidern - Geschichte einer Jugend«. Ausdem Englischen von Susanne Röckel. Verlag C. H. Beck, München; 288Seiten; 19,90 Euro.

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