VIDEOKUNST Das bewegte Bild
Vor den Augen der Museumsbesucher wird »Die Nachtwache«, das berühmte Bild des Niederländers Rembrandt van Rijn, zum Leben erweckt. Die Projektionen eines Videobeamers lassen einen Hund aus dem Dunkel auftauchen, ein Schuss kracht durch die Finsternis, dann fließt Blut über das Kopfsteinpflaster, und Amsterdams Häuser gehen in Flammen auf. Verantwortlich für den digitalen Mummenschanz ist der britische Filmemacher Peter Greenaway, der im 400. Geburtsjahr des niederländischen Malers auf diese Weise eine Verschwörungsgeschichte erzählt. Die Bürgerschützen aus der »Nachtwache« verwandeln sich in eine intrigante Meute, die ein Mordkomplott ersonnen hat. In Wahrheit habe, so Greenaway, Rembrandt nämlich die Erschießung eines reichen Bürgers der Stadt dargestellt, die Täter verraten und obendrein noch allerlei Sündhaftes aus dem Leben der Patrizier aufgedeckt: Liebschaften, Prostitution - und das sogar mit Waisenkindern. Kunsthistoriker dürften über dieses wilde Fabulieren nur den Kopf schütteln. Greenaway aber ist sich der »Blasphemie« seiner Inszenierung vollkommen bewusst. »Mir geht es vor allem darum, dass die Leute wieder genauer auf das Bild schauen und die Geschichten lesen, die darin erzählt werden«, rechtfertigt der Regisseur seine Installation, die noch bis zum 6. August im Amsterdamer Rijksmuseum zu sehen ist.