Das Ding - DER SPIEGEL
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ZENSUR Das Ding

• aus DER SPIEGEL 48/1965
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Acht Monate lang weigerte sich der

Düsseldorfer Wilhelm-Schneider Filmvertrieb, das Fremdwort Präservativ durch das Dingwort »das Ding« zu ersetzen. Am 29. September gab die Freiwillige Selbstkontrolle. (FSK) nach: Ihr Rechtsausschuß entschied, das Ding dürfe (ab 18) beim Namen genannt werden.

Ungebrochen in seiner Sprachkraft lief am Freitag voriger Woche in der Bundesrepublik der dänische Film »Straße ohne Ende« an. Lobte der katholische »Film-Dienst": »Unter den zahllosen Dirnenfilmen der erste und einzige, der das Thema nicht romantisiert.«

Das Milieu ist echt - die Dirnen sind es auch. 1962 ließ der dänische Fernseh -Regisseur und Spielfilm-Debütant Mogens Vemmer, damals 25, dänische Dirnen Lebensweg und Berufserlebnisse auf Band sprechen. Daraus kompilierte er ein Drehbuch. Inhalt: die beruflichen Werde- und Werbegänge von vier Kopenhagener Straßen-Streicherinnen.

»Mit dem Manuskript in der Hand besuchte ich die Dirnen«, sagte Vemmer, »und alle wollten am Film mitwirken.«

Im Frühjahr 1963 drehte Vemmer am Original-Schauflatz (Kopenhagen) mit Original-Dirnen und Original-Slang. Rühmte die Kopenhagener »Berlingske Tidende« nach der Premiere der »Straße ohne Ende": »Man ist erschüttert. Denn der Film ist wahr, so wahr ...«

Doch im Gegensatz zur dänischen-Zensur wollte die deutsche Filmselbstkontrolle von Wahrheit nichts wissen. Außer zahlreichen Textveränderungen ("Schutzmittel« statt »Gummiüberzüge«, »Slips« statt »Schlüpfer« und »Huren sind die, die so tun, als wenn's Liebe wäre, bloß für Geld« statt »Huren sind die, die dasselbe tun, wenn man Kinder macht, bloß für Geld") verlangten die Selbstkontrolleure den Schnitt eines dezent gefilmten Dirnen-Debüts (im Bild: halbbekleidete Oberkörper). Forderte die FSK: »Es ist eine Kürzung dieser Szene vorzunehmen, um zu verhindern, daß hier der Vorgang des körperlichen Zusammenseins von Mann und Frau deutlich wird.«

Horst von Hartlieb, Rechtsanwalt des Wilhelm-Schneider Filmvertriebs, klärte die Filmprüfer auf: »Der Sexualverkehr ist die Grundlage jeder Prostitution.« Der Film läuft unverändert.

Kopenhagener Dirnen in »Straße ohne Ende": »Wahr, so wahr«

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