»Das Publikum ist überfordert« - DER SPIEGEL
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Musical »Das Publikum ist überfordert«

• aus DER SPIEGEL 20/1996
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

SPIEGEL: Nach nur 13 Monaten Spielzeit soll am 2. Juni der letzte Vorhang für »Tommy« fallen. Geht der Musical-Boom in Deutschland zu Ende?

Schäfer: Zweifellos. Es gibt einfach zu viele Stücke, und beim Publikum sitzt die Mark nicht mehr so locker. Das werden auch Großunternehmer wie Lloyd Webber zu spüren bekommen.

SPIEGEL: Warum gibt »Tommy« auf?

Schäfer: Marketing- und Preisprobleme. Wir haben versäumt, attraktive Erlebnis-Pakete zu schnüren, also zum Beispiel: abends in die Show, tagsüber eine Schiffstour nach Rüdesheim. Vielleicht hätte man Bustouristen aus Tauberbischofsheim sogar mit einer Besichtigung des Frankfurter Airports locken können. Ein größeres Handicap aber waren wohl die hohen Preise. Wir haben, bei im Schnitt 100 Mark pro Karte, das Haus nur knapp halbvoll gekriegt.

SPIEGEL: Ist das Stück sein Geld nicht wert?

Schäfer: O doch. Aber ich hatte manchmal das Gefühl, das Publikum sei mit dem rasanten Inszenierungstempo überfordert. Es blieb ja kaum Zeit für Szenenapplaus. Aber am Regiekonzept durfte nichts geändert werden, der Komponist Pete Townshend hätte sich entleibt.

SPIEGEL: Wird der Rock-Bube Tommy nun still zu Grabe getragen?

Schäfer: Wir erleben gerade einen Run auf die Karten und sind mit den Preisen runtergegangen. Bei durchschnittlich 80 Mark und einer Platzausnutzung von 65 Prozent sind wir im Geld, dann spielen wir auch noch ein paar Wochen länger.

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