Das Spiel mit der Scham - DER SPIEGEL
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Das Spiel mit der Scham

• aus DER SPIEGEL 23/1990
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Thomä, 30, lebt als Philosoph in Berlin-Kreuzberg. Soeben erschien von ihm ein umfangreiches Heidegger-Buch*.

Der Professor hatte Sehnsucht. »Wenn Sie Lust und Möglichkeit haben, kommen Sie, bitte, recht bald«, schrieb er, »meine Frau ist verreist«, und »ich stelle mir vor, daß wir zusammen leben«. Einen »Schein (1000,- Mk) für die Reise« legte er bei, und so stand dem Rendezvous nichts mehr im Wege.

Martin Heidegger fuhr zu Karl Jaspers nach Heidelberg und verlebte mit ihm - es war im November 1922 - eine Woche, in der »ein Tag ungekünstelt in den anderen hineinwuchs«.

Die Beziehung zwischen beiden Philosophen beginnt - so erfährt man jetzt aus ihren Briefen - wie eine Liebesgeschichte**. »Ich lebe mit Ihnen«, so erklärte Heidegger feierlich, »aus der Voraussetzung, daß Sie mein Freund sind. Das ist der alles tragende Glaube in der Liebe.« Bei Jaspers beklagte er sich, offensichtlich unerfüllt vom Leben »mit Frau und Kindern": »Ich lebe einsam« und erklärte, »als Mann - der doch jedenfalls zu kämpfen bemüht ist, ist die Freundschaft die höchste Möglichkeit, die ein anderer schenken kann«.

Auch Jaspers knüpfte große »Zukunftshoffnungen« an ihr »Zusammenleben«, und noch im Alter gestand er, »in Augenblicken« sei ihm »die Neigung« zu Heidegger »zum Enthusiasmus geworden«.

Niemals zuvor in der deutschen Geschichte sind sich wohl zwei Philosophen so nahegekommen wie Heidegger und Jaspers Anfang der zwanziger Jahre - abgesehen vielleicht von der revolutionären Zelle Hegel-Schelling-Hölderlin einst im Tübinger Stift. Jaspers, der Ex-Psychologe, unorthodox, von den Fachkollegen isoliert, statt der System- der Lebensbildung zugewandt, und Heidegger, der Mesnersohn, der der Schulphilosophie, wie er einmal schrieb, »die Hölle heiß« machen woll** Martin Heidegger/Karl Jaspers: »Briefwechsel 1920-1963«. Herausgegeben von Walter Biemel und Hans Saner. Klostermann/Piper, Frankfurt/München; 294 Seiten; 38 Mark. * Dieter Thomä: »Die Zeit des Selbst und die Zeit danach. Zur Kritik der Textgeschichte Martin Heideggers 1910-1976«. Suhrkamp Verlag, Frankfurt; 968 Seiten; 98 Mark. te, hatten sich zwar nicht gesucht, aber gefunden.

Doch schon früh schrieb Jaspers, als wollte er sich selber ernüchtern, von einer »Gemeinschaft in nicht formulierten Ursprüngen«, von der »noch halbblinden Orientierung«, in der »wir beide selbst noch nicht wissen, was wir wollen. Was mag noch daraus werden!«

Bald sollte sich in ihrer Beziehung ein Riß auftun, der sie unwiderruflich und lebenslang trennen würde.

In der Nazizeit läßt sich der eine, Heidegger, zum ersten NS-Rektor der Freiburger Universität wählen, der andere erhält 1937 Lehrverbot; nach 1945 steigt dann Jaspers vom späten Basler Exil aus zur moralischen Instanz der jungen Bundesrepublik auf, und Heidegger ist es, der - sechs Jahre lang - nicht lehren darf.

Nichtsdestoweniger kehrt dieser bald - und auf unabsehbare Zeit - zurück ins philosophische Tagesgespräch, aus dem allerdings Jaspers noch vor seinem Tode 1969 verschwindet. Die beiden philosophischen Übergrößen, bei denen sich Deutschland nie schlüssig war, ob es sie zu Außenseitern oder Leitfiguren erklären sollte, durchlaufen exemplarisch für die Zeitgeschichte einen Zickzackkurs genau im Gegensinn zueinander.

Was für Briefe lassen sich da noch schreiben?

Heidegger und Jaspers führen ihren Briefwechsel als eine Mischung aus Geistergespräch und Psychodrama. Er ist, bei allen im Wiederholungszwang abgelegten Bekenntnissen zum »wesentlichen« Denken, vor allem ein Rollenspiel unter Männern. Heidegger und Jaspers treten gegeneinander an: erst als der Kämpfer und der Friedfertige, dann als Führer und als Adliger, schließlich als der Schuldige und der Ankläger.

Der »Impuls zu einer großen Gesamtabrechnung« in der Philosophie - das ist ihr Minimalkonsens Anfang der zwanziger Jahre. Daß Heidegger sogleich ihre Beziehung zur »Kampfgemeinschaft« stilisiert - das wird ihr erster Streitpunkt. Jaspers setzt das Wort, als wollte er es nur mit spitzen Fingern anfassen, in Anführungszeichen und zieht »Vertrauen«, »Milde und Gelassenheit« im Umgang vor. Heidegger sieht seine Arbeit »auf den Kampf gestellt«, nach dem Ersten Weltkrieg beginnt für ihn ein Krieg der Gedanken.

Als 1932 Jaspers' Hauptwerk, die »Philosophie«, erscheint, lobt er die »klare und entschiedene Haltung des Siegers« - wieder ein Wort, das dem, dem es zugedacht ist, gar nicht behagt. Er fühle sich nicht wohl in dieser Rolle, schreibt Jaspers zurück, ihm gehe es nicht um »Polemik«, sondern um »kommunikative Kritik«.

»Kommunikation« - das wird immer mehr zu Jaspers' Leitwort. Und doch macht er sich später den Vorwurf, auf Heidegger, vor allem auf dessen Hauptwerk »Sein und Zeit« von 1927, nicht genügend eingegangen zu sein. Überhaupt ist verblüffend, wie wenig beide, Jaspers wie Heidegger, zeitlebens philosophisch voneinander Notiz nehmen. Peinlich oft wiederholen sich Absichtserklärungen, sich »irgendwann zu äußern«, einen Text »noch heute abend vorzunehmen« (Heidegger), und Entschuldigungen, »heute noch nichts sagen« zu können, bislang »in das Buch nur flüchtig hineingesehen« zu haben (Jaspers).

Der »Kommunikation«, die Jaspers gleichwohl ständig, und bald schon wie ein unglücklich Verliebter, sucht, scheint Heidegger freilich bald nicht mehr zu bedürfen. Als »Sein und Zeit« herauskommt, genügen ihm Jaspers' »Eindruck und instinktmäßige Zustimmung«. Denn »mehr wird mir die Arbeit überhaupt nicht einbringen, als was ich schon von ihr besitze: daß ich für mich selbst ins Freie gekommen bin«. Nun, da er in seinem philosophischen Kampf gesiegt hat, wird ihm auch der alte Freund weniger wichtig, setzt er sich höhere Ziele.

»Ich verstecke mich nicht mehr. Es hat irgendwo einen Ruck gegeben«, schreibt Heidegger 1928, sucht den »Angriff auf das Ganze«. Dabei nimmt er auch - ganz gegen seine Art - »in Kauf, daß man ins Gerede kommt«. Wenn er Jaspers empfiehlt, er solle sich nun, nach der Veröffentlichung der »Philosophie«, »bereit machen zu dem zweiten entscheidenden Gang des ,wissenden' Führers und Wächters in die echte Öffentlichkeit«, so spricht er darin eher die eigenen Absichten aus, die sich 1933 konkretisieren. Der Kämpfer wird zum Führer, genauer: zum »Führer Rektor« der Freiburger Universität.

Zehn Jahre zuvor hatte er an Jaspers geschrieben: »Es ist schon tiefe Nacht - der Sturm fegt über die Höhen, in der Hütte knarren die Balken, das Leben liegt einfach, rein und groß vor der Seele . . . Zuweilen begreife ich nicht, daß man da unten so merkwürdige Rollen spielen kann.« Nun spielte er selber so eine Rolle und ließ zu allem Überfluß keinen Zweifel daran, daß sich sein »tägliches Handeln« als Rektor aus seinem Denken »nähre«.

Für Jaspers, der schon früh gemeinsam mit Heidegger die Philosophie an das »faktische Leben«, die »Existenz«, gekoppelt hatte, war die Einsicht unumgänglich, daß Heideggers NS-Engagement eine Konsequenz gerade auch von dessen Denken war. Dennoch war der Traum von der Männerfreundschaft für den harmoniebedürftigen Jaspers 1933 noch nicht ausgeträumt. Er selber hat später offen dargestellt, daß auch er - obgleich durch seine jüdische Ehefrau sensibilisiert - die Gefahren des Nationalsozialismus anfangs unterschätzt habe.

Schon vor 1933 hatte Jaspers mit Heidegger den »Plan einer aristokratischen Universität« besprochen, und als wollte er das gelehrte Gespräch, das er mit Heidegger zeitweise gepflegt hatte, zum gesellschaftlichen Pflichtprogramm erheben, entwickelte er in seiner berühmten Schrift zur »geistigen Situation der Zeit« 1931 das Ideal eines neuen - philosophischen - »Adels« als Gegenstück zum Massenmenschen.

Für dessen »Problem«, nämlich »die Rettung der Wirksamkeit der Besten, welche die Wenigsten sind«, sah er anfangs auch im Elite-Denken der Nazis noch positive Ansätze.

1933 verfaßte er »Thesen zur Frage der Hochschulerneuerung«, eine Art adliges Pendant zu Heideggers Rektoratsrede. Freilich: Jene Schrift war aus Nazi-Sicht immer noch viel zu demokratisch, und Jaspers war vorsichtig genug, sie zwar Heidegger als Gesprächsgrundlage anzubieten, aber nie offiziell einzubringen. Sein guter Wille reichte aber aus, um Heideggers Rektoratsrede brieflich als »bisher einziges Dokument eines gegenwärtigen akademischen Willens, das bleiben wird«, zu loben, auch wenn ihn schon der »hohle Klang« von manch »Zeitgemäßem« störte.

Jaspers meinte - wie damals viele Intellektuelle -, dem Nationalsozialismus kraft des bloßen »Geistes« beikommen zu können; dagegen suchte Heidegger - auf andere Weise zeittypisch - die Bodenhaftung in der politischen Bewegung und deren »erd- und bluthaften Kräften": »Der Einzelne, wo er auch stehe, gilt nichts. Das Schicksal unseres Volkes in seinem Staat gilt alles.«

Doch statt des geplanten zweiten »Sieges« nach »Sein und Zeit« beschert ihm das Rektorat seine erste Niederlage. Nach seinem Rücktritt 1934 gesteht Heidegger Jaspers »das Mißlingen des Rektorats« und versucht, das Geistergespräch wiederzubeleben. Im Mai 1936 lobt er hymnisch Jaspers' neues Nietzsche-Buch und schreibt, nun, da alles Wichtige gesagt sei, könne er auf die eigene geplante Nietzsche-Vorlesung verzichten.

Freilich wird er sie dann doch halten und gleich einleitend sagen: »Weil Jaspers im innersten Grund das philosophische Wissen nicht mehr ernst nimmt, gibt es kein wirkliches Fragen mehr. Philosophie wird zur moralisierenden Psychologie der Existenz des Menschen. Das ist eine Haltung, der es trotz allen Aufwands verwehrt bleiben muß, jemals in die Philosophie Nietzsches fragend und auseinandersetzend einzudringen.« (Einen Hinweis auf diese Stelle gibt übrigens nicht, wie es sich gehört hätte, der für Heidegger zuständige Herausgeber Biemel, sondern sein Jaspers-Gegenpart Hans Saner.)

Auch ohne diese Scheinheiligkeit Heideggers zu kennen, läßt Jaspers - inzwischen ernüchtert und verbittert über dessen politisches Verhalten - seine »Seele« schweigen.

Das Psychodrama hat Pause, der Briefwechsel bleibt 1936 bis 1949 unterbrochen. Doch schon vorher, 1945, treffen sich Heidegger und Jaspers in ihren neuen, letzten Rollen wieder. Jener, der Kämpfer und Führer von einst, wird nach der Niederlage Nazi-Deutschlands zum Schuldigen und gerät in ein universitäres Bereinigungsverfahren. Gutachter - und damit letztlich Ankläger - ist, auf Heideggers eigenen Wunsch, kein anderer als Jaspers. Dessen Votum - kurz gefaßt: »Laßt ihn in Ruhe denken, aber erst einmal nicht lehren« - wird zur Richtlinie der Behörden. Heidegger erleidet einen Nervenzusammenbruch.

Mehr als drei Jahre später, 1949, nachdem Jaspers seine Hoffnung auf eine von Heidegger »ausgehende, rückhaltslose Aussprache« aufgegeben hat, sucht er dann den direkten Weg. Mag auch »Dunkelheit, wenn nicht Außerordentliches zwischen uns geschehen sollte, eine Voraussetzung bleiben«, könne doch, so schreibt er, »im Philosophieren und vielleicht auch im Privaten zwischen uns ein Wort von einem zum andern gehen«.

Jaspers erhofft sich von Heidegger zweierlei, politische Trauerarbeit und philosophisches Gedankenspiel. Heideggers Antwort aber ist einseitig: Er läßt Jaspers politisch ins Abseits laufen - und nimmt ihm philosophisch den Ball ab. Zur Vergangenheit schweigt er, und doch bleibt Jaspers zögernd in der Kritik, weil er erneut, und stärker als je zuvor, »gefesselt« wird von Heideggers Philosophie, darin einen »Zauber«, eine »magische Wirkung« verspürt.

Jaspers bleibt sein Leben lang unentschieden, ob er sich »zunächst als ein Mensch von heute und nur vielleicht als ein wenig Philosoph« verstehen - oder ob er sich, wie es in einer privaten Notiz heißt, mit Heidegger »hoch im Gebirge auf einem weiten felsigen Hochplateau« in »kühler Luft« einen »ritterlichen Kampf« reiner Geister liefern solle. Nicht nur, daß dies in seine Philosophie ein merkwürdiges Schwanken zwischen Wesensschau und Realitätssinn hineinbringt; so bleibt für ihn auch Heideggers Denken, das er - ohne und gegen allen Sachzwang - auf den Spuren des »Eigentlichen« sieht, eine bleibende Versuchung.

Dennoch wird Jaspers den Verdacht nicht los, daß auch Heidegger insgeheim einem Sachzwang folgt. 1949 heißt es in einem Brief von Heidegger: »Die Auseinandersetzung mit dem deutschen Unheil und seiner weltgeschichtlich-neuzeitlichen Verflechtung wird den Rest unseres Lebens durchdauern!« Wenn er auf diese Weise den Nationalsozialismus zu einer »seinsgeschichtlichen« Episode im Zeitalter technischer Weltverwüstung erklärt, so kann er sich selber unter diesem philosophischen Rundumschlag kunstgerecht so weit ducken, daß er ihn nicht mehr trifft: Jaspers schreibt dazu an Hannah Arendt, einst Schülerin beider Briefpartner und Geliebte Heideggers, er sehe darin ein Ablenkungsmanöver, eine philosophisch verkleidete Unterstützung »für alle, die ihr eigenes Nazitum entschuldigen wollen«.

Immerhin: Nach langem Tauziehen, im achten Brief Heideggers nach Kriegsende, am 7. März 1950, kommt endlich dessen Bekenntnis, daß »ich mich einfach schämte«, spricht er von der »Schuld« und der »Scham, jemals hier unmittelbar und mittelbar mitgewirkt zu haben«. Das vielbeschworene Schuldbekenntnis, auf das im übrigen die Öffentlichkeit vergebens warten sollte - Jaspers wird es zuteil.

Doch es verfehlt seine befreiende Wirkung. Er halte das Wort von der »Scham« für eine »Ausrede«, schreibt Jaspers an Hannah Arendt; von dieser erfährt er dann interessante Hintergründe. Während eines Besuchs bei Heidegger im Februar 1950 habe sie ihm ins Gewissen geredet, schreibt sie und sieht sich damit als die »unschuldig-schuldige Veranlassung« jenes »Schuldbekenntnisses« vom März. Vielleicht hat Heidegger es auch deshalb abgelegt, um Hannah Arendt, die er einmal zur großen »Leidenschaft« seines Lebens erklärte, einen Gefallen zu tun.

Die Beilagen jedenfalls, mit denen Heidegger sein Bekenntnis serviert, taugen eher dazu, es einem zu verleiden. So schreibt er am 8. April 1950: »Die Sache des Bösen ist nicht zu Ende. Sie tritt erst ins eigentliche Weltstadium. 1933 und vorher haben die Juden und die Linkspolitiker als die unmittelbar Bedrohten heller, schärfer und weiter gesehen. Jetzt sind wir dran. Ich mache mir gar nichts vor. Ich weiß, durch unseren Sohn aus Rußland« - er war Kriegsgefangener -, »daß mein Name jetzt auch wieder vorne an steht und daß die Bedrohung sich jeden Tag auswirken kann. Stalin braucht keinen Krieg mehr zu erklären. Er gewinnt jeden Tag eine Schlacht.«

Nach Heideggers Weltbild hat Stalin Hitler als Schergen der alles verwüstenden Technik abgelöst, und nach den Juden stehen nun »Wächter« des Denkens wie Heidegger auf der schwarzen Liste. Aus dem Schuldigen ist im Handumdrehen ein Opfer geworden.

Jaspers' Antwort, ein Brief vom 24. Juli 1952, ist ein großes historisches Dokument und zugleich der Abgesang auf ihre Beziehung. Auch er erkennt in Stalin die »Kraft des Bösen« und fragt gleichzeitig: »Ist diese Macht nicht für jeden von uns zunächst dort zu packen, wo sie uns gegenwärtig ist . . .? Ist diese Macht des Bösen in Deutschland nicht auch dieses, was ständig gewachsen ist und in der Tat den Sieg Stalins vorbereitet: die Verschleierung und das Vergessen des Vergangenen, der neue sogenannte Nationalismus, die Wiederkehr der alten Geleise des Denkens und aller Gespenster? Ist nicht eine Philosophie, die in solchen Sätzen Ihres Briefes ahnt und dichtet, die die Vision eines Ungeheuren bewirkt, wiederum Vorbereitung des Sieges des Totalitären dadurch, daß sie von der Wirklichkeit sich trennt?«

Eine inhaltliche Antwort Heideggers bleibt aus, Briefe schreibt er nur noch pflichtgemäß zu Jaspers' runden Geburtstagen. Hannah Arendt schreibt dazu an Jaspers, Heidegger ziehe sich zurück in ein »Mauseloch«, um sich »aus allem Unangenehmen rauszuschwindeln und nur noch Philosophie zu machen«. Doch dabei sei ihm »prompt diese ganze verzwickt-kindische Unehrlichkeit in das Philosophieren geschlagen«.

Wollten Heideggers Nachlaßverwalter der menschlichen und philosophischen Demontage ihres Meisters entgegenwirken, bliebe ihnen nichts anderes, als den - bislang strikt geheimgehaltenen - Briefwechsel eben mit Hannah Arendt zu veröffentlichen. Denn er enthält - so erfährt man von einem der wenigen Eingeweihten - ganz bezaubernde Liebesbriefe aus Heideggers Hand.

Sie könnten ihn uns wenigstens menschlich wieder näherbringen.

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