»Das System zerbricht« - DER SPIEGEL
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Steuerpolitik »Das System zerbricht«

• aus DER SPIEGEL 47/1995
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

SPIEGEL: Ausländer, die in Deutschland gastieren, sollen im nächsten Jahr bis zu 53 statt 15 Prozent Steuern zahlen. Was hat Waigel gegen Musiker?

Friedrich: Man hört unterderhand, daß Bonn eigentlich die Absahner aus dem Showbusiness treffen wollte und uns gar nicht auf der Rechnung hatte.

SPIEGEL: Wie wirkt sich die Panne für die Theater aus?

Friedrich: Eine ziemliche Verheerung, denn wir sind auf ausländische Gäste angewiesen. Vorstellungen werden ausfallen, weil Künstler die Geschäftsgrundlage ihrer Verträge als nicht mehr gegeben ansehen. Ich fürchte eine Welle von Prozessen und enorme Einnahmeausfälle.

SPIEGEL: Was büßen die Künstler ein?

Friedrich: Erstklassige verdienen, sagen wir mal, 10 000 Mark pro Abend. In Europa zahlen sie meist knapp 25 Prozent Steuern, nehmen also rund 7500 Mark mit nach Hause. In Deutschland bliebe einigen weniger als die Hälfte. Zusätzlich gehen Solidaritätszuschlag, Reisekosten, Unterkunft und Verpflegung ab.

SPIEGEL: Sehen Sie einen Ausweg?

Friedrich: Daß wir den Künstlern die entgangenen Gelder durch höhere Gagen ausgleichen, schließt schon die allgemeine Haushaltslage aus. Dabei hatten wir Intendanten uns gerade auf ein vernünftiges Gagen-Niveau geeinigt. Allein die beiden großen Berliner Opern müßten jeweils 5,5 Millionen Mark pro Spielzeit mehr für Ausgleichszahlungen aufwenden. Das System zerbricht. Ein Ausweg kann nur in einer modifizierten Durchführungsverordnung für den betroffenen Künstlerkreis gesehen werden.

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