Daumenwahl - DER SPIEGEL
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Am Rande Daumenwahl

• aus DER SPIEGEL 15/2002
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Schöne Frauen, hieß es früher, schauten den balzenden Männern vor allem auf die Hände: Erstens, um nach etwaigen Eheringen zu forschen - zweitens, um zu prüfen, ob diese Hände die Herzensdamen dereinst durchs Leben tragen könnten. »Damenwahl« hieß das Verfahren, doch es brachte ständig Ärger: Zu grob waren die Parameter. Nun hat der technische Fortschritt die Sache radikal vereinfacht: Schöne Mädchen schauen Jungs nur noch auf den Daumen. Dann wissen sie, ob die Knaben fingerflink und computerkompatibel sind: log-in, no problem! »Daumenwahl« - der neue Trend. Nach einer britischen Uni-Studie hat die »Generation Keypad« die Benutzung des Daumens kreativ fortentwickelt. Die Probanden, jünger als 25, bewiesen, dass ihr jahrelanges Training an Gameboy, Geldautomat und Handy keineswegs vergeblich war - in dieser Altersgruppe sind die Daumen die mit Abstand kräftigsten und beweglichsten Finger. Eine »physische Mutation«, bilanziert die Studie. Wunderbar. Beweist diese protoplastische Anpassung doch, dass wir gar keine gefährlichen Klon-Experimente brauchen, um den Homo sapiens mit SMS, GPRS und HCSD zu versöhnen. Ein Problem freilich bleibt: Die Mousepad-Kids werden auch nach ihrer sanften Eroberung dem Daumen den Vorzug vor den Damen geben. Denn irgendwie geklont sind sie doch.

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