Demis Volpi: Hamburg Ballett trennt sich von umstrittenem Intendanten - DER SPIEGEL
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Umstrittener Intendant Hamburg Ballett trennt sich von Demis Volpi

Die Rede war von Psychotricks, Machtspielen, Schikane: Das Hamburg Ballett reagiert auf die schweren Vorwürfe gegen seinen Intendanten – Demis Volpi muss das Ensemble verlassen.
Intendant Volpi in Hamburg: »Meine Vision ließ sich nicht weiter verwirklichen«
Intendant Volpi in Hamburg: »Meine Vision ließ sich nicht weiter verwirklichen«

Intendant Volpi in Hamburg: »Meine Vision ließ sich nicht weiter verwirklichen«

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Marcus Brandt / dpa / picture alliance

Das Hamburg Ballett trennt sich von seinem umstrittenen Intendanten Demis Volpi. Das teilt der Pressesprecher der zuständigen Kulturbehörde dem SPIEGEL in einer Stellungnahme mit. Darin heißt es, der Aufsichtsrat der Hamburgischen Staatsoper und Demis Volpi hätten sich einvernehmlich auf einen Auflösungsvertrag zum Ende der Spielzeit und auf eine sofortige Freistellung verständigt.

Demis Volpi äußerte sich wie folgt: »Meine Vision – sowohl in künstlerischer Hinsicht als auch im Hinblick auf eine zeitgemäße Struktur, die offene und verantwortungsvolle Zusammenarbeit innerhalb einer Ballettcompagnie ermöglicht – ließ sich trotz intensiver Bemühungen unter den aktuellen Rahmenbedingungen am Hamburg Ballett nicht weiter verwirklichen.«

Wer auf Volpi folgt, steht noch nicht fest. Es werde eine Interimsleitung angestrebt, heißt es. Dazu fänden momentan Gespräche mit dem stellvertretenden Ballettintendanten Lloyd Riggins, dem Ballettbetriebsdirektor Nicolas Hartmann und der stellvertretenden Direktorin der Ballettschule Gigi Hyatt statt. Zudem laufen mit dem Ballettbetriebsdirektor Nicolas Hartmann Verhandlungen über die interimistische Übernahme der Position des Geschäftsführers.

Kultursenator Carsten Brosda sagte: »Wir werden nun zunächst die Verantwortung auf mehrere Schultern verteilen. Die Interimsleitung soll die Arbeit im Sinne der bisherigen Planungen und damit die Weiterentwicklung des Hamburg Balletts zwischen Tradition und Moderne fortführen. Parallel werden die Voraussetzungen für eine langfristige Nachfolge sorgfältig geschaffen.«

Öffentliche Auseinandersetzung

Vorausgegangen war der Entscheidung eine öffentliche Auseinandersetzung um den Intendanten. 36 Tänzerinnen und Tänzer, das ist mehr als die Hälfte der Kompagnie, hatten im April in einem Brief an den zuständigen Hamburger Kultursenator Carsten Brosda »ein toxisches Arbeitsklima« unter Volpi beklagt, das immer mehr Ensemblemitglieder »an eine Kündigung denken« lasse. In einem weiteren Brief an Brosda hatten im Mai zudem 17 ehemalige und jetzige Tänzerinnen und Tänzer von Volpis früherer Arbeitsstätte, der Deutschen Oper am Rhein in Düsseldorf, von einer »Atmosphäre der Angst und Unsicherheit« und von »traumatischer Erfahrung« in der Arbeit mit Volpi berichtet.

Danach waren weitere Vorwürfe gegen Volpi bekannt geworden. Wie der SPIEGEL berichtet hat, soll eine junge Tänzerin im Mai eine Panikattacke erlitten haben, als Volpi den Probenraum betreten habe. Dem Vorfall sei im März ein Gespräch vorausgegangen, bei dem Volpi die Tänzerin verbal niedergemacht habe. Seitdem werde sie psychologisch betreut. Das Hamburg Ballett teilt dazu mit, dass es über Personalgespräche keine Auskunft erteilen dürfe. Grundsätzlich würden sie in einem respektvollen und sachlichen Miteinander geführt.

Zudem kritisierten weitere Tänzerinnen und Tänzer aus Düsseldorf und Hamburg im SPIEGEL das Verhalten des Intendanten. Übereinstimmend ist die Rede von Psychotricks und Machtspielen, sogar von Schikanen, aber auch von künstlerischer Inkompetenz.

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Ende Mai war zudem bekannt geworden, dass die ursprünglich für Juli geplante Uraufführung des von Demis Volpi geplanten Balletts »Demian« abgesagt worden war. »Demian« sollte die erste Produktion sein, die der neue Chef Volpi eigens für Hamburg choreografiert.

Demis Volpi hatte das Hamburg Ballett im August 2024 von John Neumeier übernommen. Zuvor hatte Neumeier das Ensemble 51 Jahre lang geleitet und zu einer der wichtigsten Kompagnien der Welt gemacht.