»Der Aal« - DER SPIEGEL
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Kino in Kürze »Der Aal«

• aus DER SPIEGEL 6/1998
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Mörder, die ihre Tat verfolgt, hat das Kino oft gesehen. Aber diese Version konnte nur einem Japaner einfallen: Takuro Yamashita, der aus Eifersucht die Ehefrau erstach, rettet in seiner Bewährungszeit der jungen Keiko das Leben. Prompt beginnt sie aus Dankbarkeit, in Takuros Friseursalon mitzuhelfen. Aber Keiko (Misa Shimizu) ähnelt fatal der Ermordeten. So scheut der einsilbige Takuro (Koji Yakusho) vor ihr zurück, während die Nachbarn schon Heiratsgerüchte verbreiten. Als dann ein Ex-Mithäftling Takuros Vergangenheit ausplaudert und Keiko in Familienzwist versinkt, droht eine neue Tragödie. Doch Regisseur Shohei Imamura läßt alle blessiert davonkommen - aus einem Film, der sich zwischen Alptraum-Horror, Groteske und Genre-Melodram virtuos hindurchschlängelt wie ein Aal: Logisch, daß das Symboltier des Films, Takuros Gesprächspartner seit Gefängnistagen, am Ende in die Freiheit des Meeres zurückkehren darf. Und begreiflich, daß Imamuras dichte Leinwandnovelle vergangenes Jahr in Cannes mit der Goldenen Palme belohnt wurde.

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