Der achte Samurai - DER SPIEGEL
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FILM Der achte Samurai

»Dreckige Hunde«. Spielfilm von Karel Reisz. USA 1978. 125 Minuten. Farbe.
• aus DER SPIEGEL 36/1978
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Wer ihn in der Taucher-Plotte »Die Tiefe« gesehen hat, glaubt seinen Augen nicht zu trauen: Aus Nick Nolte, dem fleischigen College-Beau mit dem blöden Lächeln unterm typischen Schwinger-Schnauzer, ist ein Macho-Held geworden, der die priapistischen Protzereien eines Burt Reynolds und die Knautschzonenmimik eines Charles Bronson vergessen macht.

In Karel Reisz' Film, der auf Robert Stones preisgekröntem Roman »Dog Soldiers« basiert, spielt Nolte Ray Hicks, einen Ex-Soldaten der Mannes, der auf Bitten seines Freundes John, eines desillusionierten Kriegsberichterstatters, zwei Kilo Heroin aus Vietnam in die USA schmuggeln soll. Beim Versuch, die heiße Ware in San Francisco Johns ahnungsloser Frau Marge zu übergeben, wird John von korrupten Agenten des FBI überrascht, die ihrerseits hinter dem Stoff her sind.

Ray und Marge gelingt es, mit dem Heroin zu fliehen, und die nun anhebende Jagd führt durch ein Amerika der kaputten Illusion, durch die einstmals blumenfröhliche Gegenkultur der 60er Jahre, deren moralische Kraft vor der Droge kapituliert hat.

Verfolger und Verfolgte sind Ausgeflippte in einer irre gewordenen Welt. John, der Journalist, ein bläßlicher Intellektuellentyp, kehrt zerstört aus einem Krieg zurück, in dem man Elefanten beschoß, weil sie Nachschub

* Mit Nick Nolte, Tuesday Weld

transportierten; Marge, seine Frau, betäubt ihre Vorstadtparanoia mit Tranquilizern; die Gesetzeshüter des FRI sind zu sadistischen, gierigen Killern verkommen. Ray, der Nietzsche liest und Karate übt, schlägt sich als einsamer Samurai durch diesen Dschungel.

Mit hämischer Finesse hat Karel Reisz das Drama dieser gestrandeten Figuren der Wegwerfgesellschaft als Action-Thriller nach klassischem Muster verfilmt. Die Jagd findet ihr Ende in den Bergen New Mexicos, im verlassenen Camp einer Kommune, von der nur noch eine gigantische Stereoanlage und ein Peace-Zeichen auf einem Felsen übriggeblieben sind.

Der brillante Showdown weckt Erinnerungen an John Hustons »Der Schatz der Sierra Madre«. Die FBI-Leute haben John gefaßt und wollen ihn im Austausch gegen das Heroin freilassen. Ray lockt sie in einen Hinterhalt und schießt Marge und John den Weg frei, wobei er verwundet wird. Es gelingt ihm zwar noch, zum verabredeten Treffpunkt zu kommen, doch als Marge und John ihn finden, ist er tot. John schneidet daraufhin das Heroinpaket auf und verstreut den Inhalt in alle Winde.

Reisz hat mit diesem Ray einen Kinohelden geschaffen, dessen zynischer Heroismus an die besten Zeiten eines James Cagney erinnert. Wenn er auch manche Spitzen der Romanvorlage entschärfte, hat er doch die Atmosphäre eines durch Vietnam und Drogen paralysierten Amerika überzeugend rekonstruiert. »Dreckige Hunde« ist einer der seltenen Action-Filme, in denen Gewalt und Brutalität nicht ihrer Wurzeln entrissen wurden.

Wolfgang Limmer

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