Der Koopman von Venice - DER SPIEGEL
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LITERATUR Der Koopman von Venice

• aus DER SPIEGEL 7/2003
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Als er die Idee zu dem Buch hatte, sollte es »Der Kaufmann von Venedig« heißen, denn die Hauptfigur Joop Koopman, ein holländischer Jude, lebt in Venice am Rande von Los Angeles. Aber der Titel war leider schon vergeben. Dann wollte Leon de Winter seinen neuesten Roman »God''s Gym« nennen, was wörtlich übersetzt »Gottes Fitness-Center« bedeutet, doch kommt in diesem Fall »God« von »Godzilla«, dem Spitznamen eines schwarzen Athleten, der in Los Angeles erfolgreich ein Sportstudio betreibt, God''s Gym eben. Am Ende setzte sich der Verlag durch: »Malibu« - das klingt nach Sause, Sonne, Strand, Surfen und »Don''t worry, be happy«.

Doch »Malibu« ist ein bedrückendes, trauriges und zugleich grandioses Buch über das Leiden, darüber, wie gemein das Leben sein kann. Für Joop Koopman, einen aus der großen Schar der Drehbuch-Schreiber in Hollywood, hört die Welt auf zu existieren, als seine Tochter Mirjam durch einen Verkehrsunfall an ihrem 17. Geburtstag ums Leben kommt.

Und es ist ausgerechnet Erroll, genannt Godzilla, der Koopman aus seiner Depression wieder ins Leben zurückholt, obwohl er es doch war, der Mirjams Tod mit verursacht hat. Und dann sind da noch Philip, ein Freund aus alten Tagen in Holland, der für den israelischen Geheimdienst arbeitet und Koopman für eine sehr spezielle Aufgabe anwerben möchte, und Linda, eine Jugendliebe, die inzwischen Buddhistin geworden ist und an die Reinkarnation glaubt.

Wie meist erzählt Leon de Winter, 48, eine komplizierte Geschichte auf einfache, klare Art. Jede noch so aberwitzige Wendung erscheint schlüssig in diesem Buch, das davon handelt, dass man niemandem trauen und sich auf gar nichts verlassen kann und schon gar nicht auf die eigene Wahrnehmung. »Malibu« ist ein finsteres Meisterstück. Trotz des Titels.

Leon de Winter: »Malibu«. Aus dem Niederländischen von HanniEhlers. Diogenes Verlag, Zürich; 432 Seiten; 22,90 Euro.

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