KULTURGESCHICHTE Der letzte Ottone
Er war ein Herrscher, wie die Bayern ihn lieben: patriarchalisch streng und fromm, kein Visionär, sondern sattelfest und prinzipientreu. Verständlich also, dass Heinrich II., ab 1002 deutscher König und ab 1014 auch Römischer Kaiser, nun zum Jubiläum besonders glanzvoll gefeiert wird: In Bamberg, dem von ihm gegründeten Bischofssitz, ist von Dienstag an die wohl prächtigste Mittelalter-Schau dieses Sommers zu sehen. Urkunden, Münzen, Waffen und religiöser Schmuck, vor allem aber einzigartige Handschriften dokumentieren eine Epoche, in der sich Kirche und Fürsten trotz mancher Reiberei noch gütlich die Herrschaft teilten; in Hörproben werden die Musik der Krönungsfeier und sogar Beispiele des damaligen Sprachenwirrwarrs lebendig. Den logischen Schluss- und Höhepunkt der Attraktionen bildet der Bamberger Dom selbst, wo Heinrich begraben liegt. Erst im Kleingedruckten des Katalogs (16 Euro) zeigt sich, dass der schon 1146 heilig gesprochene letzte Ottone auch mal Fehler gemacht hat: Sein Dauerzwist mit Polens Herrscher Boleslaw etwa bremste die Heidenmission im Osten, zu deren Förderung das Lieblingsbistum Bamberg doch gerade beitragen sollte.