Der philosophische Schreinergeselle - DER SPIEGEL
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HUMOR Der philosophische Schreinergeselle

• aus DER SPIEGEL 51/2002
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Er war der Größte - nicht nur weil er auf der Bühne mit seiner langen Gestalt fast die Decke berührte, sondern, weil sich keiner mit ihm messen konnte. Der Schreinergeselle Valentin Fey, Jahrgang 1882, wurde als Vortragskünstler, Geschichtenerzähler und Erfinder unter dem Künstlernamen Karl Valentin berühmt. Valentins Stärke war das gesprochene Wort, die philosophische Miniatur wie »Kunst ist schön, macht aber viel Arbeit« oder »Zuerst wartete ich langsam, dann immer schneller«. Das kam bei einfachen Leuten gut an, und auch Intellektuelle wie Bert Brecht, Alfred Kerr und Kurt Tucholsky waren begeistert. Als einziger »Volkssänger« schaffte Valentin den Sprung auf bekannte Sprechbühnen wie die Münchner Kammerspiele und das Berliner Kabarett der Komiker. Anfang der vierziger Jahre verstummte »der stärkste Selbstdarsteller menschlicher Unzulänglichkeiten« (Oskar Maria Graf), nach dem Krieg versuchte er erfolglos ein Comeback. Karl Valentin starb am 9. Februar 1948, einem Rosenmontag; es war die letzte Pointe seines Lebens. Jetzt legt der Münchner Trikont Verlag, auf historische Ausgrabungen spezialisiert, eine »Gesamtausgabe Ton« von Karl Valentin vor, acht CDs mit 126 Valentinaden, aufgenommen zwischen 1928 und 1947. Klassiker wie »Buchbinder Wanninger« und »Die Orchesterprobe«, aber auch weniger bekannte und sogar unveröffentlichte Stücke. Dazu gibt es ein 140-Seiten-Buch mit Texten des Herausgebers Andreas Koll und Verbeugungen von Valentin-Fans wie Herbert Achternbusch und Christoph Schlingensief. Was würde Valentin dazu sagen? »Ich möchte nur mitteilen, dass ich jetzt schon fertig habe.«

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