Der schreibende Maler - DER SPIEGEL
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AUTOREN Der schreibende Maler

• aus DER SPIEGEL 22/2003
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Als der »expressionistischste aller Expressionisten« wurde er bezeichnet, von so infernalischer Wucht waren Ludwig Meidners (1884 bis 1966) Gemälde von »Apokalyptischen Landschaften« oder seine »Vision eines Schützengrabens«. Bei so viel Endzeitstimmung überrascht Meidners schreiberisches Werk in kleinen Formen, das vom Germanisten Michael Assmann wieder entdeckt wurde und in Auszügen zur Buchmesse im Herbst unter dem Titel »Verteidigung des Rollmopses« beim Verlag Schöffling & Co. herausgegeben wird. In rund 25 glossierenden Feuilletons und Alltagshumoresken bejammert der Maler und Zeichner empfindsam das »ewige Einerlei der Caféhausterrassen« und »die schier endlose Stadt, die entsetzliche Schwermut dieser menschlichen Niederlassung«. Die Texte mit Titeln wie »Hundstage in der Weltstadt« oder »Stoßseufzer eines alternden Ekstatikers« erschienen in den zwanziger und dreißiger Jahren zum Teil in Zeitungen wie dem »Berliner Tageblatt« oder dem »Berliner Börsen-Courier«. Sie belegen eine resignative Zeit des Zweifels, in der Meidner eine Schaffenskrise durchlitt und laut Assmann mehr »die Bilder seiner ebenfalls malenden Frau bewunderte, als selbst welche zu produzieren«.

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