Zum Tod von Rainer Wörtmann Der Titelheld
Titelbild-Chef Wörtmann
Foto:Privat
Der Kölner Dom, der im Wasser zu versinken droht: Mit diesem SPIEGEL-Titelbild (Nr. 33/1986, »Die Klima-Katastrophe«) schockte er vor knapp 40 Jahren die Leser. Rainer Wörtmanns alarmierende Vision über den aufziehenden Klimawandel gilt Medienexperten bis heute als journalistischer Coup: So setzt man ein Thema, das fortan die Welt bewegen wird. Im Mediengeschäft erfahren als vormaliger Art Director und Chefredakteur des deutschen »Playboy« hatte der in Esslingen gebürtige Schwabe 1984 die Verantwortung für die Gestaltung der Frontseiten des SPIEGEL übernommen und prägte ein ereignisreiches Jahrzehnt lang das Gesicht des Blattes.
Sein Anspruch, den einst vorwiegend am Kiosk verkauften SPIEGEL auf den ersten Blick im Zeitschriftengewimmel herausscheinen zu lassen, wurde vom Art Directors Club wiederholt mit Gold-, Silber- und Bronze-Auszeichnungen anerkannt. 1994, als er seinen Front-Posten verließ, um das Sonderheft SPIEGEL Special zu gestalten, zeigte das Hamburger Museum für Kunst und Gewerbe sämtliche Titelbildentwürfe Wörtmanns aus dem Jahr 1993. Es waren 271, mindestens 5 zur Auswahl für jede Woche. Viele verschiedene Illustratoren beschäftigte der Titelbild-Chef mit der Umsetzung seiner Ideen, darunter bekannte Namen wie Tomi Ungerer, Marie Marcks und Michael Mathias Prechtl. Obgleich Wörtmann sich auch mit der Gestaltung des Innenteils der damals häufig über 300 Seiten starken Hefte befasste, legte er keinen Wert auf den Titel Art Director im Impressum: Seine Arbeit habe »eher mit Journalismus« zu tun. Rainer Wörtmann starb am 10. Juni in Hamburg.