REVUE Deutsche Art
Geza von Cziffras Revuefilm »Die Dritte von rechts«, mit über sieben Millionen Besuchern in der Bundesrepublik ein Kassenschlager der vergangenen Saison, ist in Paris gleichzeitig in vier Uraufführungstheatern angelaufen: am Place Pigalle, dem Zentrum des sogenannten Nachtlebens, im Studentenviertel, an der Porte Saint-Martin und, in Originalfassung, an den Champs-Elysées.
»Die Dritte von rechts« ist nach »Die Mörder sind unter uns«, »Berliner Ballade« und »Ehe im Schatten« der vierte deutsche Film, der seit 1945 in Paris gezeigt wird. Aber die Pariser Filmfans, die nach den ersten drei Filmen die Aufführung weiterer deutscher Nachkriegsproduktionen verlangt hatten sind enttäuscht, schon wegen der verunglückten Nacktmädchen - Reklame ausgerechnet in Paris.
Warum die französischen Filmverleiher die »Dritte von rechts« in »Une fille du tonnerre« umgetauft haben, weiß niemand. Der Titel läßt sich nicht ins Deutsche zurückübersetzen - höchstens ganz frei: »Donnerwetter, was für ein Mädel!«
Die Kritik war ziemlich einstimmig ablehnend. »Langweilige Technik - gleichzeitig ein hochinteressantes Dokument des augenblicklichen ''Geschmacks'' in Deutschland«, schreibt eine große Abendzeitung. »Die Revue - Nummern sind schauerlich. Eine davon erreicht den Gipfelpunkt der Vulgarität. Aber so bis zum äußersten getrieben stört der schlechte Geschmack schon gar nicht mehr ...« Auch die übrigen Kritiker bemängeln die Tapsigkeit der Tänze, die Pappkartonlandschaften und die Armseligkeit der Handlung.
»Geza von Cziffra handhabt die Erotik mit unnachahmbarer deutscher Art ...«, schreibt die Presse. »Deutsche Art« ist im Pariser Licht die Art der »Sauerkraut-Fresser«. Nur darüber, daß Vera Molnar ein hübsches Mädchen ist, sind sich alle Kritiker einig. Auch wenn sie ihr nicht viel schauspielerisches Talent zutrauen.
Jedenfalls bekommen die Franzosen durch »Une fille du tonnerre« völlig falsche Vorstellungen von der gegenwärtigen deutschen Produktion - so, wie man in Deutschland falsche Vorstellungen von der französischen Produktion bekäme, wenn man nur »Pariser Nächte« zeigen würde, die in Paris einen Durchfall erlebten.
*) Ava Gardner war bisher in Deutschland zu sehen in »Venus macht Seitensprünge«, »Rächer der Unterwelt« und »Singapur«. Zwei weitere Filme mit ihr sind in der Bundesrepublik angelaufen: »Geheimaktion Carlotta« und »Verlorenes Spiel«.