Deutsche in Verzückung - DER SPIEGEL
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Deutsche in Verzückung

• aus DER SPIEGEL 10/1990
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Hitler muß bald dran glauben. Es kann nicht mehr lange dauern«, notiert Klaus Mann am 6. Juli 1934, nach dem Röhm-Putsch. Aber im Kontext aller Notizen, die er zu dieser Zeit in sein Tagebuch einträgt, klingt das schon wie eine nur noch trotzige, hoffnungslose Beschwörung.

Bereits der von 1931 bis zum Emigrationsjahr 1933 reichende erste Band der Tagebücher-Edition zeigte den Schriftsteller und Großschriftsteller-Sohn auf dem Weg in die - nicht nur politisch begründete - Verzweiflung, unterwegs zum Freitod (SPIEGEL 17/1989). Ohnmächtiger »Haß« auf die Nazi-»Scheiße«, der so rastlose wie vergebliche publizistische Kampf gegen die Hitler-Barbarei, Hektik und Nöte des Exil-Lebens und dazwischen die zweifelhaften Tröstungen und unaufhebbaren Miseren des Drogensüchtigen, das flüchtige homosexuelle »Treiben«, auf das er immer wieder selbstquälerisch zurückkommt - das alles dokumentiert, bewegend zu lesen, auch der zweite Band von Klaus Manns intimen Journalen.

Sein zeitgeschichtlich interessantester Abschnitt handelt vom Moskauer Schriftstellerkongreß im August 1934. Klaus Mann hält Begegnungen mit Gorki, Ehrenburg, Malraux, Johannes R. Becher fest. Der linksbürgerliche Individualist mit der Sehnsucht nach Überwindung des Individualismus bewundert die »Pionier-Stimmung« in dem »neuen, ehrgeizigen Land«. Doch in Sachen Literatur ist er unbestechlich, beklagt sowjetamtliche »Dummheiten gegen Joyce und Proust«, die »furchtbare Vereinfachung des ganzen Phänomens Kunst« im Dienste des Volkswohls: »Dieser optimistischen Generation wird eines Tages ein ,Werther' geschrieben werden.«

Und angesichts einer Vorführung sowjetischer Militär-Herrlichkeit bleibt er, anders als einige seiner linken deutschen Kollegen, skeptisch, ein standhafter Antimilitarist: »Deputation der Roten Armee. Trupp Soldaten, gefährlich marschierend . . . Begeisterung des Publikums; die Deutschen in Verzückung. Davon bitter berührt - trotz allen Argumenten (Schutz des Sozialismus u. s. w.).«

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