Dichter
Gelingt Jewgenij Jewtuschenko ein Comeback im Westen? Vor neun Jahren lockte der sowjetische Lyriker ("Babij Jar"), der in Chruschtschows Tauwetter-Rußland oft vor 12 000 Zuhörern rezitiert hatte, auf einer Tournee durch westliche Länder ebenfalls Tausende in seine Vortragsabende. Jetzt. da sein Protest-Poetenruhm schon etwas verwelkt ist, versucht er einen neuen großangelegten Auftritt: Am Freitag dieser Woche will Jewtuschenko im 5000 Besucher fassenden »Felt Forum« des New Yorker Madison Square Garden neue Gedichte deklamieren -- zusammen mit einigen US-Kollegen, unterstützt von Klavierbegleitung, einem 15-Mann-Chor und 13 Mikrophonen. Zuerst hatte sich der russische Barde für seine Soiree sogar die Sport-Arena des Madison Square Garden (20 000 Plätze) gewünscht: aber die Veranstaltungsmanager vom New Yorker Verlag Doubleday rangen ihrem Autor dann doch den »Kompromiß« der kleineren Halle ab. Doubleday hat kürzlich den neuen Jewtuschenko-Band »Gestohlene Äpfel« veröffentlicht. Eine Jewtuschenko-Auswahl »Lyrik -- Prosa -- Dokumente«, laut Verlagsangabe »die erste umfassende« in deutscher Sprache, die auch in Deutschland noch unbekannte Gedichte aus den Jahren 1964 bis 1969 enthält, erscheint in diesem Frühjahr bei der Nymphenburger Verlagshandlung.