BÜCHER / NEU IN DEUTSCHLAND Die Ehemalige
Clara Goldschmidt und Andre Malraux haben einander als halbe Kinder geheiratet, bald nach dem Ersten Weltkrieg. Als dem schicken, feinsinnigen Paar das Geld ausging, fuhr er nach Kambodscha, um dort Tempelstatuen zu mopsen. Der Plan mißlang, doch der Skandal half, den Autorenruhm des späteren Ministers zu entfachen.
Madame spricht nicht als Witwe, sondern als »die ehemalige Frau eines einflußreichen Mannes«. Das schränkt die Ergebenheit ein, aber nicht den Stolz. Der junge Malraux war, nach Clara, »weder frei von Snobismus noch von einer gewissen gesellschaftlichen Unbeholfenheit«, aber wiederum auch »anders als die anderen und verdiente deshalb, daß man ihm jede Möglichkeit zur Entfaltung gewährte, selbst auf Kosten einiger Verstöße gegen die geltenden Regeln«. »Sie glauben doch wohl nicht, daß ich in Zukunft arbeite?« kommentierte er den Abschied vom gemeinsamen Vermögen. Er schwindelt gern, ist ein Weiberfeind und bringt der Gattin Rauschgift.
Das Buch dient aber nicht allein der Abrechnung mit einem einstigen Gefährten, es geht -- verständig und oft elegant -- auf Eigenheiten der Familie und auf die Fortschritte und Rückschläge der zwei Personengruppen ein, zu denen die Verfasserin sich zählen darf: der Frauen und der Juden.