THEATER »Die Flüchtlinge stehen auf der Bühne«
SPIEGEL: Herr Dukovski, Sie haben Ihr düsteres Stück »Das Pulverfass« während des Bosnien-Kriegs geschrieben. Sind Sie jetzt, nach dem Umsturz in Serbien, etwas heiterer?
Dukovski: Natürlich hoffe ich auf eine bessere Zukunft. Gerade waren ein paar Freunde aus Belgrad hier in Skopje zu Besuch, und sie waren so optimistisch und so voller Energie. Aber der letzte Akt ist bei dem Theaterstück des Lebens und des Sterbens, dem wir seit acht Jahren zusehen, noch nicht zu Ende.
SPIEGEL: Das klingt, als hätten Sie Zweifel am Happy End.
Dukovski: Erst, wenn die alte Machtclique ganz verschwunden ist, fällt der Vorhang. Im Moment stehen die Flüchtlinge, die zerbrochenen Familien auf der Bühne.
SPIEGEL: Müssen Sie den Opfern jetzt ein neues, optimistischeres Stück schreiben?
Dukovski: Jedenfalls haben wir Künstler jetzt die Chance, eine neue Gesellschaft mitzugestalten. Vielleicht kann man mit Hilfe des Theaters den Menschen in Erinnerung rufen, wie es war, als sie noch friedlich zusammenlebten.
SPIEGEL: Die serbische Theaterautorin Biljana Srbljanovic beklagt, dass Bagger Milosevic zum Rückzug gezwungen haben und nicht Worte.
Dukovski: Das war eine unrealistische Erwartung. Niemals in der Geschichte der Revolutionen haben Worte einen Kampf entschieden, es war immer Gewalt. Und wo Gewalt herrscht, da gibt es Opfer. Ich selbst hatte ein Blutbad befürchtet, zu dem es glücklicherweise nicht kam.