Kino in Kürze »Dieter Roth«
. Den Mann, den die Kunstwelt heute anhimmelt, plagten zu Lebzeiten Geldsorgen. Dennoch bat Roth (1930 bis 1998) seine Gattin, ihre Garderobe in den Müll zu schmeißen - er wollte ihr schönere Kleider entwerfen. Auf die Bücher in den Regalen legte er auch keinen Wert: Er hatte vor, bessere Bücher zu schreiben. Roth war ein kreatives Kraftbündel, ein Zeichner, Bildhauer, Filmemacher, Selbstdarsteller und Dichter. Der Dokumentarfilm der Schweizerin Edith Jud rekonstruiert mit Filmausschnitten, Fotos und Interviews das Leben des bodenständigen Exzentrikers und zeigt, wie aus dem jungen Quergeist ein dicklicher Herr mit Halbglatze wurde, der mit seinem Humor die Menschen becircte. Juds Film bleibt eher nüchtern, wirkt manchmal melancholisch - und spart die eigentliche Paradoxie der Geschichte Roths aus: Alles, was dieser mittellose Midas der Kunstwelt anfasste, verwandelt sich jetzt in Gold. Heute gilt sogar der Abfall, den er sammelte, als Gegenwartskunst.