Am Rande Doppel-König
Na klar, wissen wir: Im Reich der Kunst herrschen Lug und Trug. Nicht nur sind Malersleute grundsätzlich Gaukler, die an des Kaisers neuen Kleidern weben; bei nennenswertem Marktwert ihrer Ware locken sie auch unwiderstehlich Doppelgänger an. Die werkeln in den Augen oberflächlicher Betrachter gleich gut und tun es, ohne die Mühe der Produkt-Entwicklung, umso emsiger. Manch einer tritt schließlich, wenn er nach klingendem Erfolg dennoch aufgeflogen ist, stolz-verschämt aus dem Schatten und lässt sich »König der Fälscher« titulieren. So geschah es jenem ungarischen Weltmann, der am liebsten den Namen Elmyr de Hory trug. Er hat eine internationale Klientel durch Monet-, Picasso- und Modigliani-Imitationen beglückt und steht auch nach seinem Tod (1976) bei amerikanischen Fans mit Bilderpreisen um 20 000 Dollar noch hoch im Kurs. Rotiert er nun - oder wäre er stolz auf die ihm erwiesene Ehre? Die US-Zeitschrift »Artnews« verbreitet das ebenso einleuchtende wie schwindelerregende Gerücht, es seien De-Hory-Fälschungen aufgetaucht, solche von minderer Qualität, geeignet, das Renommee des Verblichenen in den Schmutz zu ziehen. Ist den Leuten gar nichts heilig? Nicht einmal auf ein Gaunerstück kann man sich mehr verlassen. Schreckliche Vorstellung: In irgendeinem Hinterzimmer sitzt jemand und fälscht Konrad Kujaus Tagebücher. Und die Geschichte der Diarienliteratur muss schon wieder umgeschrieben werden.