Dudendada - DER SPIEGEL
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Am Rande Dudendada

• aus DER SPIEGEL 34/2000
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Die »Zeit« drückt auf die Pausenklingel. Antreten zum Diktat, ihr deutschen Dichter! Aufgepasst, Walser und Grass, Grünbein, Lenz und Kant, Hermann! Die »Zeit« hält am 23. August ein »Klassenzimmer« für euch bereit, da gibt's Keile für jeden, der sich verschreibt - und verrät, dass er die alten Rechtschreibregeln, die er öffentlich verteidigt hat, selbst nicht beherrscht. Nur wer das Diktat besteht, »dem wird das Recht verliehen, die Wiedereinsetzung der alten Regeln zu fordern. Wer aber durchfällt, der soll fürderhin schweigen«.

Der feierliche Scherz eines seltsam humorvollen Präzeptors? Irrtum, das Wochenblatt teilt mit: Der »Aufruf« sei »ernst gemeint«. Aufgepasst, »Zeit«-Lehrer, die ihr so streng uns verkündiget, »was jetzt zu tun ist«! Seit wann muss der Kritiker einer neuen Verkehrsregel nachweisen, dass er die alte auswendig kann und nie verletzt hat? Seit wann ist es verboten, dass die Sünder von der Tugend, die Trinker vom Sprudelwasser und die Asketen vom Schlaraffenland schwärmen? Wird ein richtiges Argument falsch, wenn ein Tor es vorträgt? In welchem Steril-Domizil lebt ihr eigentlich? Und auch dies sei euch, halten zu Gnaden!, entgegnet: Wer die neuen Schreibregeln nicht beherrscht, darf sie trotzdem gut finden, selbst wenn er in der »Zeit«-Redaktion sitzt; und nicht einmal einer, der die alten Regeln besser findet, muss die neuen verdammen und das jüngste Dudendada im Husarenstil Frankfurter Herausgeber-Art vom Tisch fetzen. Wie auch immer: Das »Zeit«-Diktat riecht nach Klippschule und Paukerkreide. Und es erinnert an jene nahtlose Einheit aus Wort und Tat, von der Existentialisten, Bombenwerfer, Moralapostel und andere Verwirrte schon lange träumen.

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