Filmkritik Dünne Luft
Doc (USA, Farbe). Bis zum Jahre 1960 wurden sie vom Volk und im Film als Helden verehrt, dann kam die Wahrheit ans Licht: Marshal Wyatt Earp und sein tuberkulöser Kumpan John ("Doc") Holliday waren macht- und geldgierige Killer, denen die Furcht ihrer Feinde zu legendärem Ruhm verholfen hatte.
Regisseur Frank Perry ("David und Lisa") und der Kolumnist Pete Hamill, Anhänger einer in Mode »gekommenen Western-Entmythologisierung, haben die neue Wahrheit nun auch abendfüllend .ins Film-Bild gesetzt -- nicht ohne politische Gegenwarts-Parallelen und nicht ohne Sex.
»Ich bin noch nie im Gebirge gebumst worden«, spricht etwa die attraktive Hure Kate Elder (Faye Dunaway) zu ihrem Doc (Stacy Keach). Doch dem Doc, der die Nutte »beim Spiel gewonnen hat, fehlt jede Lust: »Die Luft ist hier zu dünn.« Das gute Klima des Städtchens Tombstone freilich macht ihn so munter, daß sein Freund und Geschäftspartner Earp (Harns Yulin) eifersüchtig wird und um die gemeinsame Sache fürchtet. In einer Kampagne, die an Nixons Präsidentschaftskandidatur erinnern soll, bewirbt sich Earp, der Marshal, nämlich um das Amt des Sheriffs. Doc soll nach der Wahl Spielhöllen gründen: »So können wir hier das große Geld machen.«
Gegen solche Manipulationen erhebt sich die Familien-Gang der Clantons -- Doc, Earp und zwei seiner Brüder erledigen die Gegner bei der berühmten Schießerei am O.K. Corral.
In Perrys realistischem Film, der allerdings seine Spannung und seinen pittoresken Charme genau jenem Wildwest-Mythos verdankt, den er attackieren will, dauert das historische Gemetzel nicht länger als damals am 26. Oktober 1881-23 Sekunden.