LITERATURVERFILMUNG Düsteres Bild
Mord, Missbrauch und soziale Verwahrlosung im einstigen Musterland des sozialen Fortschritts: Die Verfilmung des Bestsellers von Henning Mankell »Die falsche Fährte« zeichnet ein düsteres Bild von Schweden. Das Drehbuch hat Mankell, 53, selbst geschrieben, um - wie in seinen Wallander-Krimis - Politik zu machen: »Ich will die Menschen zwingen, über die Gesellschaft nachzudenken. Wem das zu trist ist - bitte, der kann ja abschalten.« Von der Roman-Idylle des Hafenstädtchens Ystad ist im Film nichts geblieben. Mankell ist das recht: »Gut, dass man nie das Gefühl hat, der Film spiele in Schweden«, sagt er. »Es könnte auch ein Pariser Vorort sein, denn Schweden ist so wie ganz Westeuropa. Kalt und anonym.« Es macht ihn wütend, dass in einem der reichsten Länder der Welt Kinder vernachlässigt und missbraucht werden, wie er es in »Die falsche Fährte« beschreibt und wie Henrik Persson, sein Hauptdarsteller, es selbst erlebt hat. Der heute 17-Jährige spielt den schizophrenen Mörder Stefan und kommt aus ähnlich schwierigen Verhältnissen: ein Heimkind, das häufig Probleme mit der Polizei hatte. »Ein toller Kerl«, findet Mankell, der zufrieden ist, dass Persson »das erste Mal in seinem Leben zeigen durfte, dass er etwas kann und etwas wert ist«.