Dumpfe Hammer - DER SPIEGEL
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VERLAGE / OLYMPIA PRESS Dumpfe Hammer

• aus DER SPIEGEL 51/1969
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Der Verleger Jörg Schröder, 31, Inhaber des linken Darmstädter März-Verlags und der deutschen Dependance von Olympia Press, ist ein vielseitiger Mann: »Mein Faible, was Sex anbelangt«, so offenbarte er gelegentlich (und ließ es auch gleich in einem März-Buch drucken), »bezieht sich nicht nur auf Bücher, sondern das ist ein totales feeling.«

Im kommenden Jahr nun will Schröder seinem totalen Faible für Sex neuen Ausdruck geben: Neben dem einträglichen Handel mit den harten Porno-Büchern der Olympia Press soll dann das Geschäft mit einem neuen Medium treten -- mit Porno-Filmen für den Heimprojektor.

Sein neues Projekt machte Schröder, der sich gegenwärtig vor dem Schöffengericht in Darmstadt »wegen des Verdachts der Verbreitung unzüchtiger Schriften nach § 184« zu verantworten hat, am Donnerstag letzter Woche auf einer fröhlichen Morgenfeier zum Ruhme der Olympia-Press-Pornographie bekannt.

Unter den Geweihen im Jägersaal des Jagdschlosses Kranichstein, wo sich auch gern der Börsenverein versammelt, las (für ein Honorar von 250 Mark) die Frankfurter Schauspielerin Inge Blau zunächst bis zum Knöchel bedeckt in eher bekümmertem Tonfall ein paar Seiten aus dem unzuchtsverdächtigten Verlagswerk »Barbara« von Frank Newman vor, dann schürzte sie den Rock, spreizte die Beine und repetierte den Text mit sündig-aufgerauhter Stimme -- »Warum das so und so sein kann«, hieß diese Darbietung.

Dem so oder so eingestimmten Publikum zeigte der konjunkturbewußte Schröder, der die Olympia-Press-Buchproduktion 1970 auf sechs Bände pro Monat verdoppeln will, dann Proben kommender Lust-Lichtspiele. Die ersten fertigen Produktionen ("Das sind ganz dumpfe Hämmer") behielt er aus koketter Angst vor Beschlagnahme unter Verschluß -- es gab »nur Fingerübungen und Schnittreste« zu sehen.

Auch in diesem Ansichtsmaterial freilich werden vorwiegend die anderen Glieder geübt: Die jugendlichen Mitglieder der Berliner Kommune »Brothers & Sisters« treiben zwar dasselbe wie ihre Konkurrenten in Dänemark, aber sie machen das alles mit mehr Frohsinn, filmen es hübscher und sehen auch viel weniger abgenutzt aus.

Mit den dänischen Lust-Spiel-Fabrikanten wollen die Olympia-Press-Filmer denn auch nichts zu tun haben: »Der verklemmte Dänenporno"« so haben sie beobachtet, »schaltet sich meist dann ein, wenn der an sich ja langweilige, weil nicht steigerungsfähige Geschlechtsakt bereits in Aktion ist.« Und sie ideologisieren frisch drauflos: »Die neuen Sex-Filme der Olympia Film sind keine Pornofilme, sondern Filme, die mit dem Fortschritt, der Entwicklung der Sensibilität der Sexualität zu tun haben, also geradezu Anti-Pornofilme.«

In mindestens 5000 Kopien werden diese farbigen Zehn- oder Zwanzig-Minuten-Werke ab Januar allmonatlich auf den Markt geschleust. Sie kosten 80 bis 120 Mark und unterbieten dänische Importe somit um die Hälfte.

Ob sich die Staatsanwaltschaft über diese neuen Porno-Publikationen überhaupt noch erregen wird, erscheint fraglich. Im »Barbara«-Prozeß gegen Schröder hat sich bereits gezeigt, daß auch der »Unzüchtigkeit« verdächtige Pornographie eher einschläfernd wirkt: Die Verlesung des inkriminierten Buches wurde nach zwei Stunden abgebrochen -- wegen Ermüdung des Gerichts.

* Die Frankfurter Schauspielerin Inge Blau bei der Lesung aus »Barbara von Frank Newman; ungeschürzt, geschürzt.

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